Am Rande ihrer Januarklausur in Altensteig haben Landtagsabgeordnete der Grünen-Fraktion den Walterhof und den Armbrusterhof auf dem Hinterrötenberg in Schömberg besucht.
Holzertrag, Klimaschutz und Artenvielfalt – ein Plenterwald erfüllt viele Aufgaben. Landtagsabgeordnete der Grünen-Fraktion haben am Dienstag den Gutshof Armbruster und den Walterhof auf dem Hinterrötenberg bei Schömberg besucht. Das teilt die Fraktion in einer Pressemitteilung mit.
Gemeinsam mit Ortsvorsteher Karl Pfau und Jochen Bier, Vorsitzender des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald, ließen sie sich zeigen, wie die beiden Familien den Dauerwald auf der Hochebene bewirtschaften und welche Herausforderungen sie dabei zu bewältigen haben.
Große starke Tannen, gerne 45 Meter hoch und anderthalb Meter dick, zweihundert und noch mehr Jahre alt: Manchen Besuchern kommt der Wald auf dem Hinterrötenberg bei Schömberg vor wie ein Urwald. Ist es aber nicht. „Dieser Wald wurde von Menschenhand geformt – und wir tun alles, um ihn so zu erhalten“, sagte Wilhelm Walter, Seniorchef des Walterhofes, laut Mitteilung.
Nutzung und Pflege
Anders als in den meisten Wirtschaftswäldern holen die Besitzer des Plenterwaldes nur einzelne, ausgesuchte Bäume heraus – je nachdem, was gerade gebraucht wird: schwache Bäume etwa für die Industrie, starke Bäume zum Bauen, hochwertige Bäume für Furniere. Und je nachdem, was den anderen Bäumen guttut. Wo ein großer Baum gefällt wird, können die jüngeren drumherum besser gedeihen.
Soll sich ein besonders schöner Baum gut entfalten können, müssen einige seiner Nachbarn weichen. „Jeder Eingriff ist Nutzung und Pflege zugleich“, erklärte Jochen Armbruster, Leiter des Gutshofs Armbruster.
Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten
Das führt dazu, dass auf kleiner Fläche völlig unterschiedliche Bäume vorkommen: junge und alte, niedrige und hohe, dicke und dünne, Tannen, Fichten, Buchen und Douglasien. Zusammen bilden sie einen Wald, der Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten bietet, der dem Klimawandel besser trotz als andere Wälder – und sich dabei auch noch fast von selbst verjüngt.
Damit sollte der Plenterwald eigentlich gut für die Zukunft gerüstet sein. Doch die Besitzer stehen vor großen Herausforderungen, berichtete Wilhelm Walter: Einzelne Bäume mit der Motorsäge zu fällen ist teurer als ein Kahlschlag mit dem Harvester – nicht zuletzt, weil es dafür gut geschulte Fachkräfte braucht. Hohe Kosten, sinkende Bruttoerlöse und Bürokratie haben dazu geführt, dass sich die Bewirtschaftung kaum mehr lohnt – zumindest „nach rein gewerblichen Gesichtspunkten“. Für den Forstbetrieb brauche es „viel Idealismus und Verantwortungsgefühl“.
Plenterwald als Vorbild
Reinhold Pix, Vorsitzender des Arbeitskreises Ländlicher Raum in der Grünen-Landtagsfraktion und zuständig für das Thema Wald, lobte den Plenterwald als Vorbild für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. „Der Wald der Zukunft ist ein Dauerwald“, sagte er. „Es sind zwar nicht alle Standorte für einen Plenterwald geeignet. Aber auch dort gibt es engagierte Waldbesitzer, die sich für eine nachhaltige Bewirtschaftung entscheiden. Es ist die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Wir Grünen wollen in den kommenden Jahren vor allem den Privatwald beim Waldumbau und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen.“