Die Außenstelle der Grundschule erwartet eine Verdopplung der Schüleranzahl. Der Gemeinderat entschied nun über die Zukunft der Schule.
Ein Bild, das sich selten zeigt: Rund 50 Eltern, Großeltern und Mitglieder der Lehrerschaft tauchten bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in Geislingen auf. Die Plätze waren besetzt bis auf den letzten Stuhl – sowohl im hinteren Teil des Raumes als auch auf den Bänken, die seitlich verlaufen. „Das würden wir uns öfter wünschen, so viele Bürgerinnen und Bürger, die sich für die kommunalen Themen interessieren“, kommentierte Bürgermeister Oliver Schmid.
Warum der Aufmarsch? Auf der Tagesordnung stand die Grundschule am Schlossgarten Geislingen – beziehungsweise die Entwicklung an der Außenstelle Binsdorf/Erlaheim. Oder, wie sich ein Gast vor Beginn der Sitzung salopp äußerte: „Haja, da brennt‘s im Karton.“ Applaus gab es am Ende dennoch für das Gremium. Doch zurück auf Anfang.
Wieso ein weiteres Gebäude
Aktuell gibt es an der Außenstelle Binsdorf/Erlaheim 52 Kinder, doch die Entwicklung steigt stetig und rasant an und wird voraussichtlich 2030/31 mit 90 den Höchststand erreichen und für 2031/32 mit 76 etwas abflachen. Durch das Überschreiten des Klassenteilers werden ab 2026/2027 weitere Klassenzimmer notwendig.
Sowohl die Schaffung zusätzlicher Unterrichtsräume als auch die Umverteilung der Schülerinnen und Schüler auf den Hauptstandort der Grundschule in Geislingen stand im Raum. Das mittlerweile städtische Gebäude Hintere Gasse 13, das direkt an die Schulturnhalle in Binsdorf angrenzt, ermöglicht eine Umnutzung für schulische Zwecke.
Drei Varianten standen im Raum
Drei Varianten standen im Raum, wobei sich der Gemeinderat bei 18 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen mehrheitlich für die Variante 1 entschied – und das, obwohl diese mit rund 366.500 Euro die teuerste Option darstellt und die Haushaltsberatungen im Vorfeld ins Gedächtnis riefen, wie eng der finanzielle Gürtel sitzt. Der Plan sieht vor, dass die entsprechenden Kinder weiterhin an der Außenstelle in Binsdorf beschult werden – anstatt auf Geislingen umverteilt zu werden.
Die erforderliche Platzkapazität bietet im Schuljahr 2026/27 ein zusätzliches Klassenzimmer in Containerbauweise, das auf dem Pausenhof platziert wird. Im Schuljahr 2027/28 erfolgt der Umbau des Erdgeschosses der Hinteren Gasse 13 zum Klassenzimmer, das Obergeschoss wird für die Kernzeitbetreuung ausgebaut und ein bestehendes Klassenzimmer an der Außenstelle wird durch Entfernen einer Wand vergrößert.
Statement des Bürgermeisters
Der Bürgermeister wartete direkt mit einer zweiseitigen Stellungnahme auf. „Wir haben ein Raumproblem, weil wir so viele Kinder bekommen. Das ist ein gutes Zeichen für Binsdorf und Erlaheim. Es zeigt, dass beide Ortsteile attraktive Wohnstandorte sind. Und es zeigt, dass wir im Gemeinderat in den vergangenen Jahren in der Stadtentwicklung vieles richtig gemacht haben“, führte Schmid aus. „Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass die Schule eine Zukunft hat. Aber es bleibt eine Außenstelle – keine eigenständige Schule.“
Außerdem blickte er auf die Diskussionen zurück: „In den vergangenen Wochen wurde die Debatte von Teilen der Elternschaft sehr emotional geführt. Das ist verständlich, es geht um die eigenen Kinder. Aber manche Argumente haben die notwendige Sachlichkeit vermissen lassen. Es wurde ein Stimmungsbild erzeugt, als stünde die Schließung der Schule im Raum.“
Stadtrat legt Finger in die Wunde
Diesbezüglich meldete sich auch Stadtrat Hans-Jürgen Weger zu Wort. „Wir leben in der Demokratie und die lebt von unterschiedlichen Meinungen. Ich lege bewusst den Finger in die Wunde. Es ist nicht zu akzeptieren, dass ein Mitglied massiv angegangen wird.“
Stadtrat Frank Schlaich äußerte: „Es bestehen Unsicherheiten, weil wir nicht wissen, was macht die Landespolitik und wie viel wir aus dem Ausgleichsstock erhalten. Daher melde ich Bedenken an, aber ich sehe die Ortschaftsräte, die Eltern und die Lehrer. Ich werde tun, was ich sonst nicht tue: Ich werde mich meiner Stimme enthalten, um mich dem Vorhaben nicht entgegenzustellen – ich möchte dafür aber, dass wir an einem Strang ziehen, auch für Geislinger Projekte.“