An der Göllsdorfer Grundschule musste nach einer Brandverhütungsschau das zweite Stockwerk des älteren Gebäudeteils gesperrt werden. Was steckt dahinter?
Diese Nachricht sorgte für Verwunderung: Nach einer Brandverhütungsschau an der Göllsdorfer Grundschule am Dissenhorn darf nun das zweite Stockwerk des Altbaus nicht mehr genutzt werden.
Die „sofortige Nutzungsuntersagung“ betrifft den Naturwissenschaftsraum der Schule und die Schulküche, die auch von der Volkshochschule für Kurse genutzt wird. Dort findet auch zweimal in der Woche die recht beliebte Koch-AG statt.
Was bei der Brandverhütungsschau beanstandet wurde, erklärt die Stadt auf Nachfrage. Vorab – es geht nicht um Probleme beim Brandschutz an sich. Investiert werden muss aber dennoch und zwar zeitnah.
Hilfsfristen können nicht eingehalten werden
„Das Schulgebäude verfügt für die Räume im zweiten Obergeschoss nur über einen festen Rettungsweg über eine Treppe. Im Rahmen der turnusmäßigen Brandverhütungsschau fand daher eine Anleiterprobe mit der Drehleiter statt, um den vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg zu prüfen“, so der städtische Pressesprecher Tobias Hermann.
Dabei sei festgestellt worden, dass „die vorgeschriebenen Hilfsfristen aufgrund des beengten Anfahrtswegs über die Jungbrunnenstraße einerseits und der großen Zahl der Kinder andererseits nicht sicher eingehalten werden können“. Die Grundschule hat vier Klassen mit einer Klassenstärke um die 28 Schüler.
Solange kein zweiter Rettungsweg hergestellt sei, könnten die Räume im zweiten Obergeschoss nicht genutzt werden. „Die Stadtverwaltung prüft in Abstimmung mit allen Beteiligten derzeit, wie dem Problem am schnellsten und wirtschaftlichsten abgeholfen werden kann. Als Übergangslösung wird auch der Aufbau einer mobilen Fluchttreppe mittels Gerüstbau in Erwägung gezogen, die kurzfristig aufgebaut werden könnte“, so Hermann weiter.
Zwischenlösung mit kalter Küche
Die Schule hat als Zwischenlösung mittlerweile den ehemaligen „Saukirbe-Raum“ bezogen, der nun als Klassenraum genutzt werden könne. Auch die Koch-AG kann dort behelfsmäßig stattfinden. Allerdings muss hier auf Pizza und Co. verzichtet werden. Die Kinder bereitetet „nun passend zur warmen Jahreszeit vorübergehend kalte Speisen“ zu, weiß Hermann, und ergänzt „der Unterricht kann also weiterhin stattfinden“.
Übrigens: Vereine – wie der Handharmonika Verein und der Musikverein, die im älteren Gebäudeteil der Schule ihre Probenräume haben – sind nach Auskunft der Ortschaftsverwaltung nicht betroffen, so die Stadt.
Anders die Volkshochschule. Sie nutzt die Küche eigentlich für Abendkurse und muss nun auf eine andere Küche im Stadtgebiet ausweichen.
Was ist mit der Ganztagsbetreuung?
Die gute Nachricht: Die Fluchtwegthematik kommt offenbar zur rechten Zeit, denn bis zum Schuljahr 2026/2027 muss in der Göllsdorfer Grundschule wie auch in den anderen Rottweiler Grundschulen dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung Rechnung getragen werden. Heißt: Die Lehrküche der Göllsdorfer Grundschule muss saniert werden, damit dort etwa 50 Kinder zu Mittag essen können. Dafür hatte die Stadt bereit im März Zuschüsse beim Land beantragen müssen.
Auf Nachfrage betont die Stadt, dass der geplante Ausbau des Gebäudes im Rahmen der Ganztagesbetreuung durch die Problematik mit dem fehlenden Fluchtweg nicht gefährdet sei. „Die Brandschutzthematik wird bei den Planungen aber entsprechend der Ergebnisse der Brandverhütungsschau einbezogen“, betont Hermann.