Verbotswidriges Halten und riskante Wendemanöver: Das ist Alltag auf den Straßen vor der Grundschule Loßburg. Appelle an die Vernunft der Eltern zeigten laut Schulleiter Thomas Gisonni bisher wenig Wirkung. Nun will der Gemeinderat eingreifen.
Die Verkehrssituation an der Grundschule in Loßburg ist schwierig. Vor allem zu den Bring- und Abholzeiten, denn die „Elterntaxis“ gefährden die Sicherheit der Schulkinder.
In der letzten Bürgerfragestunde des Gemeinderats im Oktober hatte ein besorgter Vater gefragt, ob dort ein Fußgängerüberweg eingerichtet werden könne. Die Verwaltung hat dieses Anliegen geprüft, mit dem Landratsamt abgeklärt und mit der Verkehrspolizei gesprochen.
In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde über die Vorschläge der Verwaltung diskutiert. Fast alle Mitglieder meldeten sich zu Wort, einig waren sie sich darüber, dass die Situation so nicht bleiben kann. Die Verwaltung berichtete, dass Landratsamt und Verkehrspolizei von einem Fußgängerüberweg abraten. Er würde eine trügerische Sicherheit bieten, da er zwar eine Schutzzone darstelle, doch oft sei die Sicht auf diese Querungshilfe durch haltende Autos so eingeschränkt, dass die Fußgänger nicht rechtzeitig gesehen werden.
Jedes sechste Kind wird mit Auto zur Schule gebracht
Im Landkreis seien in den vergangenen zwei Jahren ein Viertel aller Querungsunfälle an Fußgängerüberwegen passiert, davon seien Kinder im Alter von null bis 13 Jahre besonders oft betroffen.
Jedes sechste Kind werde heute von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht, häufig – aus Sicherheitsgründen – direkt bis vor das Schultor gefahren. „Verbotswidriges Halten und riskante Wendemanöver behindern nicht nur andere Eltern, sondern vor allem die Kinder, die zu Fuß zur Schule laufen“, erklärte Hauptamtsleiterin Anja Lewandowski. Sie hatte Fotos von den morgendlichen Situationen an der Schule mitgebracht.
Vorschlag: Elternhaltestelle
Schulleiter Thomas Gisonni, zugleich Gemeinderat der Grünen Liste, hatte einen Vorschlag zur Diskussion gestellt, denn „wir dürfen nicht wieder mit leeren Händen da stehen und einfach nichts tun“.
Er schlug vor, „Elternhaltestellen“ einzurichten, die bestimmte Bedingungen erfüllen müssen. Sie sollten mindestens 250 Meter entfernt von der Schule liegen, zusätzliche Fahrwege vermeiden, Platz für mindestens drei bis fünf Elternfahrzeuge bieten. Fahrgeschwindigkeit und Verkehrsstärke, die Platzverhältnisse, bestehende Regelungen zum ruhenden Verkehr und die Frequenz im Busverkehr gelte es zu berücksichtigen. „Diese Ideen kommen direkt aus dem Elternbeirat“, berichtete Gisonni. Denn leider hätten regelmäßige Appelle an die Vernunft der Eltern bisher wenig Wirkung gezeigt.
Schild mit dem Hinweis „Elterntaxi“
Die Verwaltung argumentiert, dass im näheren Umfeld der Schule keine geeignete Möglichkeit zur Einrichtung solcher Elternhaltestellen bestehe.
Bürgermeister Christoph Enderle sagte, er sei sich des Risikos schwerer Unfälle bewusst und suche nach einer Lösung. Er schlug vor, am Hotel Hirsch ein Schild mit dem Hinweis „Elterntaxi“ aufzustellen und fünf Halteplätze einzurichten. Das Ganze soll sechs Monate lang getestet werden, um zu sehen, ob sich die Situation entspannt. Stefan Burkhardt (FWV) sagte: „Ich halte diesen Vorschlag für sinnvoll, lasst es uns probieren.“
Fußgängerampel steht
Uta Schumacher (Grüne Liste) berichtete von ihren Erfahrungen am beruflichen Schulzentrum. „Dort ist die Situation extrem gefährlich, ich warte jeden Tag auf einen schweren Unfall.“ Inzwischen sei an der Straße zur Waldorfschule eine Fußgängerampel eingerichtet worden.
Enderle gab zu bedenken, dass weiterhin der Food Truck zur Versorgung der Schulmensa dort halten müsse, ebenso der Lkw, der die Hackschnitzelanlage beliefert.