Die Sporthalle in Wolfach ist in die Jahre gekommen. Vor kurzem wurde der Hallenboden etwas ausgebessert. Foto: Lupfer

Mit großen Sorgen blickt Wolfach auf die Sporthalle der Realschule. An vielen Stellen ist eine Instandsetzung nötig. Eine Runderneuerung wäre wohl kaum bezahlbar.

„Wahrscheinlich ist es nur ein Pflaster auf ein Krebsgeschwür“, kommentierte Stefan Staiger die in dieser Woche laufenden Ausbesserungsarbeiten am Boden der Realschul-Sporthalle. Stellvertretend für die Handball-SG Gutach/Wolfach bat er zum Start der Haushaltsberatung am Mittwoch, den Weg für einen neuen Hallenboden freizumachen. Rückendeckung gab es im Rat von der SPD-Fraktion.

 

Doch an die erhofften Zuschüsse aus der Sportmilliarde des Bundes komme man aus Verwaltungssicht nur mit einer Komplettsanierung – und einem radikalen Kurswechsel in der Schulentwicklung. Die gefährlichsten Stolperfallen im rund 45 Jahre alten Hallenboden wurden in dieser Woche von einem Fachbetrieb ausgebessert. Ein komplett neuer Boden soll laut Fachmann 250 000 Euro kosten, erklärte Bürgermeister Thomas Geppert. Als Unterhaltungsmaßnahme zu verbuchen im Ergebnishaushalt, in dem für das angestrebte Minus von maximal 1,7 Millionen Euro ohnehin noch Sparen nötig wird.

Unabhängig aller zwischenzeitlich vorgebrachten Wünsche habe die Stadtverwaltung einen Architekten beauftragt, die Halle zu durchleuchten. Der Gesamtsanierungsbedarf von Boden über Installationen bis hin zu Fassade und Dach sei demnach auf rund 3,8 Millionen Euro kalkuliert. Eine Summe, die der Verwaltung seit Wochenbeginn bekannt sei. Mitten im Großprojekt Schulentwicklung sei es aber 2026 an der Zeit, den Planwettbewerb für die Weiterentwicklung der Realschule anzustoßen, die der Sanierung der Herlinsbachschule folgen soll.

Energieeffizienz ist Notwendig für Förderung

Sportmilliarde ziele auf die energetische Sanierung, erklärte Kämmerer Peter Göpferich. Um mit der Halle Aussicht auf eine 45-prozentige Förderung zu haben, müsse man einen Energieeffizienzfaktor von 70 erreichen. Das sei laut Architekt nur mit einer Komplettsanierung zu schaffen – der Boden allein brächte dafür nichts. Weitere Hürde: Es gebe eine Mindestförderung des Bunds von 250 000 Euro. „Das heißt, wir bräuchten mindestens eine Investition von 600 000 Euro“, so Göpferich. Auch mit der von der SPD-Fraktion vorgeschlagenen Kombination von Einzelmaßnahmen erreiche man den Energieeffizienzwert laut Architekt nicht. Für Wolfach gelte aber weiter: „Unbedingt ein Großprojekt nach dem anderen. Da kann man nicht plötzlich eine Halle für vier Millionen dazwischen schieben.“

Die Projektskizze und Gesamtkonzept habe man durch die Voruntersuchung. Bis zu 45 Prozent Förderung wären aus der Sportmilliarde drin. „Doch dann bräuchten wir immer noch mehr als zwei Millionen Euro Eigenmittel. Und die haben wir de facto nicht mehr“, mahnte Thomas Geppert. „Dann müsste man ehrlich sagen: Die Realschule schieben wir aufs Abstellgleis.“ Ohne Umbau der Realschule hätte man aber auch im Hinblick auf den startenden Ganztagsbetrieb der Herlinsbachschule und die fehlende Mensa „ganz viele Fragezeichen“. „Mit dem Kompass, den wir eingeschlagen haben, ist das nicht machbar.“ So verlockend die Sportmilliarde klinge: „Es wäre ein Paradigmenwechsel. Das würde heißen, dass die Realschule die nächsten sechs bis acht Jahre nicht kommt. Und das erkläre ich draußen nicht.“

Wunsch nach Sanierung schon vor Jahren geäußert

Man wolle keine Komplettsanierung, betonte Hans-Joachim Haller (SPD): „Uns geht’s um eine Einzelmaßnahme. Aus meiner Sicht muss man alles, aber auch alles tun, um in die Förderung reinzukommen.“ Man habe angesichts des Zustands des Hallenbodens die Dringlichkeit schildern wollen, pflichtete SPD-Fraktionssprecherin Inge Schoch bei: „Die Stadt Wolfach wird sich eine Hallensanierung nie leisten können ohne Förderung.“

Vor vier Jahren schlug im Rat der Wunsch nach einer Sanierung der Gemeindehalle Kirnbach auf, erinnerte Markus Wöhrle (FWV). Doch es sei klar geworden, dass die Schulen Vorrang hätten. Nun mit der Sporthalle umschwenken? „Ich glaube, das kommt nicht gut an – in Kirnbach zumindest gar nicht gut.“ Wenn der Boden kaputt sei, müsse man ihn erneuern. „Aber eine komplette Sanierung, das können wir nicht leisten.“ 92 000 Euro habe die Stadt seit 2019 in Instandsetzungsarbeiten der Sporthalle investiert, listete Geppert auf. Aktuell 11 000 Euro für die Ausbesserung des Bodens. Sollte sich ein Sponsor für eine Erneuerung finden oder die Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes doch im Ergebnishaushalt einsetzbar, sei ein neuer Boden drin.

Appell der Sportler an den Rat

Rund 30 Mitglieder der SG Gutach/Wolfach waren am Mittwoch zum Auftakt der Haushaltsberatung gekommen. Stellvertretend für sie ergriff Stefan Staiger in der Bürgerfragestunde das Wort: Die Realschul-Sporthalle sei inzwischen 44 Jahre alt. „Da gibt’s ein bisschen Sanierungsstau mittlerweile.“ Die Halle sei vermutlich „die Räumlichkeit der Stadt, die am meisten benutzt wird“. Vormittags für den Schulsport,ab dem Nachmittag bis in den Abend für den Vereinssport. Allein 15 Handball-Jugendmannschaften trainierten dort, außerdem auch Gruppen des FC Kirnbach, des FC Wolfach und des TuS Kinzigtal. „Die Halle wird wirklich sehr, sehr stark frequentiert.“„Man muss sehen: Der Boden ist wirklich fertig.“ Auch mit der aktuellen Ausbesserung würden bald Schäden an anderer Stelle auftreten. Er bat die Ratsmitglieder, „dass Sie da in sich gehen und drüber nachdenken. Wir wären sehr froh, wenn es eine positive Entscheidung gäbe über den Hallenboden.“