Franziska Brantner stellt sich den Fragen der Donaueschinger. Klimaschutz soll wieder Hauptthema werden. Was sie an den sozialen Medien kritisiert und wie sie gegensteuern will.
Einfach sind die Zeiten für die Grünen derzeit wahrlich nicht. Für Franziska Brantner bedeuten die mageren Zustimmungswerte der vergangenen Monate viel Wähler-Arbeit. In diesem Zuge war die Bundesvorsitzende der Grünen nun auch in Donaueschingen zu Besuch – und zeigte bei einem Bürgerdialog unprätentiöse Nahbarkeit.
Gut 60 Interessierte waren in den Biergarten am Brigachweg gekommen. Fabian Braun von der Grünen Jugend ermuntert das Publikum: „Gerne Fragen stellen, auch kritisch aus der Parteibasis.“
Franziska Brantner kommt leger im Jeans-Anzug, es gibt Beifall und Umarmungen. Sie stellt sich vor. Geboren in Lörrach, aufgewachsen in Neuenburg am Rhein, dann besuchte sie das deutsch-französische Gymnasium in Freiburg, sie kennt Südbaden wie ihre Westentasche. In der Ampel-Regierung in Berlin war sie im Wirtschaftsministerium. Dort befasste sie sich unter anderem mit den Metallen der seltenen Erden, die in vielen Schlüsseltechnologien benötigt werden.
Die erste Frage stellt dann Parteikollege Fabian Braun: „Bei der Bundestagswahl hat die Strategie der Grünen, die Merkel-Lücke schließen zu wollen, nicht funktioniert. Sollte man nicht den Klimaschutz wieder zum Hauptthema machen, weil auf dem E-Sektor wenig vorangeht?“ Brantner antwortet: „Den Klimaschutz müssen wir aus der Schmuddelecke holen.“ Man müsse Klimaschutz und Wirtschaft wieder zusammenbringen. Klimaschutz sei nur machbar, wenn er für alle finanzierbar ist. „Wenn es kein gutes und bezahlbares Busangebot gibt, fahren alle Autos. Deshalb geht es darum, wie wir die erneuerbaren Energien ausbauen.“ Sie kritisiert die aktuelle Regierung deutlich. Der neuen Bundesumweltministerin Katharina Reiche (CDU) gehe es eher darum, die neuen Energien zu zügeln.
Mehr Speichermöglichkeiten
Beim Besuch des Grünen Technologieparks GreenTech Hub in Memmingen habe sie erfahren, dass dem Chef die Investoren abspringen würden, weil Gas billiger werden soll. Brantner wirbt dafür, das Stromnetz auszubauen und mehr Speichermöglichkeiten zu schaffen, damit zum Beispiel auch die Windenergie kontinuierlich gespeichert werden könne. Viel getan habe sich auch in der Raumfahrt, wie Brantner berichtet. Da hätten Unternehmen am Bodensee für die Entwicklung kleinerer Raketen vom Bundeswirtschaftsministerium 100 Millionen Euro erhalten.
Was die Grünen erreicht haben
Das Energiebeschleunigungsgesetz und das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz? „Haben wir Grünen im Bundestag eingebracht.“ Wichtig ist Brantner das Startchancen-Programm. Dieses sei das größte Bildungsprogramm zwischen Bund und Ländern, welches 20 Milliarden Euro über zehn Jahre bereitstellt, davon bekäme alleine Baden-Württemberg 2,6 Millionen Euro.
Nicht gut kommuniziert
Eine Frage aus dem Publikum: Gibt es von der jetzigen Opposition Bemühungen, eine vollständige Reform der Schuldenbremse durchzubringen? Brantner ist gegen eine völlige Lockerung, denn ohne Schuldenbremse werde Geld verschleudert. Durch den Streit in der Ampel ging viel Kommunikation verloren, so ihre Einschätzung zum bestehenden Umfragetief der Grünen und der Bundestags-Wahlschlappe. Es sei nur über die Fehler der Grünen berichtet worden, so Brantner. „Wir haben die Dinge, die gut gelaufen sind, nicht kommuniziert bekommen.“
Doch wie werden die Grünen wieder stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Brantner kritisiert die sozialen Medien und die Tech-Giganten mit ihren undurchsichtigen Algorithmen.
„Algorithmen arbeiten gegen uns“
Im Bundestagswahlkampf sei Robert Habeck oft Zielscheibe von Verbreitern falscher Nachrichten gewesen: „Die Algorithmen arbeiten gegen uns.“ Um wenigstens ein wenig gegensteuern zu können, bat Brantner die Anwesenden, jeden Tag eine Minute auf den sozialen Medien zu verbringen, um einen Beitrag einer Spitzenperson der Grünen zu teilen oder positiv zu kommentieren. Marin Juric vom Grünen-Kreisvorstand zeigte sich mit dem Bürgerdialog zufrieden: „Franziska Brantner hat die Themen gut geschildert und Mut gemacht.“ Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg will Brantner die Grünen unterstützen. Cem Özdemir ist für sie der beste Kandidat. Gut 80 Minuten blieb Brantner in Donaueschingen, dann fuhr sie weiter nach Rottweil.
Zur Person
Franziska Brantner
(45 Jahre alt) war von 2009 bis 2013 Abgeordnete im Europäischen Parlament. Seit 2013 ist sie für die Partei Bündnis 90/Die Grünen Mitglied im Bundestag. Von 2021 bis 2025 war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und von 2022 bis 2025 zudem Sonderbeauftragte für das Umsetzen der Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor. Seit November 2024 ist die Vorsitzende der Bundespartei