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Heinz und Adelgunde Eichert züchten Brieftauben und nehmen mit Erfolg an Wettbewerben teil

Sollte das Telefon unterwegs mal nicht funktionieren, muss Heinz Eichert aus Grosselfingen sich wohl keine Sorgen machen, denn er hat rund 200 Brieftauben. Die Tiere wurden ursprünglich dazu gezüchtet, um Nachrichten nach Hause zu tragen – und schön sehen sie auch noch aus.

Grosselfingen. Für viele ist es ein eher ungewöhnliches Hobby – Heinz Eichert wurde es sozusagen in die Wiege gelegt. "Mein Vater hatte bereits Tauben, und als ich zehn Jahre alt war, bin ich mit zum Bisinger Brieftaubenverein gekommen". Der Grosselfinger Verein, dessen Vorstand er inzwischen ist, wurde im Jahr 1956 gegründet und hat Mitglieder im ganzen Zollernalbkreis. Genauso wie andere Tiere entwickeln auch Tauben eine Beziehung zu ihren Menschen: "Es gibt Tiere, die sehr zutraulich sind und sich auf den Kopf oder die Schultern ihrer Besitzer setzen", erzählt Eichert.

Wer Tauben züchten will, benötige vor allem viel Platz, erzählt der 72-jährige Mechaniker im Ruhestand. Und ein passendes Umfeld: "Wir haben Glück mit unseren Nachbarn, die wissen, dass das mein Leben ist und stören sich nicht an den Tieren", sagt Eichert. Einen Grund zur Sorge müssen sie ohnehin nicht haben: "Die Tiere lassen sich für gewöhnlich nur auf ihrem eigenen Schlag nieder", ergänzt Ehefrau Adelgunde Eichert. Nur junge Tiere kundschaften ab und zu auch fremde Dächer aus.

Bereits seit 62 Jahren betreibt Eichert den Brieftaubensport – und dafür hat er einiges an Zeit investiert. Die Schläge hinter ihrem Haus etwa hat er gemeinsam mit seiner Frau gebaut. Dass es den grazilen Tieren gut geht, ist dem Ehepaar besonders wichtig: "Wir achten stark darauf, dass die Schläge nicht überbelegt sind", so Eichert. Die Jungtauben haben Sitzgelegenheiten und die Zuchttiere haben einzelne, geräumige Zellen.

Die beiden verbringen etwa vier Stunden täglich damit, die Schläge zu reinigen und die Tiere zu versorgen. Und tun alles dafür, sie vor Angreifern zu schützen. "Zwischen September und März bleiben die Tauben in ihren Schlägen oder in Volieren – die Gefahr durch Raubvögel ist in dieser Zeit zu groß", so der Grosselfinger – in einem Jahr hatte das Ehepaar aber besonderes Pech: " 2008 kamen mir durch Raubvögel etwa 20 Tauben abhanden", sagt Eichert. Und das, obwohl die Tiere schlau sind und das Jagdverhalten ihrer Feinde genau beobachten: "Wenn der Habicht kommt, fliegen sie los und wenn der Wanderfalke kommt, bleiben sie sitzen", erklärt Eichert.

Der Grosselfinger ist unter Taubenzüchtern gut bekannt – die Tiere werden untereinander verkauft, manchmal auch, je nach Bedarf, getauscht. Und auch so manch eine Freundschaft hat sich aus den Wettbewerben entwickelt: "In 22 Ländern befinden sich Tauben von uns", sagt Adelgunde Eichert stolz.

Auf manche Küken ist das Ehepaar besonders stolz

Und auf manche Küken ist das Ehepaar besonders stolz: "Diese Küken stammen ab von einer Schwester von Halover", berichtet Eichert strahlend und präsentiert die jungen Tiere. Und Halover hat bei einem der größten Rennen, dem Million Dollar Pigeon Race in Südafrika, den ersten Platz belegt. Der Züchter Karl Ziefle, der inzwischen verstorben ist, erhielt ein Preisgeld in Höhe von 125 000 Dollar.

Die Küken verdoppeln bereits am ersten Tag ihr Gewicht und erhalten mit sechs Tagen einen Verbandsring, auf dem die Vereinsnummer, der Jahrgang und eine laufende Nummer registriert sind. Und jede Taube verfügt über eine Abstammungsurkunde.

Mit den städtischen Tauben haben die Zuchtexemplare übrigens wenig zu tun, wie Eichert betont: Stadttauben sind kleiner, haben einen spitzen Schnabel und sind nistplatz-und standorttreu. Eine auf Leistung gezüchtete Brieftaube verirrt sich nur selten in die Stadt, da sie für gewöhnlich wieder in ihren heimischen Schlag kommt, und auch eine Stadttaube würde sich nie in einen Brieftaubenschlag wagen.

Die Züchter betreiben viel Aufwand, um die Tauben auf Wettbewerbe vorzubereiten. "Die Tauben bekommen ein spezielles Futter, das aus unterschiedlichen Körnern besteht – genauso wie ein Profisportler", so Eichert. Auch werden die Tiere geimpft und regelmäßig überprüft: "Ein krankes Tier würde nie auf den Flug geschickt", sagt Adelgunde Eichert – die Angst, die Tiere könnten Krankheiten übertragen, ist im Falle der für gewöhnlich regelmäßig geimpften Brieftaube also unbegründet.

Ab dem Frühjahr dürfen die Tiere dann nach draußen. "Die Tauben werden nach und nach antrainiert, sodass sie Muskeln aufbauen und ihren Orientierungssinn trainieren können", erklärt Eichert. Das Training starte in Etappen zwischen zehn und 100 Kilometern – und bei den Wettbewerben werden dann zwischen 120 und 620 Kilometer zurückgelegt. Dazu werden die Tauben in belüfteten, großen Boxen von ihren Besitzern zur Einsatzstelle gebracht, wo sie auch anhand ihrer Ringe erfasst werden. Auf dem Auflassplatz werden sie dann freigelassen – der genaue Zeitpunkt ist von der Wetterlage abhängig.

In ihrem heimischen Schlag angekommen, werden die Tauben wieder mittels einer Antenne erfasst, sodass ihre Fluggeschwindigkeit gemessen werden kann. "Es wird ausgewertet, wie viele Meter die Tauben pro Minute zurücklegen", so Eichert.

Und alle zwei Jahre findet eine Olympiade statt – in jeweils unterschiedlichen Ländern. Das Grosselfinger Ehepaar war auch schon dabei: "Im Jahr 1985 haben wir uns mit einer Taube für die Teilnahme an der Olympiade in Portugal qualifiziert – das deutsche Team erreichte den dritten Platz", erzählt Eichert stolz.

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