Künftig sollen drei bis fünf städtische Gebäude pro Jahr neu mit Dach-Photovoltaik belegt werden. Foto: © FotoArtist – stock.adobe.com

Noch mehr Photovoltaik auf städtische Dachflächen: Diesem Wunsch wollte die Grünenfraktion im Gemeinderat von Villingen-Schwenningen deutlich Nachdruck verleihen. Sie stellte den Antrag, dass der Ausbau schneller vorangehen soll.

Seit einem Beschluss des Gemeinderats aus dem Sommer 2022 gilt: Jedes Jahr sind mindestens 300 Kilowatt Peak auf städtischen Dachflächen in Kooperation mit den Stadtwerken VS nach dem sogenannten „Mieterstrommodell“ mit Photovoltaik-Anlagen zu belegen.

 

Der Grünen-Fraktion war das zuwenig. Sie stellte den Antrag, sich jährlich statt 300 jetzt 500 Kilowatt Peak (kWp) pro Jahr vorzunehmen. Schließlich, so der Gedanke dahinter, hatte die Erfahrung ja gezeigt, dass der 300er-Wert bislang jeweils sogar überschritten wurde. Durch insgesamt 20 Photovoltaik-Projekte wurde das vom Gemeinderat vorgegebene Ausbauziel von 300 kWp um mehr als das Doppelte pro Jahr übererfüllt.

Man habe, so betonte es in der Sitzung des Technischen Ausschusses auch Stadtwerke-Chef Gregor Gülpen, den Fokus dabei „auf wirtschaftlich sinnvolle Projekte gelegt“ und insbesondere die umgesetzt, die einen hohen Eigenbedarf ausgewiesen hätten. Das bedeutet aber auch: Die leichter umsetzbaren Projekte hat man schon alle abgegrast und auch deshalb die Vorgaben mehr als erfüllt. Künftig, so wurde aus den Infos der Verwaltung deutlich, werde das nicht mehr ganz so einfach sein.

Es wird laut Verwaltung schwieriger

So hätten die bisherigen Projekte gezeigt, dass die Umsetzung einer PV-Anlage wesentlich einfacher ist, wenn sie bereits im Zuge eines Neubaus oder wenigstens einer Dachsanierung mitgeplant werden könne. Dies erleichtere die Leitungsführung, die Integration in die haustechnischen Anlagen, und auch dem Brandschutz könne man leichter gerecht werden. Zudem können Montageplätzen für Wechselrichter und Zählerschränke direkt eingerichtet werden. Bei Bestandsgebäuden hingegen seien die Herausforderungen erheblich größer. Viele Dächer seien statisch oder aus der Bausubstanz heraus nicht für eine Belegung mit Photovoltaik geeignet. Hier müsse eine Sanierung vorausgehen. Zudem stünden viele Gebäude unter Denkmalschutz und könnten deshalb nur unter strengen Auflagen mit PV belegt werden.

Und es gebe noch weitere Herausforderungen: Die Leitungsführung unter Einhaltung der Vorgaben des Brandschutzes ist komplex, Leitungen müssen auf Fassaden technisch und ästhetisch angemessen geführt werden, es braucht umfangreiche Umbauten am Zählerschrank und der Unterverteilung, bestehende Blitzschutzanlagen müssen integriert und Dachtragwerke ertüchtigt werden, falls statische Voraussetzungen fehlen und Maßnahmen während der laufenden Gebäudenutzung koordiniert werden. Hinzu kommen Netzabschaltungen für den Anschluss der Anlage und die Abhängigkeit von Fachfirmen und Materialverfügbarkeit.

Zunehmend nur noch kleinere Flächen vorhanden

„Die technisch möglichen und wirtschaftlich attraktivsten Projekte auf städtischen Gebäuden mit hohem Eigenverbrauch wurden bereits umgesetzt oder befinden sich in der finalen Planung beziehungsweise Umsetzung“, so das Fazit der Verwaltung. In Zukunft würden zunehmend kleinere Dächer mit geringem Eigenverbrauch belegt werden müssen oder können, was zu einem steigenden Verwaltungs-, Planungs- und Kostenaufwand pro Anlage führen werde.

Angesichts der erreichten Ausbauziele, der veränderten Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit einer langfristigen strategischen Planung war die Empfehlung der Verwaltung klar: Der grüne Antrag auf eine Erhöhung des jährlichen PV-Zubaus auf 500 kWp sei abzulehnen. Stattdessen wurde empfohlen, „die weitere Entwicklung anhand der bestehenden Prioritätenliste und unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und infrastruktureller Aspekte fortzuführen.“ Es sei es außerdem sinnvoll, statt einer kWp-Zahl besser eine feste Anzahl von drei bis fünf Anlagen pro Jahr zu beschließen.

Speicher wird mit aufgenommen

Als Antragstellerin sagte Ulrike Salat (Grüne): „Ich glaube, der Antrag ist nicht allzugut angekommen, auch nicht bei der Verwaltung.” Die Idee sei gewesen, „dass wir es forcieren müssen, dass Dachflächen belegt werden.” Da man verstehe, dass die „tief hängenden Früchte abgeerntet“ seien, könne man den Verwaltungsvorschlag mittragen, wünsche sich aber doch weiterhin die 300 Kilowatt Peak als jährliches Ziel, die „sollten schon erreicht werden mit den drei bis fünf Anlagen“.

Genau diesem Vorschlag folgte der Technische Ausschuss dann auch mehrheitlich und so gilt dieses Vorgehen – drei bis fünf Projekte pro Jahr mit Minimum 300 kWp pro Jahr – nun als beschlossen. Zudem soll jeweils ein Speicher eingebaut werden, wenn es wirtschaftlich für das jeweilige Gebäude ist. Martin Rothweiler (AfD) erklärte unterdessen für seine Fraktion, warum die als einzige dagegen stimmte: „Wir finden Photovoltaik auf Dächern wunderbar, wenn es ökonomisch darstellbar ist“, aber er verstehe nicht, „warum man hier so ‚planwirtschaftliche Vorgaben‘ braucht.“

Seit 2023 belegte städtische Dachflächen

2023
kamen insgesamt 417 Kilowatt Peak (kWp) auf städtischen Dachflächen zusammen. Belegt wurden folgende Gebäude: Technische Dienste VS, Neckarhalle, Goldenbühlschule-Turnhalle, Südstadtschule-Erweiterungsbau, Gartenschule-Turnhalle, Kita in der Au, Kindergarten am Kopsbühl und am Ziegelbach und die Turnhalle der Schule Rietheim.

2024 und 2025
folgten und folgen die Feuerwehr Schwenningen, der Kindergarten Johannes, die Turnhalle der Karl-Brachat-Realschule, die Kitas am Schwalbenhaag und Helene Mauthe, die ehemalige französische Schule, die Neue Tonhalle, die Turnhalle der Bickebergschule, das Gymnasium am Romäusring, das Krematorium und das Heilig-Geist-Spital am Warenbach.