Das Krematorium am Bergfriedhof in Lahr wird ab 2027 von der Stadt betrieben. Der Gemeinderat hat am Montagabend grünes Licht für die Pläne der Stadtverwaltung gegeben. Foto: Bender

Die Stadt Lahr wird künftig eine eigene Einäscherungsanlage betreiben. Und zwar zunächst ohne Konkurrenz. In Lahr herrschen positive, in Schwanau negative Emotionen.

Eine deutliche Mehrheit des Lahrer Gemeinderats stimmte am Montagabend dem Vorschlag der Stadtverwaltung zum Bau eines Krematoriums am Bergfriedhof zu. Nur die fünf Räte der Grünen votierten dagegen. Der städtische Betrieb wird vorerst ohne Konkurrenz sein.

 

Rat bringt Krematorium auf den Weg: Die Stadtverwaltung Lahr hatte eine Projektkalkulation für den Bau und Betrieb eines neuen Krematoriums vorgelegt. Diese zeigt, dass sich der Betrieb des neuen Krematoriums voraussichtlich selbst tragen kann. Eine externe Firma hatte die Wirtschaftlichkeit der Planung geprüft und kam zu demselben Ergebnis. Auf Basis dieser Gutachten brachte die Verwaltung im Rat den Vorschlag ein, dass die noch zu gründende Krematorium Stadt Lahr GmbH den Bau und den späteren Betrieb übernehmen soll.

Der Vorschlag der Verwaltung stieß im Gemeinderat auf überwiegende Zustimmung. Stadtrat Sven Haller (AfD) hob hervor, dass weder Staat noch Stadt die „besten Unternehmer“ seien, die Stadt Lahr aber mit dem geplanten Bau einen notwendigen Wettbewerbsvorteil erlange. Das Krematorium sollte frühestmöglich am Start sein, solange die private Konkurrenz noch den Standort suche, so Haller.

Auch die CDU signalisierte ihre Zustimmung. Allerdings verwies Stadträtin Ilona Rompel mit Hinblick auf die angespannte Haushaltslage und die zu erwartende Konkurrenzsituation darauf, dass ihre Fraktion dem Projekt nicht kritiklos gegenüberstehe. Aber: Die vorliegenden Berechnungen seien realistisch und die zu erwartende Wettbewerbssituation sei bereits berücksichtigt. „Das Risiko ist überschaubar“, sagte Rompel. Zudem sei das Krematorium eng mit dem Bergfriedhof verbunden, und auch aus der Bevölkerung sei der Wunsch deutlich geworden, ein Krematorium an diesem Standort zu errichten. Die Gründung einer städtischen GmbH sei der richtige Weg, um das Projekt umzusetzen.

Kritik kam nur von den Grünen

SPD-Stadtrat Roland Hirsch erklärte, dass sich seine Fraktion bereits vor Ort ein Bild gemacht habe und auch überzeugt sei, dass der Standort richtig gewählt ist: „Die räumliche Gestaltung macht Sinn.“

Deutliche Kritik kam lediglich von den Grünen. Stadtrat Frank Himmelsbach erklärte, seine Fraktion habe sich intensiv mit der Vorlage auseinandergesetzt, sie sehe aber weiterhin Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Die Investitionskosten seien zu niedrig angesetzt, die Kalkulation von Personal- und Verwaltungskosten unrealistisch. Auch der Wirtschaftsprüfer habe eingeräumt, dass die Umsatzerwartungen auf Annahmen basierten.

Zudem kritisierten die Grünen, dass dem Vorschlag der Verwaltung keine alternativen Modelle – etwa eine Verpachtung – gegenübergestellt worden seien. Himmelsbach gab sich überzeugt, dass in der Region nur ein Anbieter wirtschaftlich bestehen könne. Mit öffentlichen Mitteln in eine solche Wettbewerbssituation einzutreten, sei problematisch – die Kommunen würden so zu Konkurrenten statt zu Partnern, so Himmelsbach.

