Schlange stehen für die Impfung. Foto: Fritsch

343 Menschen erhielten am Samstag eine Corona-Impfung im Nagolder Bürgerzentrum, das sich an diesem Tag quasi in ein Popup-Impfzentrum verwandelte. Das Team des Landkreis-Impfmobils sowie die Helfer der Nagolder Urschelstiftung und des Stadtseniorenrates hatten dabei im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun.

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Nagold - Bereits über zwei Stunden vor dem Startschuss der Impfungen standen die ersten Impfwilligen vor dem Bürgerzentrum, und anschließend bildete sich immer wieder eine lange Schlange bis hoch zum Gerichtsplatz. Kein Wunder, dass sich der eine oder andere auf eine längere Wartezeit eingestellt hatte – und einen Klappstuhl mitgebracht hatte oder in einem Buch schmökerte. Während der rund fünfstündigen Aktion erhielten 122 Personen eine Erstimpfung, 28 eine Zweitimpfung und 193 eine Booster-Impfung.

Sehr geduldige Impfwillige

Trotz Wartezeiten von bis zu drei Stunden "waren die Impfwilligen sehr geduldig und diszipliniert", wie Werner Baumeister mit Blick auf das Verständnis der Wartenden betonte. Gleichzeitig bedauerte der stellvertretende Vorstandssprecher der Urschelstiftung es, dass jetzt rund 50 Personen unverrichteter Dinge weggeschickt werden mussten, nachdem das Impfmobil am Nachmittag bereits an seiner nächsten Station in Schömberg erwartet wurde – und ohnehin schon länger in Nagold verweilte, als ursprünglich vorgesehen.

"Kaum zu bewältigen"

"Das ist hier schon Premium und die Leute von der Urschelstiftung sind super", erklärte Claudia Dürr als organisatorische Leiterin des Impfmobils am Rande des Geschehens. Denn hier im Bürgerzentrum gab es für sie und ihr Team eine "tolle Unterstützung, die wir sonst so nicht haben – und das macht das Ganze angenehmer". Allerdings wusste sie bereits eine gute Stunde nach Impfbeginn, dass "dieser Ansturm kaum zu bewältigen ist". Vor diesem Hintergrund machte Claudia Dürr deutlich, wie wichtig es wäre, wenn die Hausärzte mehr abfedern könnten.

Eisseler: "Wir bürokratisieren uns zu Tode"

"Die Location ist ideal, weil ein groß Teil der Wartenden im Trockenen stehen kann", erklärte Thomas Eisseler. Nicht gefallen hatte dem Vorstandssprecher der Urschelstiftung allerdings die Bürokratie beim Impftermin. "Wir bürokratisieren uns zu Tode – und wenn die Impfgeschwindigkeit erhöht werden soll, muss dieser Aufwand reduziert werden", ist für Thomas Eisseler klar, dass mit dem ganzen Dokumentationsaufwand wertvolle Zeit vergeudet wird. Mit Blick auf die bedrückende Entwicklung des Infektionsgeschehens müsse man sich schon Gedanken darüber machen, wie das Procedere vereinfacht werden kann. "Ohne den großen Dokumentationsaufwand könnte ein Drittel mehr Leute geimpft werden", ist der Vorstandssprecher überzeugt.

Initiative der Urschelstiftung

Wie Werner Baumeister in Erinnerung rief, war die Initiative für das Popup-Impfzentrum von der Urschelstiftung ausgegangen. "Wir haben uns in der Coronakrise von Anfang an engagiert", erinnerte der stellvertretende Vorstandssprecher an den zusammen mit dem Stadtseniorenrat auf die Beine gestellten Impftermin-Service im Frühjahr. Damals wurden rund 250 Impftermine für Nagolder Senioren organisiert. "Das war die Zeit, als es viele Impfwillige gab und wenig Impfstoff", so Werner Baumeister – der zugleich den Eindruck hat, dass sich die Situation zwischenzeitlich eher ins Gegenteil verkehrt habe.

Eine Urschelwaffel gibt’s dazu

Vor diesem Hintergrund hatte es sich die Urschelstiftung zum Ziel gesetzt, Impfwillige zu mobilisieren und zugleich das Bürgerzentrum als Popup-Impfzentrum anzubieten. Beim Landratsamt rannte man mit diesem Vorschlag offene Türen ein – und so konnte das Impfmobil jetzt Station in der Nagolder Stadtmitte machen, während die Urschelstiftung auf allen Kanälen die Werbetrommel für den Impftermin rührte. "Wir stehen bereits in Verhandlungen mit den Verantwortlichen wegen weiterer Termine", machte Werner Baumeister deutlich, dass man sich eine Fortsetzung des Impfangebots im Bürgerzentrum sehr gut vorstellen kann. Und ein besonderes Schmankerl gibt es hier natürlich auch: Jeder Geimpfte erhielt eine Urschelwaffel, die von der Bürgerstiftung in normalen Jahren beim Urschelherbst serviert werden. "Wir sind da eben flexibel und machen aus allem das Beste", erklärte Werner Baumeister.