Der Hof der Alten Seminarturnhalle bietet beste Voraussetzungen für Open-Air-Erlebnisse. Eine Lärmschutzwand wäre eine weitere Aufwertung. Foto: Thomas Fritsch

Der Hof der Seminarturnhalle bekommt eine Lärmschutzwand. Für Vereinschef Schäfer ist das womöglich erst ein Anfang. Er hat große Pläne für das Open-Air-Gelände.

Wolfgang Schäfer denkt gerne eine Nummer größer. Das zeichnete ihn schon immer aus. Er kann über den Tellerrand hinausschauen, auf das große Ganze sehen.

 

Als langjähriger Fraktionschef der CDU im Gemeinderat war das eines seiner Markenzeichen. Doch auch im politischen Ruhestand denkt er weiter groß. Zum Beispiel, wenn es um den Aufbau einer Nagolder Freilichtbühne geht.

Dabei klingt das Thema zunächst gar nicht so gewaltig. Eine Lärmschutzwand soll um den Hof der Alten Seminarturnhalle gebaut werden. 430 000 Euro hat die Stadt für das Vorhaben in diesem Jahr im Haushalt eingeplant. Und während mancher in dem Projekt lediglich eine von vielen Nagolder Bau-Investitionen sieht, entwirft Schäfer rund um diese Maßnahme wuchtige Zukunftsvisionen für seine Heimatstadt Nagold und ihr Kulturangebot.

„Damit wir gesichert unter dem Grenzwert bleiben“

Die Lärmschutzwand ist für die Alte Seminarturnhalle ein wichtiges Projekt. „Wir bemühen uns auch jetzt schon, den Lärm gering zu halten“, sagt Schäfer. Am letzten Juni-Wochenende beginnt im Hof der Seminarturnhalle wieder die Open-Air-Reihe Nagold Alive. „Da versuchen wir schon, dass wir bis 22 Uhr durch sind“, erzählt Schäfer. Aktuell hat der Förderverein mit dem Thema Lärm-Beschwerden eigentlich wenig Ärger. Aber es gab schon andere Zeiten.

Schäfer ist bei allen Veranstaltungen der Alten Seminarturnhalle wichtig: „Es muss anwohnerverträglich sein.“ Und so sieht er die Lärmschutzwand als einen wichtigen Teil rund um einen künftigen Ausbau des Hofs. Und dann kommt der Jurist in ihm durch: „Damit wir gesichert unter dem Grenzwert bleiben.“

Allein mit der Wand ist es nicht getan

Wolfgang Schäfer spricht bewusst von einem „Teil“ des Ausbaus. Allein mit einer Wand ist es nicht getan. „Auch das Kopfsteinpflaster im Hof ist laut“, sagt er. Also wolle man Wege einziehen, auf denen geräuscharm Transporte stattfinden können – von Stühlen und Technik zum Beispiel.

Weiter würde der Altstadtrat den Hof gerne gegen Regen wappnen - zum Beispiel mit großen Tulpenschirmen, bei denen das Regenwasser nach innen abläuft. „Vielleicht sind ja auch noch vier oder fünf große Schirme in den Kosten drin?“, stellt der Vorsitzende des Fördervereins in den Raum.

Beste Voraussetzungen für mehr

Hier wird klar, es geht nicht nur um die Reihe „Nagold Alive“. Es geht um mehr. Wolfgang Schäfer ist bekanntlich ja auch Ehrenbürger dieser Stadt. Da darf’s dann schon auch mal ein bisschen mehr an Ideen sein. Und so bringt er das Thema Freilichtstätte ganz allgemein auf. Deutlich größer gedacht, als bisher praktiziert. Im Boysen-Forum im Kleb hätte nach der Landesgartenschau eine aufgebaut werden können. Das klappte aber aus diversen Gründen nicht. Ganz im Gegenteil zum Hof in der Alten Seminarturnhalle. Hier hat sich schon in den vergangenen Jahren viel entwickelt.

