In Lahr kündigt sich der nächste Leerstand in prominenter Lage in der Innenstadt an.
„Total-Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ verkünden rote Schilder in den Schaufenstern. Bis zu 30 Prozent Rabatt sollen die Kunden locken. Schon vor der Ladenöffnung am Donnerstag um 14.30 Uhr stehen mehrere Menschen in der Marktstraße und warten darauf, die besten Schnäppchen zu ergattern. Doch die Angebote sind für viele mit Wehmut verbunden: Das traditionsreiche Juweliergeschäft Graf schließt endgültig seine Türen. Damit kommt in der Lahrer Fußgängerzone ein weiterer Leerstand hinzu – und ein Stück Innenstadtgeschichte geht verloren.
Inhaberin Claudia Benz spricht mit unserer Redaktion über den Hintergrund der Geschäftsaufgabe. Sie hatte das Familienunternehmen 2008 in vierter Generation übernommen, nachdem ihre Mutter Brigitte überraschend gestorben war. Ursprünglich hatte Claudia Benz eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert, wagte dann jedoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Um für die neue Aufgabe gerüstet zu sein, belegte sie zusätzlich mehrere Uhren- und Schmuckkurse in Pforzheim. „Ich wollte das Handwerk richtig lernen und meine Kunden kompetent beraten können“, sagt sie.
Viele Jahre sei das Geschäft gut gelaufen. „Wir hatten eine treue Stammkundschaft und waren immer gut ausgelastet“, erinnert sich Benz. Insgesamt beschäftigte sie drei langjährige Mitarbeiterinnen. Zwei von ihnen gingen nach der Corona-Pandemie in den Ruhestand, die dritte blieb dem Betrieb erhalten – bis sie im Mai vergangenen Jahres krankheitsbedingt ausfiel. Die Teilzeitkraft war seit 18 Jahren im Unternehmen tätig und ist bis heute nicht arbeitsfähig.
„Ich habe alles Mögliche versucht, aber keine passende Fachkraft in Teilzeit gefunden“, erklärt Benz. Ohne Unterstützung sei der Betrieb für sie allein nicht zu stemmen. Besonders im Weihnachtsgeschäft habe sie gemerkt, dass die Belastung zu groß sei. Deshalb habe sie die Öffnungszeiten bereits reduzieren müssen. „Alleine ist es einfach nicht machbar. Ich sehe leider keine Zukunft, das Geschäft so weiterzuführen und es gibt kein zuverlässiges Fachpersonal.“
Hätte sie eine geeignete Mitarbeiterin gefunden, wäre es weitergegangen
Schweren Herzens habe sie sich deshalb zur Aufgabe entschlossen. Hätte sie eine geeignete Mitarbeiterin gefunden, hätte sie gerne weitergemacht. Sie weiß noch nicht, an welchem Tag genau sie das Geschäft schließen wird. Benz möchte die verbleibende Ware in Ruhe verkaufen, der Räumungsverkauf wird sich voraussichtlich über mehrere Monate erstrecken.
Viele Kunden würden emotional reagieren, erzählt sie. „Das darf nicht wahr sein, jetzt machst du auch dein Geschäft zu“, hätten viele Stammkunden gesagt, berichtet Benz. Das Bedauern sei groß.
Auch Passanten stimmt das bevorstehende Aus für Juwelier Graf nachdenklich. Gerold Peuckert, gebürtiger Lahrer, der heute in Kürzell lebt, bedauert das Aus. „Ich finde es gruselig, was mit der Innenstadt passiert“, sagt er, während er sich die Auslagen betrachtet. „Lahr hat enorm an Attraktivität verloren. So viele alteingesessene Geschäfte haben inzwischen geschlossen. Es macht keinen Spaß mehr, durch die Stadt zu gehen und einzukaufen.“
Ähnlich sieht es Benz selbst. Sie fragt sich, was aus Lahr und anderen Innenstädten werden soll, wenn immer mehr kleine Fachgeschäfte verschwinden. „Das stimmt mich sehr traurig. Die Städte verlieren ihr Gesicht“, sagt sie.
Besonders wichtig ist ihr das Gebäude. Das Haus in der Marktstraße war stets im Familienbesitz, ist denkmalgeschützt und hat aus Sicht der Inhaberin einen besonderen Charme. „Das Gebäude liegt mir fast noch mehr am Herzen als das Geschäft“, betont sie. Sie hoffe auf einen Käufer, der das Haus wertschätzt und etwas Schönes daraus macht. Im Erdgeschoss ist der Laden, darüber liegen Wohnräume. Für Claudia Benz endet damit ein prägender Lebensabschnitt. „Ich höre wirklich schweren Herzens auf“, sagt sie.
Was sie künftig machen wird, weiß sie noch nicht genau. Zunächst wolle sie sich Zeit nehmen, das Kapitel Juwelier Graf in Ruhe abzuschließen. Für viele Lahrer bleibt vor allem die Sorge, dass mit dem traditionsreichen Geschäft nicht nur ein Laden verschwindet, sondern ein weiteres Stück Identität der Innenstadt.
Zwei neue Lokale in Lahr
Wandel in der Gastroszene: In Lahr eröffnen zwei neue Lokale. In der Lammstraße 15, wo bis vor ein paar Monaten das Lapislazuli war, macht am Samstag, 14. Februar, um 9 Uhr das Eles Café auf. Laut Betreiber werden guter Kaffee, ausgewählte Getränke und leckeres Essen in entspannter Atmosphäre geboten. Direkt daneben macht bereits am heutigen Samstag um 17 Uhr die Schwarzwald Lounge Bar. Laut Betreiber soll es ein neuer belebter Treffpunkt werden.