Das große Horber Stadtfest „Unsere Stadt feiert“ ist eröffnet. Wie OB Peter Rosenberger seinen Nachfolger auf die Probe stellt und warum Biersündern ab heute die „Verhaftung“ droht.
Was ein schwungvoller Start in das große Horber Fest „Unsere Stadt feiert“. Nach dem dritten Schlag von Ehrenamts-Legende Kurt Schmid (89) floß der Hochdorfer Gerstensaft. Doch der Biersünder lauert gleich nebenan.
Die Bühne auf dem Flößerwasen gegen kurz vor 20 Uhr. Ginger Steibigs Ginger Girls reißen das Publikum mit. Während oben die die Ballet-Girls sich mit Tüchern zur Musik bewegen, gehen unten die Kinder mit. Große, aufblasbare Hochdorfer-Flaschen (Helles) stehen links und rechts. Nur fünf Meter rechts von der Bühne sind die „Biersünder“: Bei einem Stand stehen im Kühlschrank andere Biermarken.
Fatal. Die Hochdorfer Brauerei ist seit Jahren zuverlässiger Sponsor-Partner für alle Horber Veranstaltungen wie Ritterspiele, Horber Advent und in der Hohenberghalle.
Rauschbart- und Neckarrauschen-Wirt Michael Singer (Hochdorfer): „Das ist nicht gerade die feine Art“.
Doch Horbs Noch-OB Peter Rosenberger (CDU) muss natürlich erst mal das Stadtfest eröffnen. Rosenberger: „Dank der Ginger-Girls sind wir jetzt richtig in Stimmung, zu feiern. Das trägt zum Wir-Gefühl bei.“
Rosenberger stellte seinen Nachfolger auf die (Finger-)Nagelprobe
Mit dabei: Sein Nachfolger Michael Keßler (CDU). Der gelernte Landwirt packt erst mal richtig mit an, wuchtet das Fass mit Hochdorfer Bier-Sommelier Andreas Blasius auf den Biertisch.
Rosenberger: „Das Fest der Kulturen auf dem Flößerwasen – das ist nicht nur aus Kostengründen. Mit der neuen Form, in der wir die Akteure direkt hier mit einbeziehen, zeigen wir auch ein Stück Integration.“
Doch wer muss das Fass anstechen? Wer muss seinen Daumen riskieren? So wie damals Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP), als FC Horb-Vorsitzender Stephan Mauz den Weg zum kühlen Gerstensaft bahnen musste und dem Bürgermeister voll auf den Daumen traf?
Kurt Schmid darf den Fassanstich machen
Rosenberger: „Michael, mach Du das mal.“ Und wer darf schlagen? Der Amtsinhaber: „Ich suche immer jemanden aus, der es verdient hat. Diesmal jemanden, der sich jahrzehntelang Ehrenamtlich engagiert. In der Politik. Er war Gartenschau-Botschafter, ist immer da, wenn wir Hilfe brauche – Kurt Schmid aus Ahldorf.“
Doppelt brisant. Schmid ist Ahldorfer, genau wie der Bald-OB. Doch Keßler hat Riesen-Glück. Schon beim ersten Schlag spritzt der Gerstensaft, beim dritten Schlag fließt das Bier. Keßler schmunzelt: „Beim Feuerwehrfest durfte ich mein erstes Faß anstechen. Ralph Zimmermann hat den Hahn gehalten.“
Die Biersünder – trotz Ermahnung keine Reaktion bis 22 Uhr
Klar, das erst mal alle erleichtert anstoßen. Doch was ist mit den „Biersündern“ nebenan? Der OB schickt Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter zum „Biersünder-Stand.“ Sie redet kurz mit den Betreibern, sagt: „Die haben gesagt, sie räumen den Kühlschrank sofort leer.“ Hochdorfer-Mitarbeiter Blasius: „Ich habe auch ein paar Kisten Hochdorfer im Auto.“
Ein Augenzeuge: „Sofort nach der Ermahnung ist er zum Nachbarstand gegangen und hat sich eine Kiste Hochdorfer geholt.“ Das ist auch gut so. Laut Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter habe man diesmal den Standbetreibern erlaubt, auch Bier zu verkaufen. Natürlich von Hochdorfer. Damit es auch bequemer für die Gäste wird.
Stadtoberhaupt Peter Rosenberger sagte augenzwinkernd: „Heute hätte ich noch Gnade walten lassen. Ich habe mein Auto mit der Polizeikelle auf dem Marktplatz geparkt. Aber wenn sich das am heutigen Samstag nicht ändert, dann muss ich mir überlegen, Biersünder zu verhaften.“
Mehr Apfel, weniger Wein-Vielfalt
Doch was gibt es außer „Biersündern“ noch Neues auf dem Stadtfest?
Was ganz Gesundes. Ökologisch einwandfrei – das gefällt auch dem Nabu. Die Mostbrüder vom Heiligenfeld sind zum ersten Mal mit dabei. Niklas Ohngemach: „Wir bieten alles frisch von den Streuobstwiesen: Apfel-Johannes, Quitte, Birne und Johannesbeer. Mit und ohne Alkohol.“ Mit seinem Bruder Christopher ist er im Doppel-Stress. Ohngemach: „Am Samstag fangen wir an zu mosten.“
Schade. Der HGV Horb hatte in den Zeiten von Martin Dörr ein Horber Weindorf etabliert. Ausgerechnet der ist diesmal nicht dabei. Dörr: „Leider sind wir zu knapp an Personal.“ Damit haben Wein-Genießer diesmal nur Böckles Weinstand. Nico Böckle: „Grundsätzlich ist das schade, das Martin Dörr nicht dabei ist. Aber bei uns ist jetzt schon zur Eröffnung mehr los als letztes Jahr.“
Und so geht zu den Klänge der Horber Band Soulprint die Eröffnung des Horber Stadtfest zu Ende. Stadtmarkteting-Chefin Claudia Beuter plaudert mit einem Nagolder. Der sagt: „Ich gehe gern nach Horb. In Nagold gibts keinen echten Weihnachtsmarkt. Und ein Stadtfest auch nicht mehr.“