Alle dürfen mithelfen beim Versenken der Zeitkapsel in den Grundstein des Erweiterungsbaus der "Cura Med Akutklinik Albstadt" (von links): Achim Pfaus, Bernd M. Scheffold, Thomas Bareiß, Klaus Konzelmann, Udo Hollauer, Yasin Möller und Jakob Decker. Foto: Eyrich

Einen Grundstein – und einen Meilenstein für den Gesundheitsstandort Albstadt – haben Vertreter der "Cura Med Akutklinik Albstadt" am Dienstag gelegt. Wie die Redner deutlich machten: zum perfekten Zeitpunkt.

Albstadt-Tailfingen - Wenn Vogelgezwitscher das Einzige ist, das die Grundsteinlegung für die Erweiterung einer Akutklinik für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie begleitet, dann steht sie am richtigen Ort. Unter Nank errichtet die "Cura Med Akutklinik Albstadt" zwei Erweiterungsbauten für Menschen, deren Seele Hilfe braucht – und derer gebe es immer mehr, auch durch die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundene Isolation, wie Geschäftsführer Bernd M. Scheffold deutlich machte. "Gesundheit steht – wie eine Grundsteinlegung – für Zukunft, Sicherheit, Zuversicht, Aktivität, Neuentwicklung, Dynamik, wirtschaftliches Engagement und Arbeitsplätze, also alles, was in Zeiten weltweiter Krisen so oft vermisst wird", so Scheffold.

Als eigentlichen Grundstein und wichtigstes Fundament bezeichnete Scheffold die Mitarbeiter, die Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet qualitativ hochwertig behandelten. "Cura Med" wolle die bundesweite Spitzenstellung seiner Privatklinik und damit gleichzeitig den Gesundheitsstandort Albstadt weiterentwickeln. Ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung sowie Digitalisierung bildeten künftig einen Schwerpunkt der Klinik.

Das Zusammenwirken steigert die Erfolgsaussichten

Yasin Möller, Co-Geschäftsführer und Privat-Dozent, ging auf Inhaltliches ein: Die Akutklinik werde so ausgebaut, dass die umgehende Aufnahme akut Erkrankter möglich sei, werde viele therapeutische Einheiten pro Zeiteinheit bieten und die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen: "Dieses Miteinander steigert – mehr als die Anwendung einzelner Verfahren – die Erfolgsaussichten." 2018 habe "Cura Med" eine unterbelegte Klinik übernommen, seither Therapien erweitert und Schwerpunkte gesetzt, etwa auf die Therapie chronischer Schmerzen und die Schlafmedizin, beträfen Schlafstörungen doch die Hälfte der älteren Bevölkerung.

Durch die Pandemie habe die Häufigkeit depressiver Symptome zugenommen, sagte Möller und betonte, dass die "Cura Med Akutklinik Albstadt" sich Corona früh gestellt, früh viel getestet habe. Weder bei Patienten noch beim Personal sei bisher ein Covid-19-Fall aufgetreten, freute sich der Geschäftsführer, und das war auch bei den Gästen der Grundsteinlegung der Fall: Obschon draußen vereint, waren alle vorher schnellgetestet worden – und alle negativ.

Der Sigmaringer Architekt Achim Pfaus, der mit "Cura Med" die vierte – und nicht die letzte – gemeinsame Klinik baut, erklärte die Gebäude, die in zwei Bauabschnitten im laufenden Betrieb und damit so störungsarm wie möglich in zweieinhalb Jahren errichtet werden sollen: Im ersten Bauabschnitt entsteht ein zwölf mal 35 Meter großer dreistöckiger, im zweiten ein 30 mal 30 Meter großer vierstöckiger Bau. 30 neue Patientenzimmer, darunter auch behindertengerechte, ein Bewegungsbad mit Saunabereich, Arztzimmer, Lager-, Service- und Technikräume, einen Multifunktionsraum, Teeküchen und Umkleiden sollen sie – barrierefrei durch Aufzüge verbunden und von mehreren Ebenen von außen zugänglich – beherbergen. "Zahlreiche Terrassen vermitteln Offenheit zur Umgebung", sagte Pfaus und ließ den Blick schweifen über die Landschaft in einer der ruhigsten Randlagen der Stadt, wo nur die Natur Nachbarin ist.

