Welcher Nachbar ist Schuld? Seit Ostern ist das Vodafone-Netz in Empfingen heftig gestört. Hier eine Whatsapp-Nachricht des Breitbandanbieters an Empfinger Kunden Foto: privat

Der Vodafone-Störungsservice schreibt: "Du musst jetzt ganz stark sein." Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner ist sauer: "Das ist eine Katastrophe. Nicht nur das Rathaus, sondern auch das Gewerbe ist betroffen!"

Empfingen - Seit über einer Woche geht kaum noch was im Breitbandnetz von Vodafone. Bürgermeister Truffner: "Die Leitung fürs Internet fällt immer wieder aus. Auch das Gewerbe ist betroffen. Das Küchenstudio Brendle. Oder Foto Bossenmaier – die können gar keine Dateien mehr verschicken."

 

Nicht mal das Festnetz funktioniert richtig

Laut den Informationen von Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner sollen die Störungen am Gründonnerstag oder Karfreitag begonnen haben. Wolfgang Kronenbitter, Ex-Ordnungsamtsleiter von Horb, der in Empfingen wohnt: "Nicht mal das Festnetz funktioniert richtig. Viele Bürger sind sauer und haben kein Verständnis. Die ersten haben aus Empörung schon ihre Verträge gekündigt."

Eine Horberin: "Meine Mutter wohnt in Empfingen, ist auch betroffen. Mein Bruder hat bei der Service-Hotline angerufen. Er hat ein Ticket eröffnen müssen, aber außer einigen lapidaren und schnoddrigen Rückmeldungen hat sich nichts getan! Meine Mutter ist über 80 Jahre alt. Seit Kurzem hat sie einen Notfallknopf vom Roten Kreuz, der ja dann wahrscheinlich auch nicht funktionieren wird! Es ist eine Frechheit was die sich hier leisten."

602 Anschlüsse in Empfingen betroffen

Insgesamt sind derzeit 602 Anschlüsse in Empfingen betroffen – im Kabelnetz, das zuvor von Unitymedia betrieben und dann von Vodafone übernommen wurde. Ursache ist laut Vodafone ein "Rückwegstörer".

Vodafone-Sprecher Volker Petendorf: "In einem kleinen Teil des Vodafone-Kabelnetzes in Empfingen ist leider ein lokaler Rückwegstörer aktiv. Dadurch ist die Internet- und Telefonnutzung bei insgesamt bis zu 602 Kunden beeinträchtigt." Die Symptome: "Es kommt bei diesen Kabelkunden immer wieder zu Internet-Verbindungsabbrüchen und stark verminderter Bandbreite bis hin zum Internet-Totalausfall. Beim Telefonieren sind bei einzelnen Kunden Knacken, Rauschen und eine künstlich klingende Stimme zuweilen die Folge."

Ursache oft uralte, defekte oder illegal betriebene Geräte

Welcher Nachbar legt das ganze Internet lahm? Der Vodafone-Sprecher: "Ursache sind meist uralte, defekte oder illegal betriebene Geräte, die ein Kunde in Betrieb nimmt – ohne zu wissen, dass er damit alle seine Nachbarn empfindlich stört." Petendorf zählt folgende Möglichkeiten auf: "Das können zum Beispiel alte VHS-Rekorder, China-Geräte ohne Zulassung, Überwachungskameras, Bluetooth-Geräte, Funktelefone oder eine Mikrowelle sein. Auch eine defekte Steckdose, die nicht richtig abgeschirmt ist, kann ein Rückwegstörer sein."

Störer wird wohl bald ausfindig gemacht

Immerhin: Der Nachbar, der das Internet stört, ist wohl bald ermittelt. Vodafone-Sprecher Petendorf am gestrigen Montag: "Seit 15.23 Uhr haben wir neue Erkenntnisse: Der Strang mit dem Rückwegstörer konnte auf 50 Häuser begrenzt werden. Der Störer war heute wohl sehr aktiv. Die Techniker werden das jetzt weiter eingrenzen."

Was passiert, wenn Vodafone den Störer hat? Petendorf: "Unsere Mitarbeiter werden versuchen, den Anschlussinhaber zu erreichen und den Rückwegstörer in dem Haus zu ermitteln. Meistens sind die Menschen einsichtig. Das Gerät wird vernichtet oder die kaputte Steckdose erst mal abgeklemmt. Die äußerste Maßnahme bei uneinsichtigen Anschluss-Inhabern ist: Der Anschluss wird abgeklemmt und um das betroffene Haus herum umgeleitet."