Vor rund 50 Jahren endete mit dem letzten Landstrich des einst mächtigen Schuramer Moors einer der größten natürlichen CO2-Speicher.
Wissen konnten es die Schuramer damals noch nicht, dass sie mit der Beseitigung des letzten Restes des einst mächtigen Moorgebiets westlich von Schura zugleich auch den letzten natürlichen CO2-Speicher vor Ort zunichtemachte.
Moore, so weiß man heute, sind mit die größten CO2-Speicher, die die Natur zu bieten hat. Urbarmachung von vermeintlich ungenutzter Fläche für die Landwirtschaft war damals die Devise. Ende der 1960er- bis Mitte der 70er-Jahre wurden ganze Nasswiesen mit Drainagen durchzogen, entwässert, trockengelegt und später umgepflügt.
Einige Jahre zuvor gab es einen der größten Flächenbrände, der sich tagelang im Untergrund weiter ausbreitete. Ursache dafür war der Versuch eines Landwirts, die trockenen Gräser und das Schilf abzubrennen, um die Fläche dann besser bewirtschaften zu können.
Feuer außer Kontrolle
Dabei geriet das Feuer außer Kontrolle und fraß sich in den ebenso trockenen Moorboden hinein. Erst nach etlichen Tagen und dem Einsetzen von Regen erlosch das Feuer von selbst.
Neben den Moorgebieten in Oberschwaben, Schwenningen und um Donaueschingen herum war das Moor westlich von Schura zwischen Weigheim und Tuningen einst das größte Moorgebiet der Baar mit einer geschlossenen Fläche von rund 50 Hektar.
Heute nichts mehr zu sehen
Heute ist von dem Moor nichts mehr zu sehen, nur die tiefschwarzen Böden deuten noch darauf hin. Ausgangsbasis für das Entstehen des Moorgebiets ist die besondere Bodenbeschaffenheit rund um Schura.
Im tieferen Untergrund befinden sich Mergel und Ton, die den Boden nach unten abdichten. Im nördlichen Teil gibt es große Vorkommen mit Ölschiefer, und im südlichen Teil dicke Tonschichten.
Wie in eine Wanne
Das Grundwasser aus den Ölschieferschichten ergoss sich früher, bevor der Mensch in die Landschaft eingegriffen hatte, in die abfallende Fläche westlich von Schura – etwa so wie in eine Wanne. Und weil in der Wanne nichts versickern konnte, bildeten sich seit der letzten Eiszeit vor rund 10 000 bis 12 000 Jahren Sümpfe und Moore. Einziger Ausgang für das Wasser war und ist der Schönbach.
Ab dem 19. Jahrhundert sind findige Salzsieder bei der Suche nach Brennstoffen zur Erkenntnis gekommen, dass die oberste Schicht der Moore, der Torf, sobald er getrocknet ist, sich bestens als Brennmaterial eignet, berichtet der Schuraer Ortsvorsteher Wolfgang Schoch. Damit war das Ende des Moorgebiets quasi besiegelt. Massenhaft wurde der Torf in Schura durch die Wilhelmsaline in Rottweil gestochen und als Brennstoff zur Salzgewinnung im Siedeverfahren eingesetzt. Später und noch im größeren Stil für die Industrie, vor allem für das Kraftwerk (Kesselhaus) der Firma Matthias Hohner AG.
Ersatz für teurere Kohle
Auch die Schuramer selbst bauten den Torf als Ersatz für die teurere Kohle ab. Zur Gewinnung des Torfs, welcher aus unvollständiger Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile besteht, wurden zuerst Felder zur Entwässerung abgesteckt und mit Gräben durchzogen. Danach wurde der Torf mit speziellen Werkzeugen gestochen, in ziegelsteinartigen Blöcken herausgehoben und zum Trocknen mit Pferdefuhrwerken abtransportiert.
Aus einem Bericht des Oberamtes Tuttlingen aus dem Jahr 1879 geht hervor, dass in Schura damals pro Jahr 60 000 Stück Torf gewonnen wurden. Die größten Torffelder Richtung Weigheim und Richtung Tuningen, waren da bereits ausgehoben.
Vertrag mit Firma Hohner
Der Abbau insgesamt dauerte bis in die 1940er-Jahre hinein. Dies geht aus alten Verträgen zwischen der Gemeinde Schura und der Firma Matthias Hohner hervor. Der letzte Vertrag wurde 1945 geschlossen, nachdem die Firma Hohner darauf gepocht hatte, weitere Entwässerungsgräben zu ziehen, damit noch mehr Torf als Brennstoff geborgen werden konnte, berichtet Ortsvorsteher Schoch.
Grund hierfür war der in der Nachkriegszeit aufkommende Mangel an Kohle für das firmeneigene Kraftwerk. Dass mit dem konsequenten Abbau des Schuramer Moors oder Moos, wie man auch sagt, ein nicht mehr rückgängig zu machender Eingriff in die Naturlandschaft mit den heute bekannten Folgen verbunden sein könnte, war den Menschen damals nicht bewusst.
Im Zuge der Flurbereinigung und im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn 81 Anfang bis Mitte der 70er-Jahre wurden wie letzten Reste der noch übrig gebliebenen Urlandschaft zerstört, indem alles komplett entwässert und trockengelegt worden ist.
Warnrufe in den Wind geschlagen
Warnrufe von Wissenschaftlern und naturbewussten Menschen, die den letzten Rest Moor in Schura noch retten wollten, wurden in den Wind geschlagen.
Für die Landwirtschaft mag die zurückliegende Entwicklung ein Gewinn sein, zumal die ertragreichen Flächen zur Bewirtschaftung sich bestens eignen und dementsprechend auch genutzt werden. Auf der anderen Seite jedoch fehlt das Moor als Schwamm, als Puffer, der das Regenwasser nach heftigen Regenschauern zurückhält, so Schoch.