Mit dem Tunnelbohrwagen werden die Löcher für den Sprengstoff in die Felswand getrieben. Geht die Sprengung gut, geht es vier Meter tiefer in den Berg. Foto: Springmann

Die Grube Clara ist eine Welt für sich. Ein Einblick in das letzte aktive Bergwerk des Schwarzwalds.

Unermüdlich schraubt sich der kleine Bus tiefer in den Benauer Berg – ähnlich wie in einem Parkhaus geht es mit leichten Gefälle in Schleifen immer tiefer und tiefer. Es ist überraschend neblig, vor allem kurz nach der Einfahrt, dem sogenannten Mundloch, das in die Grube Clara führt. Es ist das letzte aktive Bergwerk in Baden-Württemberg, in dem Industrie-Mineralien abgebaut werden.

 

Eine Tankstelle unter Tage versorgt die Fahrzeuge

Vorbei fliegen der Frühstücksraum, eine beleuchtete Figur der Heiligen Barbara – die Schutzheilige der Bergleute –, eine Betonmischanlage und eine Tankstelle. Tief unter Tage gibt es Diesel, Öle und Ad Blue. Klar, es herrscht auch überraschend viel Verkehr. Beladene LKW, kleinere Fahrzeuge – unter Tage herrschen besondere Regeln: Tempo 30. Und größere Fahrzeuge haben Vorrang, denn auf dem schmierigen Untergrund haben sie es schwerer, wieder anzufahren.

Die „Bewetterung“ der Grube Foto: Springmann

Die Zahlen, die die verschiedenen Sohlen bezeichnen, werden immer größer. Bei 18,3 passiert der Bus den Meeresspiegel. Unscheinbar steht das Wort mit pinker Farbe an die Felswand gesprüht. So schnell wie es auftaucht, verschwindet es auch wieder in der Dunkelheit – und es geht tiefer.

Erste Aufzeichnungen über den Bergbau in der Grube Clara im Rankachtal gibt es schon aus dem Jahr 1652. Seit 125 Jahren wird systematisch Schwerspat abgebaut, seit 50 Jahren auch Flussspat. Die Grube Clara ist wahrscheinlich das mineralienreichste Bergwerk der Welt, erklärte Obersteiger Peter Schleibach im Zechenhaus, bevor es unter Tage geht. Die meisten davon interessieren die Bergleute indes weniger, vor allem werden Flussspat und Schwerspat vermarktet – Letzteres seit 125 Jahren durchgehend.

Steiger Stefan Weis erklärt den Besuchern den Aufbau. Foto: Springmann

Das Ziel des Busses ist die 21. Sohle, fast am aktuell tiefsten Punkt der Grube. Dort heißt es: Aussteigen. Die Luft ist überraschend kühl. Rund 20 Grad hat es Sommer wie Winter, bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 97 Prozent. Überraschend auch: Es ist nass. Die Stiefel versinken bis über die Schuhspitzen im Wasser, das aus dem Berg kommt. Das Wasser wird in sogenannten Sümpfen gelagert und vorgereinigt, bevor es abgepumpt wird. Mehr als eine Million Liter am Tag, erklärt Steiger Stefan Weis. Ein kühler Lufthauch zieht durch den Schacht – er kommt von der „Bewetterung“, die Verbindung nach oben.

Viel Energie für die Frischluftversorgung

Durch diese gelangt Frischluft nach unten. Und eine weitere wichtige Aufgabe hat der Schacht: Er ist neben dem Fahrweg ein weiterer Fluchtweg. Über Leitern geht es dann durch den Schacht. „Das dauert dann natürlich ein paar Stunden“, sagt Weis lapidar. Energie braucht auch die Entlüftung: Bei voller Leistung kommt der Zwillingslüfter auf 167 Kilowatt. Die braucht es vor allem wenn gesprengt wird, damit der Nebel danach wieder schnell abzieht. Gesprengt wird in der Grube Clara sechs Mal am Tag zu festgelegten Zeiten, etwa bei Schichtwechsel.

