Meister der Bezirksklasse Zollern in der Saison 1949/50: Sebastian Beck (stehend), Josef Fahrner, Andreas Volm, Johann Beck, Heinrich Volm; Christian Dehner (Mitte), Johann Dehner, Andreas Dehner; Xaver Lörch (vorne), Stefan Pflumm, Heinrich Beck. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Sport: Grosselfinger Fußballer feiern vor genau 70 Jahren Meisterschaft in der Bezirksklasse Zollern

In diesem Jahr feiert der FC Grosselfingen sein 110-jähriges Bestehen und wäre eigentlich ab Donnerstag Ausrichter des Hohenzollernpokalturniers gewesen. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Ein Rückblick auf die Meisterschaft 1950 und die Gründung.

Grosselfingen. 1950, also fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, feierten die Grosselfinger Kicker einen großen Erfolg und damit ihre erste Meisterschaft. Sie wurden nach einer furiosen Aufholjagd mit 29:11-Zählern mit einem Punkt Vorsprung vor dem FC Pfeffingen Meister der Bezirksklasse Zollern. Früher gab es noch keine Ersatzspieler, somit mussten alle elf Spieler durchspielen oder einen Ausfall mit vereinten Kräften kompensieren.

Damals gab es nicht wie heute eine lange Winterpause, sondern es wurde bereits am 22. Januar wieder gekickt. Mit einem Heimspiel gegen den späteren Tabellendritten FC Onstmettingen hätte es weitergehen sollen, doch die Partie fiel aus, weshalb das Spitzenspiel gegen den FC Pfeffingen am 29. Januar gleich ein richtiger Kracher war. Zu diesem Zeitpunkt war Bodelshausen (wurde am Ende Fünfter) noch Erster und Grosselfingen Zweiter. Der FCG siegte mit 2:1, unsere Zeitung schrieb damals, dass die Partie "im Zeichen des Kampfes stand." Obwohl Pfeffingen mehr vom Spiel hatte, gingen die Grosselfinger als Sieger vom Platz, weil die Pfefferinger Angriffe "an der zähen Gästeabwehr" scheiterten. "Durch einen seinen wenigen, aber gefährlichen Vorstöße kam Grosselfingen zum Siegtreffer", heißt es weiter.

Bodelshausen mit einer ordentlichen Packung nach Hause geschickt

Ans Eingemachte ging es dann am 12. März 1950, als der VfB Bodelshausen in Grosselfingen zu Gast war. Als "eine der wichtigsten Begegnungen der Saison" wurde die Partie in unserer Zeitung am Tag davor angekündigt. Mit 4:0 fegte der FCG, der zwischenzeitlich Tabellenführer war, die Gäste vom Platz. "Nach der Pause lief Grosselfingens Angriffsmaschine auf vollen Touren und in kurzen Abständen fielen vier schöne Tore", wurde damals berichtet.

Mit einem 1:1 gegen Onstmettingen im Nachholspiel machte es der FCG wieder spannend. Beide Teams lieferten sich "ein Spiel voller Spannung und Temperament", dabei wurde ein FCG-Tor wegen "beiderseitigem Foul" annulliert. Doch mit einem 9:0-Kantersieg gegen das sieglose Schlusslicht Binsdorf, dessen Angriffe an der "schlagsicheren Abwehr Grosselfingens" stecken blieben, bog die Kicker wieder in die Erfolgsspur ein. Nach dem 0:0 im Nachholspiel in Gammertingen war die Meisterschaft perfekt. Nun stand die Aufstiegsrunde zur Landesliga an, hier ging es für den FCG zunächst gegen den späteren Aufsteiger FV 08 Rottweil (2:2).

Am 3. Juni wurde das Stiftungsfest zum 40-jährigen Bestehen des Fußballclubs gefeiert. Mit "die überragende Stellung, die der Fußballsport seit dem Wiederaufleben der Rasenspiele einnimmt, hat ihm naturgemäß die meisten Anhänger zugetrieben" begann die damalige Vorschau. Dabei wird auch erwähnt, dass der Verein am 3. Juli 1910 von 26 Mitgliedern, die sich einigten, "künftig dem aus der Kreisstadt bekanntgewordenen Fußball zu huldigen", gegründet wurde. Angestoßen hatte alles Karl Mößmer, der auch erster Vorsitzender wurde. Auf dem "Alten Berg" über dem Heimatdorf entstand damals der erste Sportplatz. Er wurde als "idyllisch, aber nicht ideal gelegen" bezeichnet. Ab 1938 wurde auf den Weiherwiesen gekickt, "da die älter gewordenen Sportfreunde nicht mehr gerne den Berg herauf kletterten." Beim Festakt wurde das Gründungslied "O wonnevolles Fußballspiel" gesungen.

Karl Mößmer hieß der erste Vorsitzender bei der Gründung 1910

Nach den Feierlichkeiten wurde die Aufstiegsrunde fortgesetzt. Dort ging es neben Rottweil auch noch gegen die SpVgg Freudenstadt, den FC Calmbach und FC Rottenburg. Nach vier Spielen standen nur drei Punkte auf der Habenseite, während Rottweil schon acht Zähler aus fünf Partien ergattert hatte. Somit rückte der Aufstieg schnell in weite Ferne. Der FC Grosselfingen trat also weiterhin in der Bezirksklasse an, in der der FV Bisingen aufgestiegen war. Mit einer erneuten Meisterschaft wurde es in den folgenden zwei Spielzeiten nichts, es sprangen nur Mittelfeldplätze heraus. Dafür nahm der FCG 1952/53 mit 95 erzielten Toren und nur drei Minuspunkten wieder den Platz an der Sonne ein.

Abermals scheiterte der FC Grosselfingen jedoch in der Aufstiegsrunde. Der Traum von der Landesliga, die inzwischen II. Amateurliga hieß, sollte ein paar Jahre später schließlich wahr werden. Mitte der 1960er-Jahre spielte der FC Grosselfingen für ein Jahr überbezirklich.

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