Ab dem im Sommer beginnenden Schuljahr haben Eltern der künftigen Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung - auch in der Bitzer Lichtensteinschule. Foto: picture alliance/dpa

Eltern von Bitzer Grundschülern müssen für die Ganztagesbetreuung ihrer Kinder ab dem kommenden Schuljahr tiefer in die Tasche greifen. Ein Elternbrief soll zeitnah versendet werden.

Für die Bitzer Bürgermeisterin Raphaela Gonser ist es eine Aufgabe, „nach der wir nicht gefragt, die uns aber auferlegt wurde“. Mit diesen Worten zielte sie in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf die bundesweit verpflichtende Einführung des Ganztagesanspruchs in Grundschulen ab. Dieser greift ab dem kommenden Schuljahr 2026/2027 zunächst für die Erstklässler; schrittweise wird der Rechtsanspruch bis zum Schuljahr 2029/2030 auf alle Klassenstufen in der Grundschule ausgedehnt.​

 

Auch für die Gemeinde Bitz bringt die Ganztagespflicht in Bezug auf die Lichtensteinschule eine weitere finanzielle Herausforderung in Zeiten ohnehin knapper Kassen mit sich. Das Land finanziert lediglich 68 Prozent der Kosten, den Rest trägt die Kommune. Die gesetzliche Verpflichtung sieht eine tägliche Betreuung von acht Stunden vor.

Grenzen bei bisherigem Modell

Zwar gibt es bereits seit einigen Jahren an der Lichtensteinschule ein Betreuungsangebot von 7 bis 17 Uhr. Eltern zahlen dafür 80 Euro pro Monat, zuzüglich fünf Euro pro Tag in der Ferienbetreuung. Wie Bürgermeisterin Raphaela Gonser in der Gemeinderatssitzung erläuterte, sei dieses günstige Angebot auch deshalb möglich gewesen, weil die Betreuung ohne den Einsatz von Fachkräften organisiert wurde. „Das Modell hat zuverlässig funktioniert“, betonte Gonser.

Nur: Dieses Modell sei aufgrund vieler Neuanmeldungen in den vergangenen Jahren an die Grenzen gekommen; der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung sei so ohnehin nicht mehr stemmbar. Heißt: Um die Aufsichtspflichten verlässlich zu erfüllen, muss Fachpersonal beauftragt werden. Diesen Auftrag hat der Gemeinderat jüngst an die Kinder - und Jugendhilfeeinrichtung Haus Nazareth mit Sitz in Sigmaringen vergeben. Mit dem Haus Nazareth arbeitet die Gemeinde seit Jahren vertrauensvoll zusammen.

Weil organisatorisch nicht praktikabel, wird die Ganztagsbetreuung in Bitz ab kommendem Schuljahr nicht nur auf die erste Klasse, sondern direkt auf alle Klassenstufen ausgeweitet. Angeboten wird an der Lichtensteinschule künftig eine verlässliche Betreuung von 7 bis 16 Uhr – und damit eine Stunde über den gesetzlichen Anspruch hinaus. Verzichtet wird auf ein Betreuungsangebot bis 17 Uhr, da dieses laut Sitzungsvorlage zu unverhältnismäßigen Zusatzkosten führen würde und in der Vergangenheit auch wenig nachgefragt worden sei.

Dazu wird die Ferienbetreuung deutlich weiterentwickelt. Bisher endete diese täglich um 13 Uhr; in den Sommerferien kümmerten sich die örtlichen Vereine nachmittags um die Kinder. Mit der Gemeinderatsentscheidung wird es nun so sein, dass in allen Ferien eine Betreuung bis 16 Uhr angeboten wird.

Elternbeiträge steigen stark

Der Haken für die Eltern an der Sache: Durch das ausgeweitete Angebot und den Einsatz von Fachpersonal steigen die Kosten. Die Gemeinde plant zunächst mit einer Kostendeckung von 80 Prozent. Unterteilt wird in die Bausteine „Frühbetreuung“ (von 7 bis 8.15 Uhr), Mittagsbetreuung (von 12 bis 14 Uhr), Nachmittagsbetreuung 1 (von 14 bis 15 Uhr) und Nachmittagsbetreuung 2 (von 15 bis 16 Uhr). Zusätzlich gibt es den Baustein „Ferienbetreuung“ (von 8 bis 16 Uhr). Ein Rechenbeispiel: Eine Familie mit einem Kind zahlt ab kommendem Schuljahr – werden alle Bausteine in Anspruch genommen – 217 Euro monatlich; für das zweite Kind 169 Euro und für das dritte sowie jedes weitere Kind 138 Euro monatlich. Werden weniger Bausteine beansprucht, wird es entsprechend günstiger. Die einzelnen Konstellationen sind im Ratsinfosystem der nachrechenbar. Immerhin: Die Gemeinde plant damit, dass der für die Lichtensteinschule gestellte Antrag als Ganztagesschule bis zum Schuljahr 2027/2028 bewilligt wird. Dann könnte es für die Eltern günstiger werden. Bürgermeisterin Raphaela Gonser bezeichnete das kommende Jahr daher als „Übergangsjahr“. Erstmal müsse auch abgewartet werden, wie viele Eltern das Ganztagsangebot überhaupt annehmen. Sie selbst sei nicht glücklich, das Gremium über einen „unfertigen Entwurf“ abstimmen zu lassen. Aber die Zeit dränge; das Haus Nazareth brauche Gewissheit, auch für die Personalplanung.

Nicht nur in Bitz ein Problem

Der Kostensprung bereitete einigen Räten dennoch Sorgen. Der Tenor: Es müsse den Eltern kommuniziert werden, warum die Beiträge so stark steigen. Bürgermeisterin Gonser erwiderte, dass ein Elternbrief zu dem Thema bereits vorbereitet wird. Sie fügte zudem an, dass die Kostensteigerungen nicht nur die Bitzer Eltern treffen. Mit dem beschlossenen Kostenpaket liege man auf ähnlichem Level im Vergleich zu umliegende Kommunen.