Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Grosselfingen Über die Vorkoster unter den Ratten

Von
Wer ihn beauftragt, muss sich nicht schämen: Schädlingsbekämpfer Thorsten Haug.Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Grosselfingen. Zum heutigen Tag des Gesundheitsschädlings haben wir mit Thorsten Haug, einem Schädlingsbekämpfer aus Grosselfingen, über seine Arbeit gesprochen. Eine wichtige Botschaft vorneweg: Schämen muss sich niemand für die kleinen Viecher.

Was waren die Einsätze, bei denen Sie sich am meisten geekelt haben?

Wenn ich mich stark ekeln würde, könnte ich diesen Job nicht machen. Als ich kürzlich ein Lattenrost ausklopfte und Bettwanzen herauskamen, war der Geruch schon ziemlich unangenehm. Die Tochter des Hausbesitzers hatte die von einem Aufenthalt im Schullandheim mitgebracht. Ein anderer Einsatz, bei dem mir der Gestank in Erinnerung geblieben ist, war in einem von Ratten befallenen Vereinsheim.

Wie kommt man dazu, Schädlingsbekämpfer zu werden?

Mich hat das schon immer interessiert – und die nebenberufliche Tätigkeit ist für mich eine gute Abwechslung zu meinem hauptberuflichen Job als Mikrotechnologe bei Bosch in Reutlingen, wo ich in einem sehr sterilen Umfeld arbeite.

Und wie qualifiziert man sich für den Job?

Ich habe lange nach einer Ausbildungsmöglichkeit gesucht und habe dann bei Martin Felke am Institut für Schädlingskunde in Hessen Schulungen und Seminare besucht. Die Dauer der Ausbildung kommt darauf an, worauf man sich spezialisieren will – neben den Grundkursen gibt es ganz unterschiedliche Spezialisierungen, zum Beispiel auch für die Tatortreinigung. Das erlangte Wissen wird dann von Veterinären praktisch und theoretisch getestet, bevor man das Zertifikat erhält. Wer sich um die Beseitigung von Wirbeltieren kümmern will, muss eine staatliche Prüfung ablegen und ein polizeiliches Führungszeugnis ablegen.

Wo halten sich Schädlinge auf?

Schädlinge können genauso in einem Drei-Sterne-Restaurant vorkommen wie in einer privaten Wohnung. Natürlich haben sie in einer sogenannten Messiewohnung ein größeres Angebot und vermehren sich schneller – ein Schlupfloch im Gebäude oder eine Person, die sie mit hereinschleppt, reichen aber aus, um von Schädlingen befallen zu werden.

Welche Rolle spielt bei Kunden, die sich an Sie wenden, die Scham?

Eine große Rolle. Die Werbung, die an meinem Einsatzwagen steht, ist deshalb abnehmbar. Die meisten Kunden wollen nicht, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Schädlingsbekämpfer kommt. Dabei spielt ein ganz großes Stück Pech eine Rolle, nicht nur Hygiene. Ich wurde auch schonmal in einem ganz modernen Neubau aktiv – die Bauarbeiter hatten einfach eine Schlitz offen gelassen, durch den die Ratten ins Haus gedrungen waren.

Stimmt es, dass Ratten sehr intelligent sind?

Sie haben ein ausgeklügeltes System: Innerhalb eines Rattenverbandes gibt es sogenannte Vorkoster, das sind jüngere Tiere, die überprüfen, ob ein Köder unbedenklich ist. Nur, wenn die nach zwei oder drei Tagen noch leben, frisst auch der Rest des Verbandes von dem Köder. Das ist der Grund, weshalb Rattengift erst stark zeitverzögert wirkt – so können die Tiere nämlich keinen Zusammenhang zwischen dem Köder und den toten Tieren herstellen.

Wie sieht es mit dem Tier-und Umweltschutz aus?

Natürlich gibt es in meinem Beruf ein paar Schwarze Schafe – bei mir aber kommt die Chemiekeule immer erst als letztes zum Einsatz, wenn nichts anderes hilft. Die Umwelt, insbesondere Gewässer, sollen nicht unnötig belastet werden. In vielen Fällen stelle ich auch Lebendfallen auf, sodass die Tiere hinterher unbeschadet in einer weit entfernten Umgebung wieder frei gelassen werden können. Inzwischen wissen die meisten Leute auch, dass Hornissen beispielsweise unter Naturschutz stehen und deren Nest nur nach behördlicher Genehmigung und von Fachleuten entfernt und umgesiedelt werden darf.

Was sollte man beachten, wenn man Sie ruft?

Manche Leute fangen an, die Abstellkammer aufzuräumen, bevor der Schädlingsbekämpfer kommt. Das sollte man lieber lassen – denn wenn die Tiere das mitbekommen, verkriechen sie sich erstmal und sind für mich schwieriger zu kriegen. Und wie bereits gesagt: schämen muss sich niemand, Schädlingen können überall mal einziehen, da reicht ein kleiner Spalt im Mauerwerk.

Gibt es trotzdem Dinge, die man im Haushalt beachten kann, um Schädlinge möglichst fernzuhalten?

Die gelben Säcke sollten in möglichst dichten Behältern aufbewahrt werden. Um Energie zu sparen wird ja davon abgeraten, die Behältnisse auszuwaschen – für Ratten sind die aber eine Einladung, wenn sie offen im Garten herumliegen. Und Essensreste sollten nicht im Klo heruntergespült werden, denn auch dadurch werden durch die Kanalisation Ratten angezogen. Viele Leute halten übrigens die Stubenfliege für harmlos, dabei kann sie zahlreiche Krankheiten übertragen. Man sollte Essen nach Möglichkeit nicht frei herumliegen lassen.  Die Fragen stellte Lena Witte.

Artikel bewerten
2
loading

Ihre Redaktion vor Ort Hechingen

Klaus Stopper

Fax: 07471 9874-21

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.