Die Bad Liebenzeller Stadtverwaltung möchte die Städtepartnerschaftsvereinigung zu einem offenen Netzwerk umgestalten. Eine Entwicklung, die nicht jedem gefällt.
Rund 15 Jahre war Günther Wallburg Vorsitzender der Städtepartnerschaftsvereinigung (SPV) Bad Liebenzell. Im Gemeinderat gab er seinen Rückzug von diesem Amt bekannt.
Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Kopp würdigte Wallburg, der die Arbeit in der Städtepartnerschaft „als Herzensangelegenheit empfunden“ habe – zunächst die mit Villaines-la-Juhel in Frankreich und seit 2019 auch mit der portugiesischen Stadt Lourinha, die einen ganz anderen Charakter habe. Kopp dankte Wallburg „für das unermüdliche ehrenamtliche Engagement – Ihre Arbeit war einfach grandios“.
Viel bewegt „14 Jahre sind eine lange Zeit“, sagte Wallburg in seiner Abschiedsrede. In dieser langen Zeit sei viel bewegt worden, die Bemühungen um die Partnerschaft seien „vorher nicht so betrieben“ worden und es habe viele unvergessliche Momente gegeben, etwa Wander- und Kulturreisen, historische Treffen, Besucher geschichtsträchtiger Orte in Elsass und Lothringen und vieles mehr.
Die Stadtverwaltung werbe seit Wochen „für eine Neuausrichtung der Städtepartnerschaft“, so Wallburg weiter. Eine Ausrichtung, die er offenbar nicht gut findet. „Neue Wege, neue Ideen, neue Energien? Das erschließt sich mir nicht“, sagte er.
Bedenken Die Bilanz der vergangenen 14 Jahre sei „ganz enorm“ und es hätten viele Bürger mitgeholfen. Der städtische Haushalt sei „kaum oder gar nicht berührt“ worden und die SPV habe „im ganzen Kreis und in den Partnerstädten viel Lob für das Engagement“ bekommen.
Warum müsse es nun plötzlich einen Funktionswechsel geben, fragte er: „Warum Bewährtes verlassen?“ Das komme auch in den Partnerstädten nicht gut an. Ein „unabhängiges und eigenständiges Komitee“ sei wichtig und die geplante Änderung „wahrscheinlich ein Rückschritt“, vermutet Wallburg.
„Das möchte ich nicht weiter begleiten und meine Bedenken nochmals verdeutlichen“, schloss er seine mahnenden Worte.
Einschnitt In einer Mitteilung der Bad Liebenzeller Stadtverwaltung klingt das etwas anders: „Der erste Vorsitzende des Städtepartnerschaftskomitees, Günther Wallburg, gibt sein Amt nach vielen Jahren an der Spitze der Vereinigung ab und macht damit den Weg frei für eine neue Struktur in der Kommune.“ Die Verwaltung nutze diesen Einschnitt für eine strategische Neuaufstellung:
Ein offener Arbeitskreis (AK) soll künftig die Brücke zwischen den Partnerstädten, den Bürgern und der Stadtverwaltung in Bad Liebenzell schlagen.14 Jahre habe Wallburg die SPV erfolgreich geleitet: „Der enge und persönliche Gedankenaustausch mit den Amtsleitern und Akteuren vor Ort, unterstützt von Freunden, die länderspezifisch tatkräftig vermittelten, war ihm dabei besonders wichtig.“ Neben den regulären Jugendaustauschprogrammen und Freundschaftstreffen habe er zudem europäische Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung, Politik und Gesellschaft initiiert – und dies immer mit dem Ziel, darüber die einzelnen Kulturen besser kennenzulernen, sich gegenseitig auszutauschen und viele Menschen unterschiedlicher Alters- und Interessengruppen zu erreichen, heißt es in der Mitteilung weiter.
Neue Zielgruppen Die im Jahr 2019 geschlossene zweite Partnerschaftsvereinbarung mit der portugiesischen Stadt Lourinhã, 60 Kilometer nordwestlich von Lissabon, sei ein weiterer wichtiger Meilenstein und Günther Wallburg ganz persönlich zu verdanken gewesen. In Bad Liebenzell leben rund 500 Portugiesen, viele davon aus der Gegend von Lourinha.
Die Verwaltung will die SPV nun zu einem offenen Netzwerk umgestalten, um dem demografischen Wandel zu begegnen und neue Zielgruppen zu erschließen. „Die Kontinuität der bisherigen Begegnungen soll dabei erhalten bleiben“, heißt es weiter.
Das neue Konzept sieht dabei eine neue Aufgabenverteilung vor. Die Stadtverwaltung will die Schirmherrschaft, die Budgetverwaltung sowie die zentrale Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Der Arbeitskreis (AK) soll als Ideen- und Projektwerkstatt fungieren: „Hier können sich Bürgerinnen und Bürger flexibel einbringen, Projekte planen und sich um Marketing sowie Sponsoring kümmern – immer in enger Abstimmung mit der Verwaltung.“
Erfahrene Mitglieder sollen als wertvolle Wissensträger an Bord bleiben, um Kontakte zu vermitteln und beratend zu unterstützen.
Diese „neuen Wege, neue Ideen und neue Energien“, wie Wallburg es in seiner Rede bezeichnete, kann oder möchte er offenbar nicht mitgehen und gab deshalb den Vorsitz der SPV ab.