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Grosselfingen Die Tiere respektieren

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Sibylle Roller-Karsch erklärte den Gästen, wie Schweine nach dem "Hoflgück"-Prinzip gehalten werden. Foto: Frank

Wie Schweinehaltung nach den Regeln des Tierschutzbundes funktioniert, konnten Besucher am Freitag im Rahmen der kreisweiten Veranstaltungsreihe "Gläserne Produktion" in Grosselfingen kennenlernen.

Grosselfingen. Jede Menge Ferkel tummeln sich in einem Stall, spielen und ärgern sich gegenseitig ein bisschen. Doch als die große Besuchergruppe an den Stall herantritt, gilt die Aufmerksamkeit ganz ihr – viele der kleinen Schweine stürmen nach vorne an das Gitter. Diese "Schweine-WG" ist nur eine der Besonderheiten auf dem Grosselfinger Lindenhof, der sich am Freitag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Gläserne Produktion" präsentierte.

Sibylle Roller-Karsch führte die Besucher über den Hof. Seit zwei Jahren arbeitet Familie Karsch mit der Marke "Hofglück" von Edeka zusammen. Edeka garantiert einen Festpreis für das Fleisch für die nächsten zehn Jahre. Diese Zusammenarbeit bietet dem Hof einige Möglichkeiten, die er sonst, auch aus finanzieller Sicht, wohl nicht hätte.

In der konventionellen Schweinehaltung werden die Ringelschwänze meist kupiert, da die Tiere sich sonst gegenseitig in den Schwanz beißen würden. Auf dem Lindenhof ist das nicht nötig – warum? "Man kann das Schwanzbeißen dadurch unterbinden, dass die Schweine immer auf sauberem Stroh stehen und stets frisches Wasser haben." Einige Besucher sind von den Ferkeln ganz verzückt. "Darf man die streicheln?", fragen sie aufgeregt. Darf man.

Auf dem Hof wird nach den Richtlinien des deutschen Tierschutzbundes gearbeitet. Kastriert werden dürfen Schweine nur mit Betäubung, zusätzlich wird ihnen einen Mittel gegen die Schmerzen danach verabreicht. Neben der bereits erwähnten Haltung auf Stroh haben die Tiere auch mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben. Bei der Fütterung wird auf gentechnisch veränderten Sojaschrot verzichtet – stattdessen bekommen die Schweine eine hofeigene Futtermischung aus Getreide, gentechnikfreiem Soja und Mineralfutter.

Doch auch "heiklere" Fragen kamen bei dem Rundgang auf. Werden den Ferkeln zum Beispiel die Zähne abgeschliffen? Nur im "Notfall", berichtet Roller-Karsch, wenn es bei der Muttersau Streit um Zitzen gibt. Eine Besucherin möchte wissen, wie es denn um "Nottötungen" steht, davon habe sie schon öfter gehört. Als Schweinehalter bemühe man sich natürlich, jedes Tier durchzubringen, erklärt Roller-Karsch. Aber unnötig leiden lassen dürfe man die Tiere natürlich auch nicht.

Obwohl die Hofführung am frühen Abend stattfindet, brennt die Sonne vom Himmel. Die meisten Besucher flüchten sich in den Schatten, den die Dächer der Ställe werfen. Wie hitzeempfindlich sind eigentlich Schweine? Roller-Karsch erläutert, Kälte setze Schweinen eher mehr zu als Hitze. Auch interessant: Schweine können praktisch nicht schwitzen. Nur an der Rüsselspitze kann sich Schweiß bilden.

In einem weiteren Stall wohnt in einem Teil Peter, der Eber. Der ist aber eigentlich nur "für die gute Stimmung" da, denn die Sauen werden künstlich besamt. Nur hin und wieder wird eine von Peter gedeckt. Wenn eine Sau bereit ist, sich decken zu lassen, spricht man übrigens davon, dass sie "in Rausche" ist. Zur Besamung dürfen die Sauen fixiert werden – das lassen auch die Regeln des Tierschutzbunds zu. Ein Wurf hat ungefähr 14 Ferkel. Trächtige Sauen kommen in einen Extra-Bereich, hochträchtige Sauen noch einmal in einen anderen Bereich und nach einer Woche dann in den Abferkel-Bereich. Für die Sauen gibt es auch Boxen, in denen sie fressen können, ohne von anderen gestört zu werden. Sie kommen selbstständig hinein und auch wieder heraus. "Das ist kein Einsperren", ist Roller-Karsch wichtig zu betonen.

Noch ein großes Thema in der Nutztierhaltung kam zur Sprache: Antibiotika. Die Gesetze sind strenger, als manch einer vielleicht denken mag, klärt die Hofherrin auf. Antibiotika dürften wirklich nur verabreicht werden, wenn der Tierarzt sie verschreibt. Kranke Tiere müssen nun einmal behandelt werden.

"Dass wir Schweine essen, bedeutet nicht, dass wir sie nicht respektieren", sagt Sibylle Roller-Karsch zum Abschluss des Rundgangs über den Lindenhof.

Ihre Redaktion vor Ort Hechingen

Klaus Stopper

Fax: 07471 9874-21

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