Wer denkt in der aktuellen Lage schon daran, sich selbstständig zu machen? Wieso das Potenzial gerade jetzt riesig ist, erklären die Organisatoren des Gründercamps in St. Georgen.
Stellenabbau, Insolvenzen, und, und, und – wenn es um die wirtschaftliche Lage geht, ist die Nachrichtenlage in diesen Tagen bedrückend. Und ja, die Situation ist aktuell schwierig, sagen auch Martin Friedrich von der St. Georgener PE-Stiftung, Sylvia Scholz von der Agentur für Arbeit, Wirtschaftsförderin Henriette Stanley, Marlene Roming von der Industrie und Handelskammer (IHK), Jana Kiesel vom Verein „Baden-Württemberg: Connected“ (Bwcon) und Ursula Schulz von Team Schulz. Doch sie sehen auch Chancen – und zwar massive – unter anderem im Bereich Gründung.
Gerade in Zeiten, in denen es viele Unternehmen mit Personalabbau zu tun hätten, seien Gründungen besonders wichtig, betont Friedrich, um den Verlust der Arbeitsplätze – zumindest teilweise – wieder kompensieren zu können. Wobei eine Gründung nicht aus dem Nichts kommt, sondern gut vorbereitet werden will. Ganz am Anfang dieses Wegs soll das Gründercamp, das in diesem Jahr drei Mal im Technologiezentrum (TZ) stattfinden soll, Orientierung und Anschub geben.
Ganz neu ist das Gründercamp nicht: Genau genommen gibt es das Angebot seit 2025. Im vergangenen Jahr lockten die drei Termine insgesamt 37 Interessierte in die Räume des TZ-Campus, erklärt Schulz, welche die Veranstaltung zusammen mit Kiesel organisiert und begleitet. Mit Ideen aus ganz verschiedenen Bereichen – unter anderem ging es um Beratungsdienstleistungen, Coaching, medizinische Versorgung im ländlichen Raum, Marketing und Physiotherapie – machten sie sich auf den Weg.
Ziel des Programms ist es, Gründungsinteressierten aus der Region eine kostenfreie und praxisnahe Orientierung im komplexen Gründungsumfeld zu geben. Dabei richtet sich das Angebot speziell auch an solche Menschen, deren Arbeitsplatz gefährdet ist und die sich gleichzeitig eine Zukunft in der Selbstständigkeit vorstellen könnten.
Experten in der Arbeitslosigkeit
„In diesem Bereich ist aktuell sehr viel Potenzial da“, findet Scholz, die als Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit Rottweil/Villingen-Schwenningen Einblick in den Arbeitsmarkt hat. Denn in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg lag die Arbeitslosenquote im Dezember bei 4,6 Prozent. Gut 13 200 Menschen waren beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet – das sind sechs Prozent mehr als im Dezember 2024.
Und nicht nur das: Viel stärker als im Vorjahresmonat waren es Ende 2025 Menschen über 50 Jahre, die arbeitslos waren. Zudem zeigen die Zahlen, dass die Anzahl der Fachkräfte, Spezialisten und Experten in Arbeitslosigkeit im Laufe eines Jahres stark angestiegen ist. Nicht selten, schildert Scholz, handle es sich oftmals um Angestellte, die ihr Unternehmen mit einer Abfindung verlassen haben.
Die ideale Mischung
Aus Sicht der Organisatoren und Unterstützer des Gründercamps bringen sie die idealen Voraussetzungen mit, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen und ein Unternehmen zu gründen – die Mischung aus Berufserfahrung, Spezialwissen in ihrem Fachgebiet und dem nötigen Kapital machten sie zu den perfekten Kandidaten.
Das Gründercamp soll ihnen – sowie weiteren Gründungsinteressierten – eine erste Orientierung geben. Welche Wege in die Gründung gibt es? Welche Voraussetzungen bringt man selbst mit? Wo gibt es Hilfe und Unterstützung? Diese und weitere Fragen werden beantwortet.
Vernetzung und Orientierung im Blick
Außerdem kommen Gründungsinteressierte in Kontakt mit anderen treten, die ebenfalls den Weg in die Selbstständigkeit suchen. „Diese Vernetzung ist ganz wichtig“, findet Friedrich.
Ebenfalls ein essenzieller Teil des Gründercamps: der Einblick ins regionale „Gründer-Ökosystem“, wie es die Beteiligten nennen. Dieses umfasst weitere Anlaufstellen und Angebote für Gründungsinteressierte – um eine Begleitung von der Idee bis über die Umsetzung hinaus sicherzustellen. Dieses Ökosystem soll unter anderem helfen, sich durch den „Dschungel der Regularien“ zu schlagen, erklärt Roming.
Aber: Gründung braucht Zeit
Denn aus einem machen die Unterstützer und Organisatoren des Gründercamps kein Geheimnis: Eine Gründung will gut durchdacht, überlegt und vorbereitet sein, um langfristig am Markt Erfolg zu haben. Sie raten daher: Besser früher mit dem Thema auseinandersetzen als später.
Für Interessierte
Veranstaltungen
Für das laufende Jahr sind drei Gründercamps im Technologiezentrum (TZ) in St. Georgen geplant. Sie finden jeweils samstags von 9 bis 17 Uhr statt – nämlich am 24. Januar, am 20. Juni und am 26. September. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist notwendig und unter events.bwcon.de/villingen-schwenningen möglich. Fragen beantwortet Jana Kiesel unter E-Mail kiesel@bwcon.de.