Die FDP wollte dem nicht zustimmen. So groß wie es die Grünen darstellten, sei das Risiko nicht, sagte deren Stadtrat Jörg Uffelmann. Für ihn stand fest: „Der Friedhof gehört zu Lahr und das Krematorium gehört zum Friedhof.“

Schwanaus Bürgermeister ist enttäuscht: Die Anlage in Lahr wird wohl vorerst konkurrenzlos in der Region bleiben. Pläne für ein privat betriebenes Krematorium in Nonnenweier sind vom Tisch, der Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Einäscherungsanlage hätte entstehen sollen, hat seine Verkaufsanfrage zurückgezogen (wir berichteten). Er sei von einer öffentlichen Petition der Gegner unter Druck gesetzt worden, wie Schwanaus Bürgermeister Marco Gutmann am Montagabend vor der Schwanauer Gemeinderatssitzung erklärte.

Gutmann nutzte die Gelegenheit, um seine Enttäuschung über die zurückliegende Debatte auszudrücken: „In der öffentlichen Wahrnehmung entstand in den letzten Tagen und Wochen der Eindruck, dass sich die halbe Gemeinde gegen diese Anfrage setzen würde. Natürlich kann man gegen so ein Projekt sein Veto einlegen und manche Bedenken konnte ich auch nachvollziehen“. Ihn habe allerdings die Vorgehensweise nachdenklich gestimmt. Oft sei nur mit unzureichenden Fachkenntnissen, Fehleinschätzungen und Behauptungen argumentiert worden, andere Meinungen hätten es schwer gehabt, durchzudringen, gab der Bürgermeister zu bedenken. „Dass es vielleicht auch Befürworter gibt, wollte zum Teil nicht gehört werden.“ Mit Nachdruck fügte er hinzu: „Ich möchte Sie auch noch darauf hinweisen, dass wir in einem Land leben, in dem es Vorschriften gibt. Ansonsten würde ein Krematorium in einer umliegenden Stadt wohl kaum betrieben werden.“

Sprachnachricht ging viral

Auch Dagmar Frenk, Ortsvorsteherin von Nonnenweier, zeigte sich entrüstet: „Ich wünsche mir, dass in Zukunft nicht mit Halbwahrheiten durch den Ort gezogen und Menschen Angst gemacht wird. Eine Sprachnachricht von den Gegnern, die viral gegangen ist, hat uns Gänsehaut verpasst. Es wird viel Gutes miteinander brauchen, um diese Gräben wieder zuzuschütten.“

Im Publikum wurde daraufhin laut geflüstert und teilweise gelacht. Hauptamtsleiter Michael Fertig fasste zusammen, wie er auf die gescheiterten Krematoriumspläne der Gemeinde Schwanau blickt: „Wir hatten die Chance ein modernes und würdiges Krematorium als Projekt zu prüfen, dass nicht nur wirtschaftlich sinnvoll ist, sondern durchaus auch im Interesse des Gemeinwohls steht. Leider war eine sachliche und offene Diskussion nicht möglich. Stattdessen wurde mit Emotionen und subjektiven Einschätzungen agiert, was einer demokratischen Entscheidungsfindung nicht gerecht wird.“

Bestatter orientieren sich: Für die Bestattergruppe um die Familie Rottenecker war die Absage aus Nonnenweier am Freitag vor einer Woche ein Schock. Ralph Rottenecker wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion da noch nicht festlegen, ob die Gruppe das Vorhaben zu den Akten legen will, oder ob man es weiter verfolgt – etwa in Friesenheim. „Wir trudeln von einem Dorf zum nächsten und erleben überall das gleiche“, zeigte er sich pessimistisch. Gebe es neue Entwicklungen, werde er informieren. Der eigentliche Plan sah vor, das eigene Krematorium parallel zu dem der Stadt Lahr in Betrieb zu nehmen. Diesen Zeitplan hat jedoch bereits die Absage aus Ichenheim, dem ersten anvisierten Standort, in Juli durchkreuzt.