Die Sanitäranlagen sind gut, es gibt dort bereits zwei komplett mit Technik ausgestattete Bühnen – eine davon ist eine feste Freilichtbühne im Hof, der übrigens der Stadt Nagold gehört. Auch die VHS als Nachbar bietet Potenzial. Schäfer ist überzeugt: „Wir haben hier beste Voraussetzungen!“

„Nagold muss zur Erlebnisstadt werden“

Voraussetzungen für was genau nochmal? Es geht jedenfalls um mehr als den Status quo, den Nagold derzeit mit Nagold Alive bieten kann. Hier denkt Schäfer wirklich groß. Er ist überzeugt: Wenn Nagold seinen aktuellen Status behalten will und weiterhin ein Einzugsgebiet von etwa 100 000 Menschen bedienen will, dann zählt das Ensemble. Der Handel alleine schaffe das nicht mehr. Er stottere. „Nagold muss zur Erlebnisstadt werden“, sagt Schäfer. Einkaufszentrum, Freizeitgelände, Keltenhügel, Burgruine – all das gehöre zusammen. Und eben auch die Kultur. „Ein attraktives Kulturangebot gehört auch dazu“.

Wobei der ehemalige Stadtrat eine Freilichtstätte ins Spiel bringt, in der auch Veranstaltungen mit bis zu 1500 Besuchern angeboten werden könnten. Eine Freilichtbühne, die im Optimalfall von Juni bis Ende August jeden Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag Programm bietet.

Der Hof der Seminarturnhalle taugt auch für Public Viewing. Foto: Buchner

Das interessante daran: Vereinsvorstand Wolfgang Schäfer sieht diese Aufgabe nicht nur bei seinem Förderverein. „Wir können eigentlich nicht mehr schaffen“, sagt er. 300 maximal 400 Gäste seien für sein Team im Einzelfall machbar. Doch ehrenamtlich stößt der Förderverein irgendwann an seine Grenzen. Das weiß auch Wolfgang Schäfer: „Eine dreitägige Veranstaltung auf zwei Bühnen wie Nagold Double Stage ist für uns ein Kraftakt.“

Zur Abrundung sei’s kurz erwähnt: Das Kleinkunstprogramm in Nagold stemmt der Förderverein seit vielen Jahre quasi alleine – mit um die 50 Veranstaltungsterminen pro Spielzeit. Das ist schon eine Hausnummer, vor allem im Ehrenamt.

„Eine Freilichtbühne, wirklich für alle“

Also wirbt Schäfer für den Grundgedanken, dass jeder den Innenhof bespielen und Technik und die Bühne mieten kann. „Wir müssen da als Förderverein nichts dran verdienen“, macht er deutlich. Wichtiger sei, dass alles verlässlich funktioniert, vor allem beim Einsatz der Technik.

„Wir wollen eine Freilichtbühne in Nagold installieren“, wirbt Schäfer. Und zwar eine Freilichtbühne „wirklich für alle“! Wolfgang Schäfer: „Jeder, der es machen will, kann darauf zurückgreifen.“ Der Kulturmacher ist überzeugt, dass solch ein Ort auch für professionelle Veranstalter hochinteressant wäre.

Ambience bei einem Auftritt auf der Außenbühne. Foto: Buchner

Im Gesamtpaket der Erlebnisstadt Nagold sei die Freilichtbühne ein wichtiger Mosaikstein - ein Projekt eben, um Nagold zu einer Erlebnisstadt zu machen.

All das könnte mit dem Bau der Lärmschutzwand weiter vorangetrieben werden. Kein Wunder, dass Wolfgang Schäfer und seine ehrenamtlichen Mitstreiter es kaum erwarten können, bis die Bauarbeiten losgehen. „Von mir aus kann es gleich nach Nagold Alive beginnen“, lacht der Vorsitzende.

Noch in der Planungsphase

Bei der Stadt Nagold ist man zurückhaltender. Im Investitionsplan für dieses Jahr steht die Lärmschutzwand zwar mit einem Volumen von 430 000 Euro drin. Jedoch wirklich weiter ist man mit der Planung noch nicht.

Auf Nachfrage der Redaktion äußerte sich Pressesprecherin Julia Glanzmann: „Das Planungsbüro erstellt aktuell verschiedene Entwürfe für die Lärmschutzwand. Im Anschluss wird die Umsetzung des ausgewählten Entwurfs ausgeschrieben.“

Und das wäre dann wann? „Der Zeitpunkt der Fertigstellung ist noch offen“, sagt Glanzmann, die sich auch auf Nachfrage nicht auf einen Startpunkt noch in diesem Jahr festlegen wollte.