Bei Germania Union/Türkischer SV Pforzheim gehen die Lichter aus. Foto: Rubner

Nun ist es offiziell: Germania Union/Türkischer SV Pforzheim wird kommende Saison nicht in der Verbandsliga spielen. Fest steht auch: Trainer Gökhan Gökce geht.

Lange Zeit spielte Germania Union/Türkischer SV Pforzheim in dieser Saison um den Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg mit. Doch statt nach oben geht es nun nach unten: Die erste Mannschaft zieht sich aus der Verbandsliga zurück und wird kommende Saison vermutlich überhaupt nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Bei den letzten beiden Saisonspielen gegen die TSG Weinheim und den 1. FC Bruchsal war sie schon gar nicht mehr angetreten und steht nun mit offiziell null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz.

 

Laut dem neuen stellvertretenden Vorsitzenden Florian Thanner, der seit Ende April im Amt ist, sei es denkbar, in der kommenden Saison mit der zweiten Mannschaft in der Kreisliga weiterzuspielen. Offenbar gibt es mehrere langjährige Spieler, die bereit seien, weiterhin für den hoch verschuldeten Verein aufzulaufen. Primäres Ziel sei es jedoch, generell den Fortbestand des Vereins zu sichern. „Es ist fünf nach zwölf“, sagte Thanner jetzt gegenüber dem SWR.

Aufarbeitung schwierig

200.000 Euro Steuerschulden hat Germania Union/Türkisscher SV Pforzheim beim Finanzamt, das die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat. Auch gegenüber dem SWR betonte Thanner noch einmal: „Wir wussten von kleinen Verbindlichkeiten, aber dass die jetzt so groß ausfallen, das wussten wir nicht.“ Den exakten Schuldenstand habe der neue stellvertretende Vorsitzende erst am Tag der Hauptversammlung erfahren, bei der er in sein Amt gewählt wurde. Die Aufarbeitung zusammen mit seinen Vorgängern gestaltete sich schwierig, so Thanner.

Der alte Vorstand hatte die Situation öffentlich stets heruntergespielt. Auch sei der Verein an keinen illegalen Geschäften beteiligt. Im Februar hatte der Zoll bei seinen Spielern am Stuttgarter Flughafen 215.000 Euro Bargeld gefunden, als diese ins Trainingslager in die Türkei aufbrechen wollte. Seitdem laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche. Bei Haus- und Firmendurchsuchungen im Umfeld des Vereins fanden in die Beamten weitere 220.000 Euro in bar. Drei Personen sitzen in U-Haft.

Facebook-Seite gelöscht

Nach Bekanntwerden des Vorfalls veröffentlichte der Verein ein Statement auf seiner Facebook-Seite. Darin zeigte er sich zuversichtlich, dass sich der Sachverhalt zeitnah aufklären werde. Weitere öffentliche Mitteilungen gab es vom alten Vorstand zu dem Thema nicht mehr. Die Facebook-Seite von Germania Union/Türkischer SV ist inzwischen ohnehin gelöscht.

Klar ist inzwischen, dass auch Trainer Gökhan Gökce den Verein nach sechseinhalb Jahren verlassen wird. Darüber wurde bereits vergangene Woche spekuliert, nun hat der 42-Jährige dies bestätigt. „Das tut schon sehr weh“, wird Gökce zitiert. Er wird beim 1. CfR Pforzheim ins Gespräch gebracht, wo er von 2012 bis 2014 und von 2017 bis 2019 Cheftrainer war.