Seit fast fünf Jahren ist Julian Immisch Spielertrainer von Grün-Weiß Ottenbronn. In dieser Zeit ist der Verein zur Nummer drei im Kreis Calw geworden – hinter dem VfL Nagold und den SF Gechingen. Welchen Anteil hat Julian Immisch an dieser Entwicklung? Und wie lange bleibt er noch in Ottenbronn?
Julian Immisch und Grün-Weiß Ottenbronn – das gehört inzwischen ganz eng zusammen. Seit fast fünf Jahren ist der 39-Jährige, der einst beim FC Gärtringen in der Verbandsliga gespielt hat, Spielertrainer des Bezirksligisten. Wir haben uns mit ihm in der Winterpause unterhalten.
Herr Immisch, Grün-Weiß Ottenbronn überwintert auf dem vierten Tabellenplatz und ist damit die zweitbeste Mannschaft aus dem Kreis Calw. In der Vorsaison war sie das am Ende ebenfalls und vor zwei Jahren sogar die beste. Der Verein hat sich damit zu einer Top-Adresse entwickelt.
Ich finde, wir können durchaus stolz auf die Platzierungen der letzten Jahre sein und freuen uns auch über die aktuelle Tabellensituation. Die gute Arbeit im gesamten Verein spiegelt sich darin wieder. Es gab allerdings Zeiten, da konnte man von Platz vier aus den Blick ohne Sorgen beobachtend nach unten richten. Aktuell sieht die Situation in unserer Liga jedoch anders aus. Die Anzahl der Absteiger steht nicht endgültig fest. Wir bleiben demütig und sammeln so lange Punkte gegen den Abstieg bis wir faktisch in Sicherheit sind. Das schadet auch in guten Zeiten nicht.
Wie viel Julian Immisch steckt in dieser Entwicklung?
Ich bin jetzt seit fast fünf Jahren in diesem Verein als Trainer tätig und habe bestimmt meine Spuren hinterlassen. Aber ein Trainer ist immer nur ein kleiner Teil des Erfolgs. Es gehört immer viel mehr dazu. Die Zusammenarbeit im Verein und natürlich auch die Einsatzbereitschaft der einzelnen Spieler nenne ich nun einfach mal beispielhaft als weitere Faktoren unter vielen.
Aktuell beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Spvgg Freudenstadt nur sechs Punkte. Was trauen Sie Ihrer Mannschaft noch zu?
Wir haben eine super Mannschaft mit tollen Spielern, die an einem guten Tag jeden Gegner in unserer Liga schlagen kann. Allerdings fehlt uns im Kader ein wenig die Breite. Wenn an einem Spieltag Leistungsträger ausfallen, sind diese manchmal nicht adäquat zu ersetzten und wir tun uns schwer. Um ganz vorne mitzuspielen fehlt also doch noch ein wenig. Und da alle, die nicht ganz vorne mitspielen, weiterhin im Abstiegskampf stecken, sammeln auch wir demütig weiterhin Punkte gegen den Abstieg.
Mit Yannick Binder und seinen bislang elf Saisontreffern kommt der beste Ottenbronner Schütze erst auf Rang zehn der Torjägerliste der Bezirksliga. Würden Sie sich einen Knipser á la Kai Sieb vom SV Eutingen wünschen?
Mit unseren 45 geschossenen Toren sind wir eigentlich zufrieden. Die Tore verteilen sich bei uns auf mehrer Schultern, was nicht unbedingt ein Nachteil ist. Aber klar, gegen einen Kai Sieb hätte ich trotzdem nichts in unserem Team.
Welcher Ihrer Spieler hat Sie in dieser Saison besonders überrascht?
Erstaunlich ist die Torausbeute von Marco Schönfelder mit sechs Treffern. Marco ist eigentlich eher ein Typ für das Grobe, was keinesfalls despektierlich gemeint ist. An dieser Stelle liebe Grüße an Marco, genieße es!
Was muss sich in Ihrer Mannschaft nach der Winterpause verbessern?
Ich sagte vorhin, dass wir mit unserer Torausbeute zufrieden sind. Jetzt wollen wir aber auch wieder weniger Gegentore kassieren. Das funktionierte schon mal besser. Hierfür ist die ganze Mannschaft gefragt. Denn für dieses Ziel muss jeder Spieler die individuellen Interessen auf dem Platz zurückstellen und für ein kompaktes System sorgen, indem er durch Laufarbeit immer wieder schnell auf seine Position zurückfindet. Das heißt nicht, dass wir das nicht schon tun, jedoch sehe ich hier noch ein wenig Verbesserungspotential.
Grün-Weiß Ottenbronn hat in dieser Saison der nördlichste Bezirksligist und hat damit die weitesten Fahrten zu den Auswärtsspielen. Ist das ein echter Nachteil?
Wir haben uns die weiten Auswärtsfahrten im Vorfeld schlimmer vorgestellt und das liegt nicht allein an der guten Punkteausbeute. In dieser Saison bilden wir vermehrt Fahrgemeinschaften, das fördert auch die Kommunikation. Man muss immer das Positive sehen. Und die Gegner haben es außerdem auch immer weit zu uns und fahren in der Rückrunde hoffentlich mit weniger Punkten nach Hause als dies in der Vorrunde der Fall war.
Wie gefallen Ihnen die neuen Spielorte der neuen Bezirksliga?
Ganz ehrlich: sehr gut. Und das liegt nicht nur an der oft idyllischen Gegend des Schwarzwaldes. Wir kommen immer mit vielen Fans zu unseren Auswärtspartien, das sorgt für einigen Spaß. An dieser Stelle ein großes Kompliment an unsere treuen Unterstützer, die auch bei Wind und Wetter dabei sind! Auch dadurch wurden wir auf vielen Sportplätzen freundlich empfangen. So entstanden sogar bereits gemeinsam mit den Gegnern Ideen, die ein oder andere Partie in der Rückrunde auf einen Samstag zu legen. Dann kann man mit den Teams aus dem „anderen“ Bezirk im Anschluss noch gemütlich etwas essen und plaudern, ohne Angst haben zu müssen, erst spät am Sonntagabend nach Hause zu kommen.
Sie werden diesem Jahr 40 Jahre alt. Wie lange werden Sie noch Spielertrainer auf dem Platz stehen?
Nach 35 Jahren Fußball spielen spürt man jede weitere Saison etwas stärker in den Knochen. Jetzt startete wieder eine lange Wintervorbereitung und ich sollte manchmal sicherlich etwas genauer in meinen Körper horchen, um auch später noch Genuss am Sport haben zu können. Grundsätzlich brenne ich heute genauso dafür auf dem Platz zu stehen wie in jüngeren Jahren. Dennoch merke ich, dass mir weniger Spielzeit gut tun würde und das ist auch in Ordnung so. Das kann man auch als Appell an die jüngeren Spieler sehen, mich auf dem Platz unwichtig zu machen. Mein Körper wird es ihnen danken.
Grundsätzlich wollen Sie aber als Trainer in Ottenbronn bleiben?
Nach einem guten Gespräch mit unserem Vorstand Sportbetrieb Julian Glowatzki kamen wir bereits auf den gemeinsamen Nenner, noch ein weiteres Jahr zusammenarbeiten zu wollen. Diese Kontinuität ist das Resultat eines gut geführten Vereins, in dem man noch richtig Spaß am Fußball spielen haben kann. Das ist eine offizielle Werbung für den für den Fußballverein Grün-Weiß Ottenbronn.