Der Musikverein Gündringen war bei den Musikfreunden in Randa in der Schweiz zu Gast. Hinter der 50-jährigen Vereinsfreundschaft steckt ein tragischer Beginn.
Ein Pfingstwochenende voller Musik, Begegnungen und gelebter Freundschaft erlebte der Musikverein Gündringen bei seinem Besuch in Randa im Schweizer Kanton Wallis.
Anlass war das 50-jährige Freundschaftsjubiläum zwischen dem Musikverein Gündringen und der Musikgesellschaft Weisshorn Randa. Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Uraufführung eines eigens für dieses Jubiläum komponierten Freundschaftsmarschs von Fabian Geißler.
Bereits in den frühen Morgenstunden des Pfingstsamstags machte sich die Gündringer Delegation auf den Weg in die Schweiz. Nach einem Zwischenstopp mit traditionellem Busvesper erreichten die Musikerinnen und Musiker das Bergdorf Randa, wo sie bei bestem Wetter herzlich von ihren Gastgebern empfangen wurden.
Weit mehr als eine gewöhnliche Vereinsfreundschaft
Dass die Verbindung der beiden Vereine weit über eine gewöhnliche Vereinsfreundschaft hinausgeht, war während des gesamten Wochenendes spürbar. Die Gäste aus dem Schwarzwald wurden nicht als Besucher, sondern als langjährige Freunde willkommen geheißen.
Da in Randa an diesem Tag die Feier der Firmung stattfand, bot sich für die Gündringer zugleich die Gelegenheit, die Musikgesellschaft Weisshorn bei ihrem Auftritt im Dorf zu erleben. Die Firmung wurde von Ministranten aus Gündringen unterstützt. Beim anschließenden Apéro und einem gemeinsamen Abendessen wurden bestehende Freundschaften gepflegt und neue Kontakte geknüpft.
Knapp 70 Musikerinnen und Musiker musizieren zusammen
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Musik. Nach einem gemeinsamen Frühstück trafen sich beide Kapellen zur einzigen Probe für das Gemeinschaftskonzert. Unter der Leitung der beiden Dirigenten Fabian Geißler und Marco Arnold fanden die Musiker schnell zu einem gemeinsamen Klangkörper zusammen. Knapp 70 Musikerinnen und Musiker musizierten zusammen und bildeten eine gemeinsame Einheit.
Am Nachmittag folgte schließlich der Höhepunkt des Wochenendes. Beim Gemeinschaftskonzert präsentierten die beiden Vereine ein abwechslungsreiches Programm und begeisterten das Publikum mit ihrer musikalischen Qualität und spürbarer Freude am gemeinsamen Musizieren.
Bei der Uraufführung des Marschs wird es emotional
Besonders emotional wurde es bei der Uraufführung des „Freundschaftsmarschs“, den Fabian Geißler eigens anlässlich des 50-jährigen Freundschaftsjubiläums komponiert hatte. Das Werk würdigt die außergewöhnliche Verbindung zwischen den beiden Vereinen und wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus bedacht.
Hinter der engen Verbundenheit steht jedoch auch eine bewegende gemeinsame Geschichte. Am 1. September 1973 erschütterte der Absturz einer Bergsteigergruppe am Dom, dem Hausberg von Randa, mit einer Höhe von 4545 Metern, die Region. Zwei wurden tot geborgen; drei Personen gelten bis heute als vermisst.
1976 fand der erste Besuch der Gündringer Musiker statt
An den Suchmaßnahmen waren unter anderem Mitglieder des Deutschen Alpenvereins der Ortsgruppe Nagold beteiligt. Jeweils ein aktiver Musiker des Musikvereins Gündringen und der Musikgesellschaft Weisshorn engagierten sich bei der Suche nach den Vermissten. Die entstandene Freundschaft der beiden Musiker führte 1976 zum ersten Besuch des Musikvereins aus Gündringen in Randa.
Das tragische Unglück hat die Menschen in beiden Orten tief bewegt. Gleichzeitig ist eine enge Verbundenheit und Freundschaft zwischen Randa und Gündringen entstanden. Die gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung machten deutlich, wie eng die beiden Gemeinden mittlerweile miteinander verbunden sind.
2023 gehen Randa und Gündringen eine Gemeindepartnerschaf ein
Diese Verbundenheit wurde bereits 2023 offiziell besiegelt, als Randa und Gündringen eine Gemeindepartnerschaft eingingen. Was vor fünf Jahrzehnten als Freundschaft zwischen zwei Orten und Musikvereinen begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer engen Beziehung zwischen den Dorfgemeinschaften beider Länder.
Am Pfingstmontag hieß es Abschied nehmen. Entsprechend schwer fiel den Gündringer Musikern die Heimreise. Zurück im Schwarzwald ließen sie ihre Ankunft musikalisch erklingen und gaben der Bevölkerung damit ein hörbares Zeichen ihrer Rückkehr.
Das Pfingstwochenende in Randa bleibt nicht nur als musikalischer Höhepunkt in Erinnerung, sondern vor allem als eindrucksvolles Zeichen dafür, wie Musik Menschen über Ländergrenzen hinweg verbindet. Der neu geschaffene Freundschaftsmarsch dürfte künftig bei vielen Begegnungen erklingen – als klingendes Symbol einer Freundschaft, die seit 50 Jahren besteht und lebendiger ist denn je.