Oberbürgermeister Christian Ruf blickt auf Höhepunkte und Herausforderungen des Jahres. Foto: Pudimat

Was für ein Jahr in Rottweil: Hängebrücken-Baustart, Sparzwänge, Landesgartenschau, Parkärger – wir fragen OB Christian Ruf im großen Interview, wie er auf die Themen blickt.

„Die Erwartungen sind enorm“ – dessen war sich Oberbürgermeister Christian Ruf bewusst, als er vor fast genau drei Jahren, nur Stunden nach der damaligen Weihnachtsmarkt-Eröffnung, in sein Amt eingeführt wurde. Seither ist der OB gefühlt ununterbrochen im Dienst, und jedes Jahr, so scheint es, wird in Rottweil mit all den Großprojekten noch intensiver, noch herausfordernder.

 

Wie Ruf auf 2025 blickt, was er zu Kritik sagt und wie er Sparzwang und Millionenausgaben erklärt – all das fragen wir ihn im Jahresabschlussinterview.

Herr Ruf, ein vollgepacktes Jahr in Rottweil neigt sich dem Ende zu. Welche drei Ereignisse fallen Ihnen als erstes ein, wenn sie auf 2025 blicken?

Da war zum Beispiel der Baustart der Fußgänger-Hängebrücke. Daran haben, so hatte ich manchmal das Gefühl, am Ende neben einem Team aus Bauherrenschaft und Stadtverwaltung nur noch Berufsoptimisten geglaubt. Dann waren da die vielen Begegnungen beim Stadtfest im September. Das Jahr war aber durchaus auch herausfordernd, im Gemeinderat haben wir in vielen Sondersitzungen darum gerungen, einen Sparhaushalt auf die Beine zu stellen und harte Entscheidungen treffen müssen. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten bleibt den Kommunen landauf, landab keine andere Wahl. Rottweil ist da leider keine Ausnahme.

Rottweil hat viel vor, die Baustellen werden zahlreicher, die Verwaltung setzt ein unglaubliches Pensum um – gleichzeitig gibt’s aber auch viel Kritik. Wie gehen Sie und ihr Team damit um?

Grundsätzlich ist es gut und richtig, dass sich die Menschen mit den Entscheidungen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats auseinandersetzen und ihre Meinung dazu äußern. Kritik sollte aber sachlich, konstruktiv und respektvoll sein – vereinzelt habe ich nämlich schon das Gefühl, dass auch gerne mal das Haar in der Suppe gesucht wird. Angesichts der Vielzahl der Baumaßnahmen und den damit verbundenen Belastungen kann ich Kritik aber durchaus nachvollziehen. Lange hieß es: „In Rottweil geht nichts voran.“ Jetzt packen wir es an! Und das spürt man nun auch überall.

Ein Euro pro Stunde parken ist angemessen

Bevor wir uns Erfreulicherem widmen, legen wir doch den Finger gleich in die Wunde und sprechen das – vom Gemeinderat beschlossene – Parkkonzept an. Stehen Sie persönlich voll dahinter oder zweifeln Sie doch am ein oder anderen Punkt?

Wie bei allen Sparmaßnahmen darf der Gemeinderat Vorschläge der Verwaltung erwarten. Diese trage ich mit, sonst würde ich sie dem Gemeinderat nicht vorlegen. Das neue Gebührenmodell haben Stadtverwaltung und Gemeinderat unter Beteiligung insbesondere auch von Vertretern des innerstädtischen Handels erarbeitet. Was dabei herausgekommen ist, ist ein Kompromiss: Einerseits kann die Stadt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht mehr im bisherigen Umfang auf Einnahmen aus den Parkgebühren verzichten. Andererseits sollte eine Tarifstruktur gefunden werden, die im Gemeinderat mehrheitsfähig ist, weil sie allen Seiten Rechnung trägt – wenn auch nicht (wie es bei einem Kompromiss üblich ist) vollumfänglich.

Wir bieten daher eine Stunde kostenloses Parken in beiden Parkhäusern, und auch ansonsten ist ein Euro pro Stunde ein angemessener Preis, wenn man ihn mit dem anderer Städte vergleicht. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es in Rottweil 14 Jahre lang keine Erhöhung der Parkgebühren gab und wir vor der Erhöhung rund 15 Millionen Euro in eine moderne Parkinfrastruktur investiert haben.

Müssen Gebühren erhöhen

Angesichts der dramatisch verschlechterten Haushaltslage müssen wir in vielen Bereichen Gebühren erhöhen, auch im Bereich Bildung, Betreuung und Erziehung oder Leistungen reduzieren, wie etwa beim Integrationsmanagement. Da kann der Gemeinderat ums Parken nicht einfach einen großen Bogen machen. Es war immer klar, dass es in allen Bereichen Beiträge zum Sparpaket geben muss.

Wie sehen Sie die Möglichkeiten, hier nachzujustieren?

Aus den Reihen des Gemeinderats wurde bereits angekündigt, dass es im Rahmen der Haushaltsplanberatungen Anträge zur Anpassung der Parkgebühren geben wird. Wir werden hier ergebnisoffen das Für und Wider diskutieren. Ich bin für gute Argumente offen, Voraussetzung ist für mich aber immer ein für das Regierungspräsidium genehmigungsfähiger Haushalt.

Sparzwang hier, Millionenausgaben dort

Das letzte Sparpaket war wirklich heftig. Viele Bürger können den Zusammenhang zwischen Sparzwang einerseits und Millionenausgaben für die LGS andererseits nicht nachvollziehen. Können Sie das mal kurz und prägnant erklären?

