Der Rohbau für das neue Rechenzentrum am Flugplatz steht. Das Richtfest nutzten zahlreiche potenzielle Kunden aus der Wirtschaft, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
140 Gäste, überwiegend aus der Lahrer Wirtschaft, waren am Dienstag in die Einsteinallee am Flugplatz gekommen, um den fertigen Rohbau des neuen Rechenzentrums zu begutachten. Das Interesse war so groß, dass die Gäste zum Parkplatz von Zalando gelotst wurden, von wo sie mit einem Shuttle zur Baustelle gebracht wurden. Das sogenannte „Summer Opening“ war die einzige Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen des Hightech-Werks zu blicken. Denn künftig haben hier nur befugte Personen Zutritt.
Der Rohbau an sich hatte nur wenig Spektakuläres zu bieten. Zwei große Hallen für die Serverschränke, ein Verwaltungstrakt, kahle Wände mit Löchern, durch die später die Technik für Kühlung und die Nutzung der Abwärme verlegt werden wird – das Gebäude sah aus, wie ein Rohbau nun mal aussieht.
KI-Bilder zeigen, wie das fertige Rechenzentrum einmal aussehen soll
Spannender waren da schon die mithilfe von KI erstellten Illustrationen, die das fertige Werk zeigen sollten. Eine riesige Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, daneben große Kühlmodule. Um das Gebäude herum spannt sich ein mehrere Meter hoher Zaun gespickt mit Stacheldraht. Der Zugang erfolgt über ein Eingangstor mit Drehkreuz. Eine Ansicht ohne Dach deckte auf, wie die gewaltigen schwarzen Serverschränke von denen in jeder Halle 115 stehen sollen, einmal das Herz des Rechenzentrums bilden werden.
„Die große Resonanz hat uns umgehauen“, erklärte Bernhard Palm, Chef des E-Werks Mittelbaden, bei der Eröffnung. Das in Lahr ansässige E-Werk hat den Bau des Rechenzentrums als sogenanntes „Joint Venture“ gemeinsam mit der Q-Fox-Gruppe in Angriff genommen. 16 Millionen Euro fließen in die größte Einrichtung ihrer Art zwischen Karlsruhe und Basel. 2027 soll es seinen Betrieb aufnehmen.
Rico Siefermann, Vorstandsvorsitzender der Novellus-Holding AG, der Dachgesellschaft der Q-Fox-Gruppe, sprach vor den potenziellen künftigen Kunden davon, dass in Lahr „Ein Stück Zukunft der IT“ entstehe. Das Rechenzentrum, ein etwas größerer Zwilling der bestehenden Einrichtung in Appenweier, sichere die Wettbewerbsfähigkeit in der Region. OB Markus Ibert sprach in seinem Grußwort von einem „Meilenstein in der Entwicklung des Areals“. Noch als IGZ-Geschäftsführer habe er den Bau mitangestoßen. „Es hat ein Stück gedauert“, meinte er, doch die Freude über das Rechenzentrum war ihm anzumerken. Denn: „Die Welt wird Tag für Tag digitaler. Daten sind der Rohstoff der Zukunft.“ Und die geopolitischen Entwicklungen würden zeigen, wie groß die Herausforderung einer sicheren Datenverarbeitung sei. Auch die Stadtverwaltung Lahr sei von Konzept überzeugt und werde „einer der ersten Kunden“ sein.
Auf einer Fläche von 600 Quadratmetern werden künftig bis zu 230 sogenannte Racks Platz finden. Das sind mehr als zwei Meter hohe Serverschränke. Das Konzept ist eine Art Wohngemeinschaft: Die Systeme verschiedener Firmen befinden sich an einem zentralen Ort, teilen sich Infrastruktur wie Stromversorgung, Kühlung und Sicherheit.
Einrichtung verbraucht am Tag so viel Strom wie zwei Haushalte in einem Jahr
Ein besonderes Augenmerk lag am Dienstag auf dem Stromverbrauch – der natürlich gewaltig ist. Vor allem KI-Systeme benötigten immer mehr Energie, erläuterte E-Werk-Chef Palm. Am Tag wird das Rechenzentrum so viel Storm verbrauchen wie zwei Vier-Personen-Haushalte in einem Jahr. Wie Julian Neustöcklin, Geschäftsführer der beiden Rechenzentren in Appenweier und Lahr, erläuterte, kommt die benötigte Energie zum Teil aus der eigenen PV-Anlage, zum anderen vom E-Werk mit „100 Prozent Ökostrom“. Auch das aufwendige Kühlsystem sei sehr energieeffizient, die entstehende Abwärme wolle man in Zukunft in ein Fernwärmenetz abgeben und so zur Nutzung zur Verfügung stellen.
Vorsorge für den Notfall
Das 2027 in Betrieb gehende Rechenzentrum verfügt über hohe Sicherheitsstandards. Alle Server werden redundant mit Strom versorgt. Heißt wenn eine Verbindung ausfällt, springt eine andere ein. Zudem gibt es ein Notstromaggregat, das über die Abwärme vorgeheizt wird.