Bei weiteren Hausdurchsuchungen um den Geldwäsche-Verdacht bei Germania Union/Türkischer SV Pforzheim wurde erneut eine sechsstellige Bargeld-Summe gefunden.
„Die Situation wird aufgebauscht“, hatte Trainer Gökhan Gökce noch vor ein paar Tagen gesagt. Es gebe „keine Koffer voller Geld“ bei Germania Union/Türkischer SV Pforzheim. Nun sieht die Situation bei dem unter Geldwäsche-Verdacht stehenden Fußball-Verbandsligisten allerdings noch dramatischer aus: Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart hat zwei Haftbefehle erlassen – ein deutscher und ein türkischer Staatsbürger sitzen in Untersuchungshaft.
Der Verein war Anfang Februar vom Stuttgarter Flughafen aus ins Trainingslager in die Türkei aufgebrochen. Der Zoll kontrollierte den Tross von Germania Union/Türkischer SV Pforzheim und fand bei 29 Personen insgesamt 215 000 Euro Bargeld. Aufgeteilt waren die Geldscheine so, dass jede Person maximal 9900 Euro dabei hatte – denn erst ab 10 000 Euro ist Bargeld bei der Ausreise anmeldepflichtig.
Es geht um Millionen
Der Verein wähnte sich damit auf der sicheren Seite, doch inzwischen verdeutlichte die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart, die eng mit dem erst im Juni 2025 gegründeten Zentrum für die Bekämpfung der Finanzkriminalität in Baden-Württemberg zusammenarbeitet, dass nicht entscheidend ist, wer wie viel Bargeld bei sich trägt, sondern woher das viele Geld stammt, mit dem der Verein ins Trainingslager fliegen wollte. Die Vermutung: Es stammt aus illegalen Geschäften.
Bereits zwei Wohnräume und zwei Firmen, die mit Germania Union/Türkischer SV Pforzheim in Verbindung stehen, hatte der Zoll durchsucht. Vergangene Wochen kamen weitere zehn Objekte hinzu – und wieder wurde viel Bargeld gefunden: 220 000 Euro. „Neben zahlreichen Beweismitteln“, wie die Generalstaatsanwaltschaft betont. Die ist zu dem Schluss gekommen: „Nach den Ermittlungen besteht nunmehr der Verdacht, dass die beiden Hauptbeschuldigten sich seit 2022 mit weiteren Beschuldigten aus Straftaten herrührende edelmetallhaltige Stoffe im Wert von mehreren Millionen Euro verschafften und diese verarbeiteten.“ Die hieraus gewonnenen Edelmetalle sollen die Beschuldigten, teilweise auch durch den Einsatz weiterer Personen, „laufend im In- und Ausland abgesetzt“ haben. Darüber hinaus soll aus dem Verkauf erlangtes Bargeld ins Ausland verbracht worden sein.
Der Verdacht liegt nahe: Germania Union/Türkischer SV Pforzheim war schon länger im Visier der Ermittler – und die Kontrolle Anfang Februar am Stuttgarter Flughafen kein bloßer Zufallstreffer.
Fünf Spieler nicht mehr da
Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass bereits mehrere Spieler den Verbandsligisten verlassen haben. Der Verein selbst schweigt zu den Vorwürfen und hatte in einer Ende Februar veröffentlichten Stellungnahme, in der betont, „stets im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen“ gehandelt zu haben, deutlich gemacht, den Fall nicht weiter zu kommentieren. Fakt ist aber: Fünf Spieler, die vor der Zollkontrolle am Stuttgarter Flughafen noch im Verbandsliga-Kader standen, tauchten in den vergangenen beiden Liga-Spielen gegen Waldhof Mannheim II (4:0) und den TSV Reichenbach (1:2) nicht mehr auf. Sportlich hat Germania Union/Türkischer SV Pforzheim dennoch weiter alle Chancen, in die Oberliga aufzusteigen: Der Rückstand auf Spitzenreiter 1.FC Mühlhausen liegt bei nur zwei Punkten.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir an einer Stelle fälschlicherweise vom "Türk. SV Calw" gesprochen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.