Es wird mit einem Anstieg von Demenzerkrankungen gerechnet. Für Betroffene gibt es verschiedene Angebote. (Symbolbild) Foto: dpa/Sven Hoppe

Eine Auswertung ergab, dass im Landreis Freudenstadt die Anzahl der AOK-Versicherten, die an Demenz erkrankt sind, zurückgegangen ist. Dennoch rückt der zu erwartende Anstieg das Thema Prävention und Pflege in den Fokus. Denn die Bevölkerung wird immer älter.

Ende 2023 waren in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Ab einem Alter von 60 Jahren steigt die Häufigkeit steil an. In der Altersgruppe der Hochbetagten ist jede vierte Frau und jeder fünfte Mann betroffen.

 

Nach einer Auswertung der AOK Baden-Württemberg ging die Anzahl der betroffenen Versicherten sowohl im Land als auch im Kreis Freudenstadt zurück. So war landesweit ein Rückgang von 91 806 Betroffenen (2019) auf 79 862 Betroffene (2023) zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl der an Demenz Erkrankten in der Region Freudenstadt von 1331 auf 1249 AOK-Versicherte.

Ursache für Rückgang noch nicht ermittelt

Wie die Krankenkasse weiter in einer Mitteilung informiert, konnten dafür bisher keine eindeutige Ursachen ermittelt werden. Alexandra Isaksson, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg, vermutet: „Gründe können neben Änderungen der Alters- und Bevölkerungsstruktur auch eine Verminderung von Risikofaktoren sowie die bessere Behandlung von Demenz-assoziierten Erkrankungen im Laufe der letzten Jahre sein.“

Doch aktuelle Prognosen gehen laut der Mitteilung von einem Anstieg der Anzahl Demenzerkrankter aus. Ein Grund dafür ist, dass die Bevölkerung immer älter wird und die Wahrscheinlichkeit zu erkranken mit der Lebenserwartung steigt. „Deshalb spielt die Prävention von Risikofaktoren eine große Rolle. Insbesondere regelmäßige körperliche Bewegung, aber auch ein geistig aktives Leben mit der Pflege sozialer Kontakte kann Demenz vorbeugen. Präventiv wirken auch eine ausgewogene Ernährung, geringer Alkoholkonsum und der Verzicht aufs Rauchen“, erläutert die Ärztin.

Zudem könnten ein frühzeitiges Erkennen und eine adäquate Behandlung von mit Demenzen assoziierten Erkrankungen wie Hörminderungen, Depressionen, Bluthochdruck und Diabetes zur Prävention von Demenz beitragen, heißt es weiter.

Der Oberbegriff Demenz fasse eine Reihe von Krankheitsbildern mit unterschiedlichen Ursachen zusammen. Dazu zählen unter anderem degenerative Demenzen wie zum Beispiel Morbus Alzheimer als häufigste Demenzform. Von Demenz werde gesprochen, wenn seit mindestens sechs Monaten eine Gedächtnisstörung kombiniert mit der Beeinträchtigung mindestens einer weiteren Hirnleistung vorliege, die zu deutlichen Störungen im Alltagsleben führe.

Demenz hat viele Symptome

Gedächtnisstörungen seien Leitsymptom vieler, jedoch nicht aller Demenzformen. Auch das Denken, die Orientierung sowie die Lernfähigkeit, die Sprache und das Urteilsvermögen könnten beeinträchtigt sein.

Häufig würden diese Einschränkungen von Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen begleitet. Aufgrund dieser Symptome sei die Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen, zunehmend eingeschränkt, was bei fortschreitendem Krankheitsverlauf zu Pflegebedürftigkeit führe.

Herausforderung für Angehörige

„Mit unseren qualifizierten Pflegeberatungen, unseren Onlinekursen für pflegende Angehörige und Angeboten, die wir regional weiterentwickeln, bieten wir Betroffenen und Angehörigen Unterstützung an,“ wird Claus Bannert, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, der auch Vorsitzender des Vereins „Demenz mitten im Leben“ (DemiL) ist, in der Mitteilung zitiert.

„Eine der vordringlichsten Aufgaben der nächsten Bundesregierung muss eine verlässliche, stabile und nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung sein. Nur so kann die langfristige Handlungsfähigkeit dieses Pfeilers der Sozialversicherung sichergestellt werden“, so Bannert.