Für drei Tage Nabel der Region: Weilen unter den Rinnen feiert 75 Jahre Musikverein mit viel Programm, vielen Gästen und jeder Menge Gaudi.
Klein, aber oho – so lässt sich Weilen u.d.R. wohl am besten beschreiben, nach diesem Wochenende sowieso. Das 600-Seelendörfchen machte wieder von sich reden, wuchs einmal mehr über sich selbst hinaus.
Die Musikkapelle feierte ein Doppelfest: den Verein gibt es seit 1950, und gleich alt ist auch die Kirbe, die seit jeher im Herbst viele Stammgäste ins Schlichemdörfchen lockt.
Im Jubiläumsjahr wurde noch ausgiebiger gefeiert, in einem eigens für den Anlass aufgestellten Zelt, das über 1000 Besuchern Platz bot und an allen drei Tagen bis zum Bersten gefüllt war. Die Einheimischen fühlten sich sicher an die Glanzzeiten der Wasenfeste und an das große Narrentreffen von vor zwei Jahren erinnert.
Instrumente glänzten in der Sonne
Ein grandioser Musikzug krönte gestern das Festwochenende – die Instrumente glänzten dabei nur so in der Sonne. Weil sich der Herbst von seiner weniger unangenehmen Seite zeigte, kamen wohl weit mehr Zuschauer als gedacht, um sich an den schmissigen Klängen und den schönen Uniformen zu erfreuen.
Es gratulierten die Kapellen aus Schörzingen, Zimmern u.d.B., Wellendingen, Ratshausen, Balingen, Obernheim, Wellendingen, Mahlstetten, Deilingen, Königsheim und Egesheim. Als die Kindergartenkinder an der Reihe waren, gab es jede Menge Applaus. Auch der Aerobic-Gruppe der Sportgemeinschaft wurde ein freudiger Empfang bereitet.
Der ganze Flecken half zusammen
Wie es sich für eine richtige Kirbe gehört, servierten die Gastgeber hinterher Schlachtplatte. Um dem großen Besucherstrom Herr zu werden, half der ganze Flecken zusammen. In Weilen u.d.R. stimmt die Dorfgemeinschaft, und so standen - wie selbstverständlich - auch Feuerwehrleute, Narren und Sportler hinter dem Tresen und in der Küche.
Natürlich mangelte es während des Essens und danach nicht an zünftiger Begleitmusik. So gab unter anderem die gemeinsame Jugendkapelle der Vereine aus Hausen am Tann, Ratshausen und Weilen u.d.R. eine Kostprobe ihres Könnens. Wem bei der traditionellen Verlosung das Glück hold war, durfte mit einem ansehnlichen Preis nach Hause.
Standesgemäß wurde das Fest eröffnet. Bürgermeisterin Silke Edele brauchte nur drei Schläge, bis der Gerstensaft in die bereitgestellten Krüge floss. Zusammen mit dem Vorsitzenden Volker Weinmann stieß sie auf den Vereinsgeburtstag und die 75. Kirbe an. Weinmann würdige die Erfolge und hob den Stellenwert des Vereins in der Gemeinde hervor. Die Kapelle begleite alle Anlässe. Nur dank eines tolles Zusammenhalts sei ein so großes Jubiläum überhaupt zu stemmen, betonte die Bürgermeisterin.
Los ging’s am Freitag mit den Zollernalb-Musikanten
Das abwechslungsreiche Programm starteten am Freitag die Zollernalb-Musikanten unter der Leitung von Uli Barth. Polkas, Tangos und Walzer waren zu hören, Ursel Hermann und Armin Maahs sangen bei einigen Stücken dazu. Bei der Bodensee-Polka ließ Anton Hauschel aus Schörzingen in Original Schweizer Tracht alpenländische Kuhglocken erklingen. Ihren nächsten Auftritt hat die Gruppe am Sonntag, 30. November, beim Seniorennachmittag in Schömberg.
Ein Hingucker war am Eröffnungsabend ein sogenanntes Multiphon. Auf dieser Kombination aus Bass, Tenorhorn, Flügelhorn und Trompete vom Musikhaus Lange aus Ravensburg wurde aber auch gespielt – die Kapellen aus Zepfenhan, Neukirch, Tieringen und Binsdorf mussten nicht groß dazu überredet werden.
Die Stars des Wochenendes waren am Samstagabend angesagt: die Band „Draufgänger“. Sie feierten mit dem Partyvolk eine fette Sause.
Dass dabei „Cordula Grün“, der bekannteste Hit der Jungs aus der Steiermark nicht fehlen durfte, versteht sich wohl von selbst. Die Menge grölte dankbar und lautstark aber auch bei den anderen Titeln vor der Bühne mit. Schon im Vorprogramm mit den Lokalmatadoren, den „Jauchzaaa“, zeigten die Weilener wie feierwütig sie sind. Frontman Jens Neher war noch am Tag danach von der Mega-Gaudi begeistert: „Es herrschte eine unfassbare Stimmung von der ersten Sekunde an.“