Bei "Cura Med" ist Hygiene schon immer ein großes Thema

Brandschutz, Arbeitssicherheit und – durch Corona verschärft – Hygiene seien Aspekte, die das Bauen einer Klinik nicht einfach machten, sagte Pfaus und dankte der Stadt – vertreten durch Oberbürgermeister Klaus Konzelmann – und ihrem Baudezernat, das der Erste Bürgermeister Udo Hollauer vertrat, für eine "selten so gute Unterstützung".

Außerdem betonte der Architekt, dass die Gewerke nur unter örtlichen Firmen ausgeschrieben worden seien. Von der Baufirma Decker aus Nusplingen war stellvertretend für alle Jakob Decker da, der einen "Maurerworkshop" leitete, um die zuvor mit Dokumenten befüllte Zeitkapsel in den Grundstein zu zementieren. Udo Hollauer – als Architekt vom Fach – machte seine Sache gut, aber auch Klaus Konzelmann und Thomas Bareiß, CDU-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hatten Spaß daran. "Hier kann sich die Seele erholen", rief Bareiß, strahlte mit der Sonne um die Wette und wurde dann ernst: Über seelische Krankheiten spreche man nicht gerne, wenngleich der Druck auf die Psyche "in dieser hektischen Zeit unheimlich hoch" sei und sie eine große Rolle spielten. "Zeit für Veränderung", das Motto von "Cura Med", zeige, dass sich die Probleme der Menschen, "die Sie hier aufnehmen", lösen ließen. Den Bauherren wünschte Bareiß "Gottes Segen".

"Gibt es etwas Schöneres für Politiker als Grundsteinlegungen?", fragte Klaus Konzelmann rhetorisch und freute sich über die Steigerung der Aufnahmekapazität und die Ausweitung des Therapieangebots durch die Erweiterung. "Sie werden Ihre Stärke als zuverlässiger Gesundheitsdienstleister weiter ausbauen – diese Klinik ist heute mitten in der Gesellschaft angekommen", betonte der Oberbürgermeister und erinnerte damit leise an die Errichtung des Bestandsbaus, vor gut 14 Jahren nicht unumstritten. Doch die Zeiten – das hatten alle Redner deutlich gemacht – haben sich inzwischen geändert.

Info: Wenn die Seele krank ist

Die Bedeutung von Medizin und Gesundheit hat Bernd M. Scheffold mit Zahlen belegt: Auf 387 Milliarden Euro hätten sich 2018 die Gesundheitsausgaben laut Statistischem Bundesamt belaufen. Psychosomatische und psychische Erkrankungen hätten 2019 einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtkrankenstand und 35,4 Tage Krankschreibungen gezeitigt – schon vor Corona Rekord.

Laut Yasin Möller zeige der Umgang mit der Coronavirus-Pandemie dieselben Unterschiede wie jener mit Krankheit: Die einen nähmen sie zu wenig ernst, andere dramatisierten sie. Bei Kranken könne jede aufkommende Gesundheitsthematik Bestandteil von Ängsten werden. Manche psychische Störung werde durch die aktuelle Lage erst hervorgerufen, betonte der zweifach promovierte Möller.

Kommentar: Volltreffer

Von Karina Eyrich

"Mens sana in corpore sano" – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper: Das antike Motto ist seit jeher gerne genommen, um die Bedeutung von Sport und Bewegung für die Psyche zu unterstreichen. Wie wichtig eine gesunde Seele für einen gesunden Körper – mehr noch: praktisch dessen Grundvoraussetzung – ist, dämmert uns allen, nicht erst seit Corona. Aus den USA kommt nicht nur Gutes, eines aber doch: die Erkenntnis, dass es das Normalste von der Welt ist, auch der Seele von Experten helfen zu lassen, wenn’s dort klemmt. Die Verletzung nach einem spektakulären Extremsportunfall lässt sich stolz zur Schau tragen. Depressionen, Ängste, Zwangsstörungen – all das wird versteckt. Und dadurch übrigens nicht besser. Es ist "Zeit für Veränderung". Das Motto der Cura Med Akutklinik Albstadt trifft diesbezüglich den Nagel auf den Kopf.

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