Zu Fuß geht es weiter nach unten, vorbei an mit Spritzbeton ausgeschalten Felswänden. Den braucht es, um den Fels zu sichern. Der Beton, dem pro Kubikmeter etwa 30 Kilogramm Stahlfasern zugemischt sind, wird von Sachtleben selbst hergestellt – besondere Anforderungen erfordern besonderes Material. Das gilt nicht zuletzt auch für die Maschinen und Fahrzeuge unter Tage.

Wo der Fels zu weich zum Sprengen ist, wird sich mit einem Schneidkopfbagger in den Fels gefräst. In der spärlich durch die Helmlampen beleuchteten Dunkelheit gleicht dieser einem Monstrum – ist aber eine hochpräzise Maschine. Etwa einen bis 1,5 Meter schafft der Bohrkopf, dann wird das Material herausgeladen und der Fels gleich gesichert. „Im Gegensatz zur Sprengung hat man so die bessere Kontrolle“, erklärt Weis. „Zudem kann man die Arbeit jederzeit unterbrechen und den Fels sichern.“ Um das Material unter dem noch ungesicherten Fels herauszuholen, kommt ein Fahrlader zum Einsatz, der auch mittels Fernsteuerung gefahren werden kann. Die „händische“ Bedienung am Fahrzeug ist übrigens seitwärts angebracht. Denn der Fahrlader legt die zuvor vorausgefahrene Strecke im Anschluss rückwärts zurück. So sei es angenehmer für den Fahrer. „Sonst hätte jeder Bergmann einen krummen Hals“, scherzt Steiger Weis.

Auf Minus 175 Metern zeigen die Bergmänner, wie sie sich jeden Tag tiefer in den Berg bohren. Die Lautstärke ist ein Problem – ohne Gehörschutz ist die Arbeit unter Tage nicht machbar. „Lauter ist es nur am Flughafen unter der Turbine“, ruft Weis, bevor er selbst den Gehörschutz anlegt.

15 bis 17 Lkw-Ladungen Gestein pro Sprengung

Das wird besonders deutlich, wenn der Tunnelbohrwagen seine beiden Arme ansetzt, um die Bohrlöcher für den Sprengstoff zu bohren. Laut ratternd und kreischend treibt die Maschine die Großbohrlochkrone in den Fels. Durchmesser: 90 bis 100 Millimeter. Die Löcher sind ringförmig angebracht, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. „Wenn die Sprengung gut läuft, sind wir danach vier Meter tiefer im Berg“, erklärt Weis. Mit etwa 200 Kilogramm Sprengstoff werden dann 15 bis 17 LKW-Ladungen Gestein aus dem Weg geräumt. Die Gefahr bei Sprengung sei aber nicht das umherfliegende Material, erklärt Weis. Vor allem die Druckwelle sei gefährlich. Darum müssten die Tunnel zu den Sprengzeiten auch geräumt werden.

Mit diesen Eindrücken geht es zurück in den weißen Bus, der die Besuchergruppe zurück ans Tageslicht bringt. Nach 5,5 Kilometern Fahrtweg durch die dunklen Stollen erscheint das Sonnenlicht unangenehm grell – und doch einladend.

Tag der offenen Tür in der Grube Clara

125 Besucher hatten im Rahmen des 125-jährigen Bestehens der Grube Clara die seltene Gelegenheit, beim Tag der offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Zuletzt gab es die Gelegenheit beim 100-jährigen Jubiläum 1998. Der Ansturm auf die Plätze war enorm – und erforderte einen großen Aufwand vor Ort. Die Besucher wurden zeitlich gestaffelt empfangen und in Gruppen zu je 15 Personen aufgeteilt. Dass es kein Ausflug wie jeder andere war, wurde bei der Ausgabe der persönlichen Schutzausrüstung deutlich: Helm, Warnweste und Gehörschutz gehörten dazu, aber auch ein Sauerstoff-Selbstretter. Am Samstag, 1. Juli, haben noch mal 125 Personen die Gelegenheit, einen Blick in die Aufbereitung in Wolfach zu werfen. Die Plätze konnten, wie schon in der Grube, zuvor gebucht werden.