Prozesse: Junger Grosselfinger hat Drogen genommen / Verurteilt vom Amtsgericht / "Will mich für alles entschuldigen"

Ein junger Mann aus Grosselfingen hat Drogen besessen und mit ihnen gehandelt. Der Angeklagte hat vor dem Hechinger Amtsgericht die Vorwürfe eingeräumt. Er zeigte sich reuig und habe sein Leben in den vergangenen Wochen "radikal verändert".

Grosselfingen. Es ist noch vor dem Morgengrauen im Sommer 2019: Sechs Polizisten mit Spürhund stehen vor dem Haus des Angeklagten in Grosselfingen. Sie durchsuchen das Zimmer des jungen Mannes – und sind fündig geworden: Ein wenig Marihuana und gut zwei Dutzend Ecstasy-Tabletten hatte er dort gelagert. Seine Eltern wussten von seiner Nähe zu Drogen bis zu diesem Tag nichts. Diese Woche am Donnerstag wurde der Fall nun vor Gericht verhandelt.

Der Mann wirkt geknickt, wie er da so auf der Anklagebank sitzt. Seine Anwältin sagte, er habe vor der Hauptverhandlung richtig Angst gehabt. Und er selbst meint kurz nach Beginn der Hauptverhandlung: "Ich habe den schlimmsten Fehler meines Lebens begangen." Aber in den vergangenen Wochen habe er sein Leben "radikal verändert". Er wolle sich "für alles entschuldigen". Weil er die Taten zugegeben hat, sind keine Zeugen vernommen worden. Vorgeworfen wurde ihm, dass er am Handel mit Marihuana beteiligt gewesen sein soll: Er vermittelte den Kontakt zwischen Konsument und Händler. Außerdem habe er mehr als 30 Ecstasy-Pillen bei einem Festival in Dormettingen verkaufen wollen.

Namen wollte der Angeklagte aber nicht nennen. Aus Furcht. Bis heute versuche der Drogenlieferant mit ihm Kontakt aufzunehmen. Wie der Angeklagte sagt, um ihn einzuschüchtern. Aus dem Haus gehe er deshalb lieber nicht alleine. "Er wartet auf den Moment, wenn ich alleine bin", sagte der Angeklagte.

Die Richterin hakt nach, will wissen, warum er den Kontakt nicht schon viel früher abgebrochen habe. Der Angeklagte: "Vater und Mutter haben nichts gewusst und ich hatte Angst, dass ich eins auf den Deckel kriege." Dies hat den Angeklagten offenbar erpressbar werden lassen.

Die bei ihm im Zimmer versteckten Drogen seien nicht für den Handel, sondern für den Eigenkonsum bestimmt gewesen. Nachdem sein Versteckspiel jedoch aufgeflogen ist, sei es zu schweren familien-internen Auseinandersetzungen gekommen. Die Eltern hätten ihm den Geldhahn zugedreht. Seine jahrelange Sucht nach Marihuana und Alkohol ist ganz offenbar über die ganze Zeit unentdeckt geblieben – bis zu dem Tag, als die Polizei vor dem Haus seiner Eltern stand.

Verurteilt wurde der Angeklagte vor dem Hechinger Amtsgericht wegen Drogenhandels und Drogenbesitzes zu einer Geldstrafe von 2500 Euro. Den Betrag erhält die Drogenberatungsstelle in Balingen. Dort ist er bereits seit vier Monaten in Behandlung, um von seiner Sucht los zu kommen. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens zahlen. Und dort soll er weitere acht Termine in der Suchtberatung nachweisen. Außerdem muss er auf Anforderung des Gerichts dreimal eine Urinprobe nachweisen, die auf Marihuana und Ecstasy getestet wurde.

Dem Angeklagten merken Beobachter an, dass ihm die Situation sehr nahegeht. Gegen Ende des Verfahrens wiederholt er, was er am Anfang schon mitgeteilt hat: Dass es ihm leid tue.

Während er das mit gesenktem Kopf sagt, wischt er die Tränen ab, die über seine Wangen fließen. Er hat das Urteil angenommen.