Dies ist kein Küchenstudio, sondern die nagelneue Gemeinschaftsküche im neuen Wohnheim an der Schadenweiler Straße. Links Oberbürgermeister Stephan Neher, rechts Stadtrat Horst Schuh (CDU). Foto: Hete Henning

Die große Küche macht Lust auf Party. Der zweite Flügel des Gebäudes ist fertig und bietet Wohnraum für 20 Studierende und Azubis.

Kein Tschingderassabum, sondern kurze Reden und dann eine Besichtigungstour durch die noch unbenutzten Zimmer und die große Gemeinschaftsküche. So feierte die Stadt Rottenburg am Donnerstag die Fertigstellung des neuen Studierenden- und Azubiwohnheims an der Schadenweiler Straße. Das Besondere daran: Wo jetzt junge Leute einziehen werden, war vor einem Jahr noch ein Altenpflegeheim. Dessen Name bleibt: Haus am Rammert.

 

Die Rottenburger Hospitalpflege hatte Anfang 2025 bekannt gegeben, dass sie das 2003 eröffnete Altenheim schließen werde. Es lasse sich nicht mehr wirtschaftlich führen. Die Stadt Rottenburg entschied sich, die Räumlichkeiten des Pflegeheims zu sanieren und in ein Wohnheim für Studierende und Auszubildende umzuwandeln. Der Gemeinderat gab im Frühjahr 2025 grünes Licht. Die städtische Wohnbau Rottenburg (WBR) mietete die 1600 Quadratmeter der nun leeren Altenheim-Etage zunächst und kaufte sie zum 1. Januar 2026.

WLAN wird nächste Woche fertig

WBR-Chef Thomas Weigel freute sich am Donnerstag, zeigen zu können, „was man aus einem Pflegeheim machen kann“. Und vor allem in welch kurzer Zeit: Bereits im Oktober 2025 war der erste Flügel plangemäß saniert und die ersten 19 Studierenden konnten rechtzeitig zum Wintersemester einziehen. Am Mittwoch dieser Woche, punktgenau zur Fertigstellungs-Feier am Tag darauf, waren auch die Arbeiten im zweiten Flügel mit weiteren 20 Zimmern beendet.

Nun ja, fast beendet, wie WBR-Chef Weigel am Donnerstag einräumte. Die WLAN-Installation – ein wichtiger Punkt für die Altersgruppe, die weite Teile des Gebäudes künftig bevölkern wird – werde erst kommende Woche komplett sein.

Im Durchschnitt knapp 400 Euro warm

Abgesehen davon: alles tipptopp. Die 17 bis 25 Quadratmeter großen und weiß gestrichenen Zimmer sind mit neuen hellgrauen Betten, Schränken und Schreibtischen ausgestattet. Die Bäder (jeweils eins für zwei Bewohner, zugänglich vom gemeinsamen Vorraum) glänzen generalüberholt – ein roter Streifen unterbricht auf Kopfhöhe die weißen Kacheln und erinnert ans Rottenburger Stadtwappen. Mietpreis: im Durchschnitt knapp 400 Euro warm. Die Matratze muss aus Hygienegründen jeder selbst mitbringen.

Funktional möbliert und freundlich: die Zimmer im Wohnheim. Die Matratze muss jeder selbst mitbringen. Foto: Hete Henning

Die Zimmertüren im neuen Azubi- und Studierendenwohnheim sind breit. Schließlich war das Haus zunächst auch für Menschen im Rollstuhl konzipiert. Entsprechend großzügig sind der Flur und an dessen Ende auch die Gemeinschaftsküche bemessen. Große Sammelkühlschränke sucht man darin vergeblich. Auf Anraten des Studierendenwerks verzichtete die WBR darauf und stattete stattdessen die Zweier-Vorräume mit je einem Kühlschrank aus.

Küche sehr geräumig, Sitzbank ungepolstert

Die Küche ist nicht nur groß, sondern durch ihre große Fensterfront auch lichtdurchflutet. Weil bei Partys die Küche meistens der beliebteste Raum ist, lädt sie zu großen Partys ein. Ein langer Tisch mit zwei ungepolsterten Sitzbänken ohne Rückenlehne bietet Platz für etwa 10 Esserinnen und Esser ohne Berührungsängste. Etwas unbequem? „Absicht“, meinte CDU-Stadtrat Horst Schuh, schließlich müssten in der Küche 20 Bewohnerinnen und Bewohner im Schichtbetrieb kochen und essen. Da dürfe man nicht zu lange herumhocken.

Blitzeblank glänzt der doppelbreite Herd mit Dunstabzugshaube. Getränkekisten können mangels Gemeinschaftskühlschrank auf dem geräumigen Küchenbalkon auf Trinktemperatur gebracht werden. Die hellgrünen Küchenschränke finden ihre Ergänzung in einem Schrank mit 20 abschließbaren Fächern. Darin können die Studenten und Azubis ihre unverderbliche Ware (Nudeln, Reis, Müsli und so weiter) diebstahlsicher lagern.

Die Möbel im Foyer sind aus Papier und erstaunlich stabil. Foto: Hete Henning

Er sei guter Dinge, sagte Oberbürgermeister Stephan Neher am Donnerstag, „dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“ mit dem Umbau des Pflegeheims zum Wohnheim. Unter den Besuchern der Fertigstellungsfeier waren nicht nur viele der Seniorinnen und Senioren, die in dem Gebäudekomplex an der Schadenweiler Straße im Betreuten Wohnen oder einer der seniorengerechten Wohnungen leben.

Sportliches Projekt im Kostenrahmen

Auch ein Student der Rottenburger Forsthochschule (HFR), der im November eins der ersten fertigen Wohnheimzimmer bezogen hatte, war da. Es sei eine angenehme Zeit gewesen, sagte er. Demnächst müsse er leider wieder raus, da sein Studium an der HFR beendet sei. „Kann man ihn nicht durchfallen lassen?“, rief Neher dem anwesenden HFR-Rektor Bastian Kaiser zu. Vergeblich – der junge Mann plane Auslandssemester in Österreich und Vietnam, verriet Kaiser. Und mit der Beendigung des Studiums oder der Ausbildung ende nun mal der Mietvertrag, so Thomas Weigel.

Das Projekt sei nach den Maßstäben im Bauwesen „sportlich gewesen“, sagte die mit der Umbauplanung beauftragte Architektin Nicole Kuhn-Adis. Die Endabrechnung fehle noch, aber „wir werden wahrscheinlich unter den veranschlagten Kosten von 873.000 Euro bleiben“.

Flexible Papiermöbel im Foyer dienen dem Schallschutz

Die Gäste der Fertigstellungsfeier
im Haus am Rammert plauschten am Donnerstag nach der Besichtigungstour im Foyer des Gebäudes. Wer nicht stehen mochte, konnte sich setzen – auf Möbel aus Papier.

Weil das Papier
im Zieharmonikaprinzip verklebt ist, bieten diese Möbel viel Spielraum für Veränderung. Sie können sehr in die Länge gezogen, schmal zusammengedrückt oder kreisrund aufgestellt und zum Tisch werden.

Dabei sind sie ausgesprochen stabil.
„Je mehr Gebrauchsspuren sie haben, je ramponierter sie sind, desto stabiler werden sie“, erklärte Architektin Nicole Kuhn-Adis.

Zudem dienten die Möbel
dem Schallschutz. Tatsächlich hielt sich der Geräuschpegel im mit Bodenfliesen gekachelten Foyer trotz vieler Gäste in Grenzen.