Es sollte ein Zukunftsprojekt für die H2-Forschung werden – nun ist alles vorbei. Das Real- und Testlabor auf dem Ex-Schlachthofareal in Schwenningen wird nicht gebaut.
Die Begeisterung der Beteiligten war groß, ebenso wie ihre Zuversicht, am Standort Schwenningen auf dem ehemaligen Schlachthofareal in Schwenningen ein Wasserstoff-Real- und Testlabor aufbauen zu können. 2020 waren die ursprünglichen Pläne dafür bekannt gemacht worden. Auch Hans-Walter Haller, Geschäftsführer der Industriebau-Firma Haller, der das Gelände gehört, hatte seinerzeit sein Faible für die Energiegewinnung mit Wasserstoff betont.
Bei einem weiteren Termin im Mai 2022, bei dem über das Projekt vor Ort gesprochen wurde, betonte seinerzeit Christian Klaiber, Leiter der Geschäftsstelle des Vereins H2 Regio SBH plus: „In dieser Form ist das recht einmalig in der Kompaktheit.“
Er berichtete damals weiter: „Auf dem Schlachthofareal wollen wir eine Infrastruktur einrichten, um Know-how weiterzugeben und Wasserstoff-Forschung voranzutreiben.“ Dieses Testlabor sollte den Brennstoffzellen-Systemprüfstand als Test- und Schulungssystem ergänzen und so das Testen von Komponenten unter realen Bedingungen ermöglichen.
Jetzt steht aber fest: Daraus wird nichts. Ein Sprecher des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg antwortete auf Nachfrage der Redaktion: „Die Projekt- und Betriebsgesellschaft für H2-Systeme mbH, Villingen-Schwenningen hat uns Ende Dezember 2025 darüber informiert, dass das RegioWin-Projekt ’H2 Real- & Testlabor’ leider nicht realisiert werden kann.“
Das Ministerium bedauert es
Den Zuwendungsbescheid für das Vorhaben gebe die Projekt- und Betriebsgesellschaft an das Land als Zuwendungsgeber zurück. Das sei „aus unserer Sicht sehr bedauerlich, da das Vorhaben die Jury des RegioWin-Wettbewerbs als hochinteressantes Projekt im Bereich der Wasserstoff-Forschung und -Entwicklung überzeugte. Die zurückgegebenen EU-Mittel werden nun für andere Vorhaben eingesetzt“, so der Sprecher weiter.
Was aber sind die Gründe dafür, dass aus dem großen Projekt des Wasserstoffprüflabors nun doch nichts wird? Schließlich sollte es doch mithelfen, eine sichere und nachhaltige Versorgung der Region über das Jahr 2040 hinaus mit Energie in Form von Wasserstoff zu ermöglichen?
Seitens der H2-Reallabor Projekt- und Betriebsgesellschaft für H2-Systeme mbH antwortet deren Geschäftsführer Benedikt Martin, auch im Namen der Gesellschafter.
Es herrscht Resignation vor
„Wir haben in den vergangenen Monaten die Anstrengungen zur Gewinnung eines Partners aus der Industrie zur Umsetzung unserer ehrgeizigen Pläne nochmals intensiviert, leider erfolglos“, erläutert er.
Nach seiner Einschätzung spiegelt der Schritt die Entwicklung der Sicht auf die Wasserstoff-Technologie wider: Die vor fünf Jahren vorhandene Aufbruchstimmung sei „einer resignativen Einschätzung gewichen, da eine strategische Rolle des Wasserstoffes inzwischen weder bei der Energiewende noch bei der Transformation regionaler Arbeitsplätze gesehen wird. Insbesondere die im Ausland nachhaltig verfolgte Entwicklung der Batterietechnologie in Kombination mit dem Festhalten am Verbrenner habe die Geschäftsmodelle für Wasserstoffanwendungen grundlegend verändert.“ Dies habe am Ende dazu geführt, dass mehrfach potenzielle Partner für die Umsetzung des Wasserstoff-Reallabors wechselten und sich zurückzogen.
Fördergelder kamen nicht zum Einsatz
Die bislang angefallenen Aufwände der GmbH seien, so der Geschäftsführer, vollständig entweder ehrenamtlich geleistet oder von den Gesellschaftern getragen worden. Die öffentlichen Fördergelder seien dafür nicht in Anspruch genommen worden. Mit der Rückgabe will die GmbH dem Ministerium die Möglichkeit eröffnen, noch im Rahmen der Laufzeit des Förderbescheids ein anderes Vorhaben zu berücksichtigen.
Die Projekt- und und Betriebsgesellschaft
2021 gegründet
Die Projekt- und Betriebsgesellschaft für H2-Systeme mbH mit Sitz in Villingen-Schwenningen wurde 2021 durch die beiden Gesellschafter, den Verein H2 Regio Schwarzwald-Baar-Heuberg plus sowie die Jakob Haller GmbH & Co. KG mit dem Ziel gegründet, ein Reallabor zu Test- und Schulungszwecken rund um das Wasserstoff-Ökosystem zu etablieren.
Wie geht es weiter?
Über die Zukunft der Projekt- und Betriebsgesellschaft werden die Gesellschafter noch abschließend beschließen.