Maren Rinderspacher hat bei den Special-Olympics-Weltwinterspielen in Turin Gold und Bronze gewonnen. Dafür wurde die junge Lahrerin von Bürgermeister Guido Schöneboom geehrt. Die Stadt will selbst Spiele für Menschen mit Handicap austragen.
Rinderspacher hatte am Samstag im Slalom in ihrer Kategorie Gold geholt, nachdem sie zwei Tage zuvor im Super-G bereits zu Bronze gefahren war. Einen Eindruck dessen, was sie dabei erlebt hat, vermittelt eine Doku der ARD-Sportschau – die Aufzeichnung wurde am Dienstagnachmittag in Schönebooms Vorzimmer gezeigt, ehe nebenan in seinem Büro die eigentliche Feierstunde begann. Im Film zu sehen war eine überglückliche Maren Rinderspacher bei der Siegerehrung, die danach einem Mitglied der deutschen Delegation um den Hals fällt, worauf beide lachend im Schnee landen.
Schöneboom durfte nun das erste Mal, seit er 2010 die Leitung des Dezernats II samt Soziales, Bildung und Sport übernommen hat, eine olympische Goldmedaillengewinnerin ehren. Entsprechend versuchte er erst gar nicht, die Bedeutung des Augenblicks herunterzuspielen: Rinderspacher habe Lahr großartig vertreten, man sei „sehr, sehr stolz“ auf sie und wolle nun „einfach danke sagen“. Es war eine kleine Runde mit Rinderspachers Eltern Monika und Mark, ihrer Trainerin Johanna Rosewich sowie dem städtischen Sportkoordinator Max Walter und Amtsleiterin Senja Dewes, in deren Zuständigkeit auch der Sport fällt.
Ein Slalom-Rennen unter erschwerten Bedingungen
Bei der Feierstunde waren alle Augen auf Maren Rinderspacher gerichtet, die viele Fragen beantworten musste und natürlich auch gebeten wurde, ihren Goldlauf in den Bergen bei Sestriere zu schildern, wo die Alpin-Wettbewerbe ausgetragen wurden. Sie sei an den Start gegangen und runter gefahren, erzählte sie.
Aber es war dann doch schwieriger, Edelmetall zu holen, wie Rosewich ergänzte: Am Samstag habe es in den Bergen bei Sestriere stark geschneit, die Sicht sei „gleich null“ gewesen, man habe schon befürchtet, dass das Rennen nicht ausgetragen werden kann. Tatsächlich wurde es nach dem ersten Lauf abgebrochen, der schlechten Bedingungen wegen. Daraufhin wurden die Zeiten aus dem ersten Durchgang als Gesamtergebnis gewertet. Glück für Rinderspacher: Sie war die Schnellste gewesen und stand somit als Goldmedaillengewinnerin fest.
Das Skifahren hat sie in der Schule gelernt
Bei der Feierstunde wurde sie auch gefragt, was ihr bei den Winterspielen am besten gefallen hat. Dass sie neue Freunde gefunden habe, erwiderte die junge Frau, die in wenigen Tagen 22 wird. Spaß und Kameradschaft kamen bei den Special Olympics World Games – dem weltweit größten inklusiven Sport-Event für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung – wirklich nicht zu kurz: Monika Rinderspacher erzählte, dass sie ihre Tochter bei einer Sportübertragung im Fernsehen „tanzend durchs Bild huschen“ gesehen habe, woraufhin sie sicher gewesen sei, dass sie sich bei den Spielen wohlfühlt.
Maren Rinderspacher hat von 2018 bis 2022 die Georg-Wimmer-Schule in Lahr besucht, ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Dort setzt man auch auf die Kraft des Sports, um Menschen mit Handicap zu unterstützen und ihnen schöne Erlebnisse zu verschaffen. Johanna Rosewich, die stellvertretende Leiterin der Georg-Wimmer-Schule ist, erzählte, dass sie Rinderspachers Talent früh erkannt und gefördert habe. Das kleine Bildungszentrum im Lahrer Westen mit rund 120 Schülern bietet seinen Schülern auch Skifahren an – das ist möglich, da das Sport-Service-Fachgeschäft von Sigi Strauß in Lahr unentgeltlich Skiausrüstungen zur Verfügung stellt.
Die Qualifikation für die Weltwinterspiele in Turin hatte Rinderspacher bei nationalen Ausscheidungswettkämpfen in Todtnauberg und in Oberhof in Thüringen geschafft. Bevor es nach Italien ging, brachte sie sich in einem einwöchigen Trainingslager am Feldberg in Form. Rosewich erzählte, wie ihr Schützling und sie bei Adidas in Herzogenaurach die offizielle Teamkleidung der deutschen Delegation erhielten, dann von Zürich nach Mailand flogen. Elf Tage dauerte der Aufenthalt in Italien, sieben davon in Sestriere.
Zum Auftakt nahm die 21-Jährige am Riesenslalom teil, wo sie allerdings nach einem Torfehler ausschied. Zwei Tage später im Super-G lief es schon viel besser, sie fuhr zu Bronze. Nach diesem Erfolg hätten sie und Rinderspacher bereits „etwas geweint“, erzählte Rosewich. Als es zwei Tage später sogar die Goldmedaille wurde, sei es so richtig emotional geworden: Die Sportlerin und ihre langjährige Trainerin vergossen viele Freudentränen, war nun zu hören.
Sportlerin und Trainerin haben noch einiges vor
Die engagierte Pädagogin betreut Rinderspacher, auch nachdem die die Georg-Wimmer-Schule verlassen hat. Heute ist die 21-Jährige aus Mietersheim in den Lahrer Werkstätten beschäftigt, wo es nach ihrer Rückkehr ihr zu Ehren ebenfalls einen Empfang gab, wie sie am Dienstag ein wenig verlegen erzählte.
Rosewich und Rinderspacher sind ein eingespieltes Duo, das bereits zu einigen Wettkämpfen gereist ist. Die Goldmedaille in Turin ist nun logischerweise ihr größter Erfolg – aber es soll nicht der letzte gewesen sein: Nicht nur bei Winterwettkämpfen, sondern auch im Sommer wollen die beiden künftig antreten. Rosewich plant schon für die regionalen Sommerspiele in Heilbronn/Neckarsulm und für die nationalen Special Olympics in diesem Jahr. Dort wird Rinderspacher beim Radrennen mitmachen – denn Fahrradfahren kann sie ebenfalls sehr gut, ebenso wie Schwimmen und Turnen, war zu erfahren.
Es war eine gelungene Feier im Büro von Schöneboom, dem wie den beiden anderen Vertretern der Stadt die Freude über Rinderspachers Erfolg anzumerken war. Alle bewunderten ihre Medaillen. Und natürlich gab es Geschenke: Die Athletin und ihre Betreuerin erhielten feine Schokolade, Gutscheine für einen Sportfachhandel und gerahmte Bilder, sie sie beide in inniger Umarmung in Sestriere zeigen, dazu der Schriftzug: „Die Stadt Lahr gratuliert herzlich zu deinem Erfolg.“