Stefan Ott aus Grosselfingen hofft auf eine Stammzellenspende.  Foto: Familie Ott

Stefan Ott aus Grosselfingen ist auf eine Stammzellenspende angewiesen. Wir haben mit Annika Schirmacher von der DKMS gesprochen und gefragt, wie genau eine Stammzellenspende überhaupt abläuft, wer als Spender in Frage kommt und wie groß die Chance ist, einen passenden Spender zu finden.

Grosselfingen - Stefan Ott aus Grosselfingen sucht seinen genetischen Zwilling und hat ihn noch nicht gefunden. Deshalb ruft die Deutsche Knochenmarkspenderkartei (DKMS) weiterhin dazu auf, sich online registrieren zu lassen und den Wangenabstrich per Post zurückzuschicken. Annika Schirmacher von der DKMS betreut die Aktion, die Stefans Leben retten soll. Im Interview berichtet sie, warum ihre Organisation auf Geldspenden angewiesen ist, wie eine Stammzellenspende abläuft und ob es dabei Risiken gibt.

 

Wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?

Grundsätzlich kommt jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilo wiegt, als Spender in Frage. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Erkrankungen wie beispielsweise Rheuma, fast alle Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D.

Wer sich registriert, schickt einen Wangenabstrich zurück. Wonach wird dieser untersucht?

Bei einer Typisierung werden die Gewebemerkmale bestimmt. Die Befunde werden anschließend anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Die Aufnahme in die DKMS kostet 35 Euro. Wofür wird das Geld benötigt?

Die Bestimmung der Gewebemerkmale ist eine sehr aufwendige und damit teure Laboruntersuchung, so dass der DKMS für jede Neuaufnahme inklusive Typisierung, Material, Logistik und Personal- Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht. Nach einer anfänglichen Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit und die Deutsche Krebshilfe ist die DKMS seit Ende 1994 für den Ausbau der Datei finanziell auf sich gestellt. Die Spenderneugewinnung wird seitdem über Privat- und Firmenspenden finanziert. Jeder Euro, der an die DKMS gespendet wird, trägt dazu bei, die Überlebenschancen für Patienten zu verbessern.

Wie groß ist die Chance, einen passenden Spender zu finden?

Bei häufigen Merkmalskombinationen kann ein Spender unter 20 000 gefunden werden. Bei seltenen Gewebemerkmalen findet sich eventuell unter mehreren Millionen kein passender Spender.

Was geschieht mit den Proben, die abgegeben werden?

Alle bei der DKMS eingehenden Proben werden im Labor analysiert. Entscheidend für eine erfolgreiche Übertragung der Stammzellen ist die Übereinstimmung von mindestens acht Gewebemerkmalen zwischen Patient und Spender. In unserem Labor werden bei allen neu aufgenommenen Spendern 12 Gewebemerkmale bestimmt. Durch diese hochauflösende Typisierung wird der Spendersuchlauf deutlich verkürzt.

Gesetzt den Fall, die HLA-Merkmale eines Spenders stimmen mit denen eines Patienten überein. Was geschieht danach?

Kommt man als Spender für einen Patienten in Frage, kommt es zu einer Bestätigungstypisierung. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der potenzielle Spender endgültig entscheiden muss, ob er für den Patienten zur Verfügung stehen will. Wenn er zustimmt, wird bei ihm ein gründlicher Gesundheits-Check-up durchgeführt. Die bloße Registrierung bei der DKMS beinhaltet zunächst nicht die bindende Verpflichtung zu einer tatsächlichen Stammzellspende. Denn oft kommt es erst nach Jahren zu einer Anfrage für eine Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände (z.B. Krankheiten) eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen.

Muss sich der Spender auf einen längeren Krankenhausaufenthalt gefasst machen?

Nur bei der Knochenmarkentnahme ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, der etwa 2-3 Tage dauert. Die periphere Stammzellspende wird ambulant durchgeführt und dauert in der Regel vier Stunden.

Was sind die Anzeichen für einen Erfolg einer Stammzelltransplantation?

Nach etwa zwei bis vier Wochen gibt der Anstieg der weißen Blutkörperchen erste Anhaltspunkte dafür, ob die neuen Stammzellen ihre Aufgabe aufgenommen haben und – wie gewünscht – gesunde Blutzellen bilden. Ist beim Patienten ein stetiger Anstieg weißer Blutkörperchen nachweisbar ist, steigt auch seine Chance auf ein zweites Leben.

Welche Risiken gibt es bei der Stammzellentnahme?

Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz. Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt.

Welches Krankenhaus entnimmt dem Spender Stammzellen?

Die DKMS kooperiert mit ausgesuchten und routinierten Entnahmezentren. Die gesamte Reiseabwicklung inklusive Unterkunft übernimmt die DKMS für ihre Spender. Dem Spender entstehen keine Kosten.

Info:

Bisher haben sich rund 1360 Personen für Stefan bei der DKMS registriert. Wer auch mithelfen will, das Leben des 17-Jährigen zu retten, kann sich unter www.dkms.de/stefan anmelden.