Die Grünen brauchen laute linke Stimmen. Trotzdem ist der angekündigte Rückzug der Grüne Jugend-Sprecherin gut für die Partei, findet Autorin Rebekka Wiese.
Die Nachricht kam als Eilmeldung. Das sagt viel darüber aus, zu welcher Bekanntheit es die Grüne Jugend-Sprecherin Jette Nietzard geschafft hat. Im Oktober hätte sie erneut für ihr Amt kandidieren müssen. Nun hat sie angekündigt, dass sie nicht wieder antreten wird. Mit dieser Entscheidung tut Nietzard ihrer Partei einen Gefallen. Die Grünen brauchen zwar laute linke Stimmen. Doch Nietzard hat ihnen durch ihr Auftreten mehr geschadet als geholfen.
Die Sprecherin der Grünen Jugend ist vor allem für ihre Provokationen bekannt. Vor einigen Monaten kam es zum Eklat um ein Foto, auf dem sie einen Pullover mit der Aufschrift „ACAB“ trug. Das steht für „All Cops are Bastards“, auf Deutsch etwa: „Alle Polizisten sind Schweine“.
Grüne Partei oft wenig souverän gegenüber Nietzard
Es war eine Aktion, die zeigte, wie entzweit Nietzard und ihre Partei sind. Seit Jahren arbeiten die Grünen daran, als staatstragend aufzutreten. Entsprechend entsetzt fielen die Reaktionen über Nietzards Auftritt in den eigenen Reihen aus. Die Grünen müssen sich indes vorhalten lassen, dass ihr Umgang mit Nietzard oft wenig souverän war. Nicht selten trugen sie dazu bei, dass der Schaden größer wurde. Übrigens auch für Nietzard selbst, die stark angefeindet und bedroht wurde – und zumindest in diesem Punkt mehr Rückhalt hätte erwarten dürfen, unabhängig davon, ob man hinter ihren Aussagen steht.
Die Grüne Jugend war stets linker als die Partei selbst, das gehört zu ihrer Rolle. Sie erfüllt damit eine wichtige Funktion, gerade in Zeiten, wo die Grünen stark an die Linkspartei verloren. Doch das ändert nichts daran, dass Nietzards Provokationen oft geschmacklos waren – und ihrer Sache dabei wohl nicht mal halfen.
Die Grünen brauchen kluge, linke Stimmen. Auch welche, die provozieren. Doch Nietzard ist oft zu weit gegangen. Es ist gut, dass sie nun Platz machen will.