Der städtische Haushalt besteht einerseits aus dem Ergebnishaushalt, das ist quasi unser Girokonto, von dem wir die laufenden Kosten bezahlen, wie etwa Personalkosten, die Betriebskosten für Kindergärten, Straßenreinigung, Strom und Heizkosten oder den Unterhalt von Sportstätten und Spielplätzen. Auf der anderen Seite gibt es den Finanzhaushalt, das ist – wenn man so will – unser Sparbuch, von dem wir unsere Investitionen bezahlen. Wenn man nun das Girokonto überzieht, kann man es zwar mit Geld vom Sparbuch ausgleichen. Das genehmigt das Regierungspräsidium aber nur für sehr kurze Zeit und deswegen muss man die Ausgaben- und Einnahmenseite auf dem Girokonto in Einklang bringen. Das haben wir mit dem Sparpaket getan.

Die Investitionen (Sparbuch) müssen auf der anderen Seite aktuell sehr groß sein, um unsere Infrastruktur in Schuss zu halten. Hier können und werden wir aber auch Schulden aufnehmen. Insgesamt aber auch nur insoweit, als wir Zinsen und Tilgungen durch die laufenden Einnahmen unseres Girokontos decken können.

Gleichzeitig bekommen wir – und das nur jetzt und nicht später – weil wir Landesgartenschau-Stadt sind, erhebliche Zuschüsse. Ohne diese Zuschüsse könnten wir uns Investitionen in ohnehin notwendige Maßnahmen wie die Neugestaltung des Friedrichsplatzes, in Brückensanierungen, Schulsanierungen, den Radwegeausbau, ein Kombibad und weiteres gar nicht leisten. Verkürzt gesagt: Die selbst stark geförderten Landesgartenschauinvestitionen sind gleichzeitig Voraussetzung dafür, dass wir so erheblich in anderen Bereichen investieren können.

Die Innenstadt soll belebt werden, ausgerechnet jetzt ist das aber gar nicht so einfach angesichts der Umstände in der Stadt. Wie sehen Sie diese Zwickmühle? Kann das überhaupt gelingen?

Alles so zu lassen, wie es derzeit ist, ist keine Alternative. Es gilt, jetzt die Gunst der Stunde mit der Eröffnung der Hängebrücke im Rücken und der Landesgartenschau 2028 als Perspektive zu nutzen. Wir sanieren die Gassen rund um das Münster und den Münsterplatz, modernisieren den Öffentlichen Personennahverkehr durch den Bau des Zentralen Umsteigepunktes (ZUP) und werten den Friedrichsplatz städtebaulich auf. Das geht nur, solange wir durch die Landesgartenschau Fördermittel beim Land mobilisieren können. Mit anderen Worten: jetzt oder nie!

Vor lauter Landesgartenschau läuft man womöglich Gefahr, die vielen anderen großen und kleinen Baustellen und Bedürfnisse zu übersehen. Gerade die Stadtteile fühlen sich da manchmal abgehängt. Wie sehen Sie das?

Nur weil wir Landesgartenschau-Stadt sind, ist es uns überhaupt möglich, in vielen anderen Bereichen zu investieren – weil wir eben bevorzugt Zuschüsse bekommen. Und so investiert die Stadt in den nächsten Jahren Millionen in den Bau oder die Sanierung von Kindergärten, Schulen und Sportstätten wie die neue Campus-Sporthalle oder das neue Kombibad. Auch in den Ortsteilen investieren wir stark. Ich nenne nur Beispiele: Hochwasserschutz in Göllsdorf, Kindergarten-Neubau in Neufra, neuer Radweg Neukirch/Vaihingerhof, der Waldkindergarten in Bühlingen, die Sanierung der Fassaden des Bürgersaals und der Feuerwehr in Feckenhausen, Neubaugebiete in Hausen und Zepfenhan. Außerdem weisen wir in allen Ortsteilen Bauplätze aus und wir unterhalten in allen Ortsteilen Kindergärten, auch das ist woanders längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Mehr geht natürlich immer, aber die Richtung stimmt.

Gemeinsame Suche nach Lösungen

Ihnen als OB werden viele Wünsche angetragen – was wünschen Sie sich eigentlich von den Bürgern?

Zunächst einmal sehe ich mich als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Insofern ist es nicht meine Aufgabe, Wünsche an sie zu richten. Was ich mir jedoch erhoffe, ist mehr Kompromissbereitschaft und Verständnis füreinander. Die Politik kann nicht jeden Wunsch eins zu eins erfüllen. Wenn Kompromisse aber direkt als persönliche Niederlage empfunden werden, ist unser Zusammenleben insgesamt gefährdet. Wenn wir bereit sind, unterschiedliche Interessen auszugleichen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen, gelingt es auch in herausfordernden Zeiten, unser Gemeinwesen zusammenzuhalten und weiterzuentwickeln.

Sperrung in der Stadt wird hart

Worauf freuen Sie sich am meisten mit Blick auf das Jahr 2026? Und was wird die härteste Nuss, die es zu knacken gilt?

Ein echtes Highlight wird die Einweihung der Hängebrücke im April. Gleichzeitig bleibt 2026 anspruchsvoll: Die Haushaltskonsolidierung fordert uns auch im neuen Jahr, wir müssen weitere Einsparmöglichkeiten identifizieren. Belastend wird aber ganz erheblich für alle Menschen in der Stadt die Friedrichsplatz-Sperrung durch die startenden Sanierungsmaßnahmen.

Mehr Sport

Verraten Sie uns, wie Sie den Jahreswechsel verbringen? Und welche Vorsätze haben Sie fürs Neue Jahr?

Über den Jahreswechsel werden wir ein paar Tage verreisen. Ein bisschen Abstand vom Alltag gewinnen, Kraft sammeln. Das ist eine gute Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, noch ein bisschen mehr Sport zu treiben und noch bewusster auf die eigene Gesundheit zu achten.