Naturpädagoge Armin Wikmann erklärt den Grundschülern in Eimeldingen, dass beim Steine bewegen auf die Finger geachtet werden muss. Foto: Maja Tolsdorf

Gemeinsam mit den Drittklässlern der Grundschule Eimeldingen hat Armin Wikmann ein Biotop angelegt – um das Lernen begreifbar zu machen.

Eifrig sind die Kinder am Dienstagmorgen damit beschäftigt, ein Loch in den Schulrasen zu schaufeln, Felsbrocken zu rollen oder zu tragen sowie nach und nach Baumstämme, Äste und Laub einzubringen. Es ist ein terrestrisches Biotop, das Naturschützer Armin Wikmann mit den Kindern der Grundschule Vorderes Kandertal am Standort Eimeldingen baut.

 

In der Natur gehören Wälder, Moore und Heiden zu dieser Gruppe. Dazu muss der Boden vertieft werden und laut Beschreibung im Internet mit Teichfolie ausgelegt werden. Wikmann verzichtet allerdings auf Folie und klopft den lehmigen Boden stattdessen mit einem Werkzeug fest. Die Schüler sind mit Feuereifer dabei. Immer wieder müssen Wikmann oder die Mütter Nicole Geugelin, Selina Walter und Nicole Bauer sie bremsen oder ermahnen, vorsichtig zu sein.

Auch Wikmann hat die Sicherheit stets im Auge: er leitet die Kinder an und zeigt ihnen, wie kleine Felsbrocken geschleppt werden können, ohne sich zu verheben oder zu verletzen. Zum Tragen werden diese zunächst auf einen leeren Kaffeesack gerollt, der danach an allen vier Ecken von den Kindern getragen wird. „Sprecht miteinander, stimmt euch ab, auf eins zwei drei wird angehoben“, sagt er. Immer wieder lernten die Grundschüler, dass es mit Teamwork leichter sei und wiederholt fordert Wikmann sie auf, dass sie es nicht allein versuchen, sondern einander helfen sollen.

Dies sei einer der Lerneffekte des Biotop-Projekts, dass es zusammen leichter geht, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt. Darüber hinaus sollen die Kinder den umsichtigen Umgang mit Werkzeugen üben und lernen, die Natur und Umwelt wahrzunehmen.

Ebenso haben Herbert Leber und Hans-Jürgen Schmitt von der IG Eimeldingen ein Auge auf die Kinder. „Wir finanzieren das Ganze“, sagt Schmitt. Ebenso erklärt er, dass sie die Projekte von Wikmann öfters unterstützten. Und auch Bürgermeister Oliver Friebolin hat am Dienstagmorgen vorbeigeschaut, um sich ein Bild vom Baufortschritt der fleißigen Kinderschar zu machen.

Eltern sind begeistert dabei

„Die Eltern sind begeistert dabei und helfen beim Beaufsichtigen der Grundschüler mit – das ist toll“, sagt Klassenlehrerin Maren Scholtz. Insgesamt 17 Kinder sind daran beteiligt, zwölf arbeiten beim Biotop-Bau draußen mit, die fünf im Klassenzimmer werden von Scholtz beaufsichtigt. Später werden die Gruppen getauscht, so dass jeder mal draußen dran ist.

Die Drittklässler der Grundschule Eimeldingen haben beim Biotop-Projekt kräftig angepackt. Foto: Maja Tolsdorf

„Wir sind viel fleißiger als du, wir arbeiten hier“, sagt ein Mädchen keck zu seiner Klassenlehrerin, als die draußen kurz mitteilt, dass es noch dauert, bis das Wasser kommt. Denn die Wasserhähne draußen seien wegen der kühlen Temperaturen bereits ausgestellt und winterfest verpackt. Deshalb müssten die Kinder die Gießkannen am Waschbecken im Schulgebäude befüllen, indem sie das Wasser mit Bechern schöpften.

Zersetzungsprozess anstoßen

Es ist zwar kein aquatisches Biotop, das da im Schulgarten entsteht, dennoch wird Wasser hinzugegossen. „Damit soll der Zersetzungsprozess angestoßen werden“, erklärt Wikmann auf Anfrage unserer Zeitung. Das terrestrische, auch Erdbiotop genannt, dient als Lebensraum und Rückzugsort für Landlebewesen.

Es bietet Struktur und Nährstoffe durch den Boden, reguliert Wasser- und Luftkreisläufe und erfüllt wichtige Funktionen im Ökosystem wie Bodenschutz, Temperaturpufferung und den Nährstoffkreislauf durch Zersetzer. Kleinstlebewesen wie Raupen, Larven oder Käfer finden dort Lebensraum, Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Häufig seien Erdbiotope der letzte Rückzugsort für heimische Arten.

Kinder haben für komplexes Ökosystem gesorgt

Dass der Boden zum komplexen Ökosystem wird, dafür haben die Kinder gesorgt, in dem sie verschiedene Materialien in das zuvor gebuddelte Loch gegeben haben: Felsbrocken, Holzstämme, Äste, Laub und obendrauf wiederum etwas Erde, Laub und Steine, denn das Biotop soll an seiner Oberfläche auch Eidechsen ein Versteck bieten.

Erdbiotop ermöglicht Wachstum

Am Ende wurden noch Büsche gesetzt, die wiederum Lebensraum bedeuteten. Im Boden werden Mikroorganismen und Kleintiere nun abgestorbene Materie zersetzen und Nährstoffe für Pflanzen freisetzen, was Wachstum ermögliche.

Am Ende dieses Schultages haben die Kinder viel gearbeitet – körperlich und geistig. Das Biotop-Projekt mit Armin Wikmann hat den Unterricht für sie sicherlich begreifbar gemacht – mit allen Sinnen.