Aktuell erlebt Gold eine echte Wiederauferstehung, denn der Handelswert steigt zur Zeit wie seit Langem nicht mehr. Ein Juwelier aus Rottweil erklärt die Hintergründe.
Derzeit herrscht ein echter „Gold-Boom“ – denn der Wert des Edelmetalls steigt aktuell fleißig nach oben. Till Stauss, Geschäftsführer des Juweliers Stauss in Rottweil, erklärt unserer Redaktion, was der aktuelle Wertanstieg für die Branche bedeutet. Der 26-jährige Edelstahl-Experte übernahm den Laden Anfang 2026, nachdem er bereits seit 2019 im Unternehmen tätig war.
Damit ist der Familienjuwelier in die siebte Generation übergegangen. Stauss ist zudem ein waschechter Rottweiler: Hier wurde er geboren, hier lebt er – und spielt als Mittelfeldspieler beim FC Suebia Rottweil. In seinem Hauptgeschäft ist es derzeit noch spannender als auf dem Fußballplatz.
Der höhere Goldpreis hat die Nachfrage deutlich steigen lassen. „Mit dem gestiegenen Goldpreis sind bei uns die Nachfragen nach Gold gestiegen – egal ob nach Goldbarren, Goldmünzen oder anderem Gold“, erklärt Stauss.
Mit „Omas Goldzähnen“ wird gehandelt
Früher sei das nur gelegentlich passiert, inzwischen kommen jedoch wöchentlich Kunden in sein Geschäft, um mit Gold zu handeln. Denn auch beim Juwelier kann Gold verkauft werden – und das geschieht laut Stauss heute häufiger als früher. „Viele Leute bringen uns alten Schmuck von verstorbenen Großeltern oder auch mal die Goldzähne der Oma vorbei.“
Laut dem Juwelier-Chef trennen sich viele Kinder und Enkelkinder von solchen Andenken, weil der „ältere und konservativere Schmuck heute kaum noch getragen wird“. Statt ihn in der Schublade liegen zu lassen, lassen sich viele den alten Schmuck auszahlen.
Aus seiner Sicht spielen dabei auch die Medien eine Rolle, weil die breite Masse heute besser über Edelmetalle informiert ist. Vor allem aber seien politische und geopolitische Faktoren entscheidend.
Ein beachtlicher Anstieg innerhalb von vier Jahren
Während ein Goldbarren (24 Karat) vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine (Ende Februar 2022) noch einen Wert von 50 bis 60 Euro hatte, liegt der Wert vier Jahre später – wenige Wochen nach dem Angriff der USA und Israel auf den Iran (Ende Februar 2026) – bei 140 bis 150 Euro. Das kommt einer Steigerung von über 120 Prozent gleich.
„Aktuell sieht es auf der Welt nicht gerade rosig aus. Wir haben mehrere Kriege – und Gold war schon immer eine Krisenwährung.“ Stauss erinnert daran, dass in schweren Krisenzeiten, als Papiergeld stark an Wert verlor, teilweise sogar beim Bäcker oder Metzger mit Gold bezahlt werden konnte. Der Rottweiler Juwelier hat den Eindruck, dass sich manche Menschen auf „einen Krieg vor der eigenen Tür“ wappnen würden.
„Das Geld auf der Bank verliert durch Inflation an Wert“, sagt er. Gold dagegen habe sich über Jahrhunderte als stabile Anlage bewährt. Seine Einschätzung: Langfristig werde der Goldpreis weiter steigen – mit gelegentlichen Rücksetzern.
Eine Prophezeiung, die sich als wahr herausstellen sollte
Dass es einmal so weit kommen würde, hat der Edelstahl-Experte in diesem Ausmaß nicht erwartet: „Als ich in der Branche angefangen habe, lag der Preis pro Gramm Gold bei 50 bis 60 Euro. Damals hätte ich nie gedacht, dass wir heute so dastehen.“
Sein Juwelier-Laden verkauft auch goldene Eheringe, die bei einem Hersteller in Pforzheim produziert werden. „Dort haben wir uns einmal angeschaut, wie ein Trauring entsteht. Der Geschäftsführer hat damals prophezeit, dass der Goldpreis auf über 120 Euro pro Gramm steigen wird.“
Stauss und die anderen hätten ihm damals auf gut Deutsch „den Vogel gezeigt“. Mittlerweile liegt der Goldpreis jedoch sogar mehr als 15 Prozent über dieser Prognose.
China verbraucht „wahnsinnig“ viel Silber
Beim aktuellen Goldtrend sieht Stauss zunächst keine Wende: „Ich denke, dass der Wert von Gold und vor allem Silber weiter steigen wird. Silber hat sich in den letzten Monaten verdoppelt – und ich glaube, dass hier noch einiges möglich ist.“
Den Grund für seine Einschätzung sieht er unter anderem in der Wiederverwendbarkeit der Edelmetalle. So lässt Stauss bei einer Scheideanstalt – ebenfalls in Pforzheim – Gold, Silber und Schmuck einschmelzen, um daraus etwa Goldbarren herstellen zu lassen. „Das Schöne an beiden Materialien ist, dass sie immer wieder genutzt werden können. Die Ressourcen werden irgendwann aufgebraucht sein, und beispielsweise die Tech-Industrie in China braucht wahnsinnig viel Silber.“
Keine Steuern für Gold
Auch andere Edelmetalle im Schmuckbereich wie Platin, Palladium oder Rhodium sind zuletzt im Wert gestiegen. Für Stauss bleibt Gold dennoch das wichtigste Anlagegut. Ein Grund: Anlagegold ist in der EU im Gegensatz zu anderen Edelmetallen von der Mehrwertsteuer befreit, weil es gesetzlich als Finanzanlage beziehungsweise Währungsreserve und nicht als Konsumgut gilt.
Aus Sicht von Stauss dürfte Gold deshalb auch in Zukunft für viele Menschen eine sichere Anlage bleiben.