Im Sitzungssaal des Gauselfinger Rathauses wird die großangelegte Suche nach einer Seniorin aus Burladingen-Gauselfingen koordiniert. Alle Ehrenamtlichen ziehen an einem Strang. Foto: Rapthel-Kieser

Das Gauselfinger Rathaus gleicht einem Bienenstock. Es ist seit zwei Tagen die Einsatzzentrale für die großangelegte Suche nach einer 68-Jährigen.

Die 68-jährige Seniorin, so sagt es Frank Löffler, Bereitschaftsführer vom DRK Burladingen-Jungingen, „könnte sich in einer hilflosen Lage befinden“. Jedenfalls hat die gesundheitlich beeinträchtigte Gauselfingerin nicht mehr zurück nach Hause gefunden und wurde am Sonntag, 20. Juli, in den frühen Nachmittagsstunden von ihrer Familie als vermisst gemeldet.

 

Der Wetterumschwung birgt eine Gefahr

Da war das Wetter noch gut und knackig warm. Am frühen Abend aber schlug es um, Sturmböen, Regen und ein großer Temperaturabfall könnten die alte Frau, sie wird als klein und zierlich beschrieben, nun in ernste Gefahr bringen. Vor allem, wenn sie nicht richtig gekleidet ist, droht schnell eine Unterkühlung.

Auf der B 32 vor dem Gauselfinger Rathaus standen die Einsatzfahrzeuge zur Mittagszeit in zwei Reihen. Foto: Rapthel-Kieser

Dass die Fehla durch Gauselfingen fließt, erhöht das Gefahrenpotenzial für die vermisste Frau. Die Retter können nicht ausschließen, dass sie ins Wasser gefallen ist und suchen mit Stöcken den Bachlauf ab.

Das Gauselfinger Rathaus gleicht also seit zwei Tagen einem Bienenstock. Einem, in dem aber jeder genau weiß, was er zu tun hat. Dort, wo sonst Ortschaftsräte tagen und über Dorfangelegenheiten Beschlüsse fällen, da finden jetzt Lagebesprechungen statt.

Über dem Gauselfinger Rathaus drehte der Hubschrauber immer wieder seine Runden. Foto: Rapthel-Kieser

Chefs von Rettungskräften, DRK, Feuerwehr, Bergwacht, Hundestaffeln, Drohnenführer, selbst Forstleute und andere Ortskundige, die der Gauselfinger Ortschaftsrat und Forstmann Roland Hauser eilig zusammen getrieben hat, geben sich dort in den verschiedensten Rathaus-Räumen die Klinke in die Hand.

Die verschiedenen Trupps haben hervorragend zusammengearbeitet

Bis zu 200 Ehrenamtliche suchen intensiv nach der alten Dame, stecken Suchgebiete ab, verständigen sich per digitalem Walkie-Talkie und sind dabei sozusagen alle auf gleiche Frequenz geschaltet. Das Miteinander, dass Ineinandergreifen der verschiedenen Trupps und Organisationen „klappt super“, bestätigt ein Einsatzleiter. Der bringt auch Erfahrungen aus anderen Landkreisen mit und weiß: So wie im Zollernalbkreis ist es nicht überall.

Silvia Roos, hier mit Frank Löffler, telefoniert mit Ortschaftsrat Roland Hauser. Der organisiert mehr ortskundige Helfer. Foto: Rapthel-Kieser

Rund ums Gauselfinger Rathaus ist längst alles zugeparkt. Einige Einweiser erklären den Suchmannschaften – inzwischen rücken die auch aus den Nachbarlandkreisen zur Unterstützung an – wo sie ihre Privatwagen und vor allem ihr schweres Gerät und die großen Einsatzvehikel noch hinstellen könnten.

Auf der vielbefahrenen B 32, die direkt am Rathaus vorbei führt, parken die Einsatzfahrzeuge in der Mittagszeit schon in zweiter Reihe. Darüber dreht immer und immer wieder der Hubschrauber seine Runden.

Frank Löffler mit einer Hundeführerin. Beim Suchen hat sie den richtigen Riecher bei Fuß. Foto: Rapthel-Kieser

Und mittendrin die Ortsvorsteherin Silvia Roos und Burladingens Bürgermeister Davide Licht. Auch die sind mit dem gleichen großen Engagement – und einigen Sorgenfalten auf der Stirn – vor Ort. Auch sie bangen um die Burladinger Seniorin.

Organisiert einen Beamer und holt ihn gleich noch selber ab: Bürgermeister Davide Licht telefoniert auf dem Balkon in Gauselfingen. Foto: Rapthel-Kieser

Und dann, kurz nach 15 Uhr am Nachmittag des zweiten Einsatztages herrscht auf einmal große Erleichterung: Die alte Frau ist von einem Jäger in einem Waldstück „wohlbehalten“, wie es dann später in einer Pressemitteilung der Polizei heißt, gefunden worden. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Sie wurde medizinisch betreut und wird nun versorgt. Das spricht sich schnell rum unter den Helfern. Müdigkeit und Anstrengung fallen auf einmal von allen ab. Und alle wissen – die große Mühe hat sich gelohnt.

Von Müdigkeit, Aufopferung und Organisationstalent

Ehrenamt
„Die hatten doch alle genau so wenig Schlaf wie wir“, kommentiert die Gauselfinger Ortsvorsteherin Silvia Roos, dass der Einsatz nun schon zwei Tage dauert. Am Vorabend, als es dunkel wurde, der Regen peitschte und die Blaulichter die Szenerie bestimmten, da sei es fast unheimlich gewesen, sagt sie. Sie sei dann – ohne Geldbeutel, weil der zu Hause lag – in den Tante M-Laden des Dorfes gegangen und habe für die Helfer Essbares aufgetrieben. Alles was sie mitnahm, hat sie aufgeschrieben und einen Zettel für den Ladenbetreiber dagelassen. Sie habe die Notlage erklärt und dass sie am nächsten Tag gleich bezahlen werde. Ihre Schubladen im Rathaus waren zu dem Zeitpunkt von Keksen, Müsli-Riegeln und Schokoladenresten längst geräumt. Um vier Uhr morgens waren dann alle erschöpft, brauchten eine Pause. Der Einsatz wurde also unterbrochen und um zehn Uhr am anderen Morgen fort gesetzt. Auch Siliva Roos ist wieder da, macht Kaffee, spült Geschirr, hat wieder Brezeln und Essbares organisiert, stellt Getränke bereit und bleibt die Haus- und Dorfmutter, die sich einsetzt und weiß, was zu tun ist. „Was braucht ihr noch, wie kann man Euch noch unterstützen?“ fragt zwischendurch Bürgermeister Davide Licht die Einsatzleiter. Den Beamer, den sich die Ehrenamtlichen wünschen, lässt er, das Handy am Ohr, schon mal im Burladinger Rathaus herrichten und steht dabei auf dem Balkon des Rathauses. Da, wo der Empfang noch am Besten ist. „Ich fahr gleich los und hol ihn selber“, sagt er – und spurtet durch die Tür. Und obwohl sie selber ja im Ehrenamt ist, das was die Rettungskräfte in ihrem Dorf da leisten, das ringt der Ortsvorsteherin Silvia Roos größten Respekt ab. „Die gehören alle mit dem goldenen Löffel gefüttert“, sagt sie mit kraftvoller Stimme.