Zum geplanten „Grünen Himmel“ auf dem Nagolder Longwyplatz hat unser Leser Wolfgang Herrling aus Nagold folgende Meinung.
Unser menschengemachter Klimawandel belastet in besonderer Weise unsere Innenstädte. Maßnahmen zur Klimaanpassung sind deshalb dringend erforderlich. Unter diesem Gesichtspunkt wäre der „Grüne Himmel“ erst mal ein positiver Ansatz.
Ursprünglich veranschlagt mit 250.000 Euro, nach sechs Jahren kalkuliert mit einer knappen Million Euro. Laut Ausschreibung für Rohbau und Spezialtiefbau, Schlosserarbeiten und Garten- und Landschaftsbau dann etwa 600.000 Euro. Macht bei einer Netzfläche von 300 Quadratmeter einen Preis von 2.000 Euro pro Quadratmeter. Wenn ein Projekt finanziell derart aus dem Ruder läuft, dann müsste eine Stadtverwaltung und der Gemeinderat doch eigentlich umgehend die Notbremse ziehen!
Hinzu kommt, dass die Beton- und Stahlarbeiten eine negative Klimabilanz haben, die durch die Begrünung nicht ausgeglichen werden kann. Ob das mit der Begrünung in fünf bis acht Meter Höhe auch tatsächlich funktioniert, muss eventuell auch in Frage gestellt werden. Vielleicht passt dazu, dass OB Großmann im Rat auch von einem „Bauabenteuer“ sprach.
Auf der Projektskizze der Planer sieht man übrigens als Begrünung hauptsächlich die bereits vorhandenen Bäume auf dem Longwyplatz – und kaum etwas vom „Grünen Himmel“. Es wäre also sinnvoller das überteuerte Projekt schnellstmöglich in der Schublade verschwinden zu lassen und stattdessen ein paar zusätzliche Bäume zu pflanzen!
Berücksichtigt man zusätzlich, dass der „Grüne Himmel über Nagold“ sich lediglich auf einen sehr kleinen Teil des Longwyplatzes bezieht, ist die Schattenwirkung unter dem Gesichtspunkt der Klimaanpassung wohl zu vernachlässigen. Der Einsatz von Steuermitteln für das Projekt – egal aus welchem Topf – ist deshalb wohl als Verschwendung anzusehen.
Mit 600.000 Euro kann man wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung umsetzen. Dazu wäre es aber wünschenswert, dass sich der Gemeinderat mal Zeit nimmt solche Maßnahmen in Ruhe zu besprechen – und dabei auch die Nagolder Bevölkerung mitnimmt!
Wolfgang Herrling, NagoldSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.