Millionenprojekt Helios-Arena: Während der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen den Weg für Fördermittel ohne öffentliche Debatte freimacht, rumort es hinter den Kulissen.
In seiner außerplanmäßigen Sitzung befasste sich der Gemeinderat jetzt mit der geplanten Erneuerung der Kunsteisbahn.
Konkret geht es um die Sanierung von Bahn eins mit Gesamtkosten von rund 3,4 Millionen Euro. Für Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ muss die Stadt selbst als Antragstellerin und Finanzier auftreten.
Die Kunsteisbahn GmbH (KEB) gilt laut Geschäftsführer Gregor Gülpen als eigenständige Gesellschaft, deren Investitionen nicht als kommunaler Eigenanteil anerkannt werden. Auch eine städtische Bürgschaft reicht für eine Förderung nicht aus. Voraussetzung ist, dass die Stadt den Eigenanteil direkt aus dem Haushalt trägt.
Maximal 1,53 Millionen Euro Förderung
Das Bundesprogramm sieht eine Förderquote von bis zu 45 Prozent vor. Im günstigsten Fall wären das bis zu 1,53 Millionen Euro und ein verbleibender städtischer Eigenanteil von rund 1,87 Millionen Euro. Vorausgesetzt, die Förderung liegt bei mindestens 500 000 Euro.
Fällt sie geringer aus oder wird ganz abgelehnt, soll die Kunsteisbahn GmbH das Projekt selbst finanzieren; dann bleibt es bei der bereits beschlossenen Bürgschaft der Stadt.
Die Entscheidung wird im Juni 2026 erwartet. Die Stadt plant, die dafür vorhandene Restmittel aus dem Haushalt 2025 bereitzustellen und ins Jahr 2026 zu übertragen.
Überraschung beim Stellen des Antrags
KEB-Geschäftsführer Gregor Gülpen machte noch einmal deutlich, dass die KEB offenbar nicht förderfähig sei und man daher diesen Schritt gehe. Oberbürgermeister Jürgen Roth: „Das wird sich im Verlauf der Haushaltsberatungen finalisieren.“ Dann erst werde man wissen, ob und wie viel Fördergelder kommen. Bei 30 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen wurde der Verwaltungsvorschlag durchgewunken.
Beachtlich: Zuvor fand trotz des Volumens der Maßnahmen und Auswirkungen keinerlei öffentliche Diskussion statt. Wohl auch, weil Stadträte zum Schweigen verdonnert wurden, wie unserer Redaktion mehrfach bestätigt wurde.
Dass sich die kritischen Aussagen zur Eisqualität zuletzt häuften, warum die Maßnahme so schnell umgesetzt werden muss, welche Rolle das Thema Sommereis spielte, ob es Vorschäden und Warnungen gab – all dies wurde in dieser Sitzung nicht thematisiert.
Berichterstattung schlägt hohe Wellen
Dabei schlägt die Berichterstattung über mögliche Fehlentscheidungen hohe Wellen – insbesondere bei KEB und Stadtverwaltung. Das erfuhr unsere Redaktion aus verlässlichen Quellen. Die Suche nach einem möglichen Maulwurf zeigt, welche Brisanz das Thema hat. Nicht zu erfahren war, aus welchen Gründen erstmalig Sommereis auf Bahn 1 umgesetzt wurde anstatt nur für die kleinere Bahn 2. Denn: Während der Sommerpause benötigten die Wild Wings keine zusätzlichen Trainingsflächen, heißt es.
Aus unterschiedlichen Quellen wird an unsere Redaktion herangetragen, dass von mehreren Stellen davor gewarnt worden sei, die Betonpiste mit dem Sommereis zusätzlich zu belasten. Die dauerhafte Kühlung bei hohen Temperaturen und eine große Permafrost-Schicht unter dem Beton könnten den Druck zu stark erhöht haben.
Wild Wings-Geschäftsführer im TV-Interview konfrontiert
Die Auswirkungen des Millionen-Projekts auf den Spielbetrieb der Wild Wings lassen sich noch nicht mit absoluter Sicherheit abschätzen. Das wird auch in einem TV-Interview beim Heimspiel gegen Redbull München deutlich. Wild Wings-Geschäftsführer ist live bei Magenta TV zu den Auswirkungen der Arbeiten konfrontiert worden – und wirkte leicht überrumpelt.
Eine neue Betonpiste helfe, „wahrscheinlich wieder viele Jahrzehnte Ruhe zu haben“. Sorgen um die laufende Saison wies er entschieden zurück – „davon gehe ich überhaupt nicht aus“. Im selben Atemzug relativierte er das: „Ich bin auch nicht der Eismeister hier in der Halle.“ Die Saison könne man dennoch beenden, „da bin ich ganz sicher“.
Vorsichtige Äußerungen zum Saisonstart
Auch mit Blick auf die kommende Spielzeit blieb Wagner auffällig vorsichtig. Die Umbauarbeiten hätten auf die Saison 2026/27 „bisher eigentlich keinen“ Einfluss. Vorsorglich verzichtet der Club im August auf Heim-Vorbereitungsspiele.
Auf die zentrale Frage, ob zum Punktspielstart im September in der Helios-Arena gespielt werden kann, antwortete Wagner erneut mit Abstand zur Verantwortung: „Ich bin nicht derjenige, der technisch involviert ist.“ Gleichwohl versicherte er: „So wird es uns gesagt und davon gehen wir aus. Da besteht keinerlei Panik.“ Beobachter halten das Programm, den kompletten Untergrund während der Sommerpause zu erneuern, hingegen für überaus sportlich.