Fast ein Jahr lang war die Windmühle Aiolos auf dem Melchinger Himmelpark flügellahm. Nach einem Großeinsatz hat es die Spezialfirma nun im zweiten Anlauf geschafft. Das Getriebe wurde repariert, die Rotoren drehen sich wieder.
Es galt, mehr als zehn Tonnen – so viel wiegt allein der Triebstrang – auf die luftige Höhe von 46 Meter zu stemmen. Mit schwerem Gerät, besonderen Kränen und einem mehr als achtstündigen Arbeitstag ist das der Spezialfirma vor dem jüngsten Wochenende gelungen.
Die Mitarbeiter der Xervon Wind GmbH, die mit der Reparatur beauftragt waren, waren im August bereits vor Ort. Damals mussten sie aber unverrichteter Dinge wieder abziehen, denn sie kamen an das Getriebe gar nicht heran.
Die Bolzen saßen fest
Nach 29 Jahren in luftiger Höhe bei Wind, Regen und nach so manchem Schneesturm, waren die Bolzen, die den Rotor halten, so fest, dass sie mit dem üblichen Werkzeug nicht mehr aufzukriegen waren. So jedenfalls hat es Frank Hummel, Geschäftsführer der Betreiberfirma Sowitec im August auf Anfrage unserer Redaktion erklärt.
Dieser erste Windpark in Baden-Württemberg, 1995 von der Sonnenbühler Firma Sowitec und den Gebrüdern Frank und Gerd Hummel in Betrieb genommen, legte den Grundstein für den weltweiten Erfolg des Brüderpaares. Inzwischen sorgen sie weltweit für nachhaltige Energie aus Wind und Solar.
Grundstein für den weltweiten Erfolg von Sowitec
In Melchingen waren die Bürger anfangs zwar skeptisch, akzeptierten aber bald die drei weißen Riesen, die da auf ihrem 820 Meter hohen Hausberg, dem Himmelberg, unermüdlich ihren Dienst taten. Bald galten sie als Symbol des Fortschritts und der Innovation – als ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Dorfes. Die drei Windmühlen gehörten zum Landschaftsbild irgendwann einfach dazu.
Drei weiße Riesen auf dem Melchinger Himmelberg
In Anlehnung an die griechische Götterwelt nannten die Hummels ihre Windmühlen Eos, Aiolos und Helios.
Tatsächlich, wer unter einer der drei weißen Windmühlen steht, die da auf 46 Meter Höhe ihre Flügel mit einem Rotordurchmesser von 43 Metern mit einem leisen Summen kreisen lassen, der kommt sich ganz klein vor. Auch wenn neue, moderne Windräder größer und leistungsstärker sind und Fachleute einer Windmühle eine durchschnittliche Lebensdauer von rund 30 Jahren bescheinigen – die drei Windräder auf dem Himmelberg, so beteuert Sowitec-Chef Frank Hummel, sollten sich noch eine ganze Weile weiter drehen.
Strom für 800 Haushalte
Eos, Aiolos und Helios versorgen seit ihrer Inbetriebnahme 1995 etwa 800 Haushalte mit Strom aus Windkraft. Rund 600 Kilowatt beträgt die Nennleistung jedes einzelnen der drei weißen Riesen mit einer Nabenhöhe von 46 Metern und einem Rotordurchmesser von 43 Meter. Genehmigt und gebaut wurden sie vor drei Jahrzehnten in Rekordzeit, wie einst eine Anfrage unserer Redaktion beim Landratsamt ergab: „Die damalige Verfahrensdauer für das Baugenehmigungsverfahren betrug insgesamt 216 Tage.“