An der Grosselfinger Ortsdurchfahrt wird absehbar weiterer Wohnraum geschaffen. 17 Wohnungen sollen dort entstehen. Foto: Sabine Hegele

Wohnen mitten im Ort – das ist in Grosselfingen im ehemaligen Gesellenhaus bald möglich. Die Fertigstellung des Millionenprojekts ist absehbar.

Vor einem halben Jahr gab sich Grosselfingens Bürgermeister Friedbert Dieringer zuversichtlich, dass das ehemalige Gesellenhaus am Marktplatz nach seiner umfangreichen Kernsanierung noch dieses Jahr bezugsfertig sein wird.

 

Fertigstellung verspätet sich Das klappt nun doch nicht – wofür der Rathauschef aber vollstes Verständnis hat: Reiner Schöne, der die Immobilie von der Gemeinde erworben hat und die Sanierungsarbeiten mit seinem Team aus der eigenen Zimmerei und Dachdeckerei in Roßwangen „wuppt“, habe in den zurückliegenden Monaten immer wieder auch Aufträge abgewickelt, mit denen er Geld verdienen konnte – das Gesellenhaus indes ringe dem Investor große Ausgaben ab.

Dieringer trotzdem froh Dass das über 100 Jahre alte Gebäude erst nächstes Jahr bezogen werden kann, schmälert Friedbert Dieringers Vorfreude nicht. Nicht nur, weil es den Marktplatz in seiner Optik bereits gehörig aufwertet, sondern vor allem deshalb: „Der Investor schafft hier, mitten im Ort, neuen attraktiven Mietwohnraum – heutzutage mit das wichtigste für eine Kommune.“

Wohnungen gebaut Im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss des ehemaligen Gesellenhauses wurden je zwei Wohnungen ausgebaut, die alle zwischen 80 und 100 Quadratmeter groß sind. Dazu kommen Kellerräume und Lagerflächen unterm (neuen) Dach. Die Wohnungen im Erdgeschoss verfügen über Terrassen, die Geschosswohnungen über überdachte Balkone – allesamt ausgerichtet ins Grüne, auf den Dalbach.

Innenausstattung dran Der Trockenbau ist fertig, die Zwischenwände sind gezogen, die Sanitärinstallation und die Fenster sind drin, der Estrich ist gelegt und die Elektrik ist größtenteils verlegt.

Im nächsten Schritt geht‘s an die Innenausstattung, an die Böden, an die Fliesenarbeiten und an die sanitäre Möblierung. Die Fertigstellung liegt also nicht mehr in weiter Ferne.

Nachfrage ist groß Das wird die Interessenten freuen, denn ja: Die Nachfrage ist groß. Zumal die Mietwohnungen ausnahmslos alle „richtig schön und lichtdurchflutet“ sind.

Das Angebot an neuem Mietwohnraum mitten in Grosselfingen passt zur Philosophie der Gemeinde: „Grosselfingen soll gesund wachsen.“ Bevorzugt im Sanierungsgebiet zwischen Hainburgstraße und Bisinger Straße, also im ältesten Teil der Kommune. Neuen Wohnraum im Bestand zu schaffen, wird aktiv unterstützt.

Weiteres Gebäude entsteht An der Ortsdurchfahrt entsteht absehbar ein weiterer Wohnkomplex – mit 17 Einheiten. Die zu bebauende Fläche ist vorbereitet. Bauen wird dort das Junginger Unternehmen Denkinger.

Noch einmal zurück zum „gesunden Wachsen“. Das wird von Grosselfingen auch in gewerblicher Hinsicht angestrebt. Nicht von ungefähr werden im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten Gewerbegrundstücke aufgekauft (und wieder veräußert). Auch damit stellt sich die Kommune insgesamt breiter auf.

Finanzen im Blick Nicht aus den Augen verloren werden die Finanzen. Richtig ist, sagt Bürgermeister Dieringer, dass Grosselfingen nach wie vor „gut aufgestellt“ sei, aber „gleich mal vier oder fünf Millionen Euro investieren? Das können wir nicht!“ Auch mit dem Blick darauf sei das ein oder andere Wunschvorhaben nicht realisierbar, zumindest mittelfristig nicht. Der Rathauschef schiebt nach: „Nice-to-have-Geschichten sind für uns nicht mehr leistbar.“

Pflichtaufgaben stehen an Wie für alle anderen Kommunen auch gelte es, den Pflichtaufgaben gerecht zu werden. An erster Stelle nennt Friedbert Dieringer hier den Kläranlagenanschluss nach Haigerloch; gleichauf steht im nächsten Jahr im Rahmen der Kanalsanierung der letzte von fünf Bauabschnitten. „Danach sind wir durch mit der Eigenkontrollverordnung“, freut er sich. Und macht noch einmal deutlich: „In Grosselfingen wird priorisiert. Wir gehen ein Projekt nach dem anderen an – nicht parallel.“

Gesellenhaus

Geschichte
Das Gesellenhaus, erbaut in den 1920er-Jahren, war eigentlich ein Gesindehaus (weil dort in seinen Anfängen Gastarbeiter untergebracht waren). Mal diente es zum Wohnen, mal war im Erdgeschoss ein Nähsaal untergebracht. Eigentümer war mal die Kirche und mal die Gemeinde. Letztere hatte dort in der Vergangenheit ihren Bauhof und die Freiwillige Feuerwehr untergebracht. Der Verkauf des Gebäudes an den Investor Reiner Schöne fiel in die Amtszeit von Friedbert Dieringer. Mit ihm wird ein Millionenprojekt Realität, das die Gemeinde selbst nicht hätte realisieren können.