Karl Gasiorek (re.) verpasst OB Peter Rosenberger die Booster-Impfung. Gisela Lobmiller vom DRK macht die Spritze erträglicher Foto: Lück

Brigitte Dengler war um 7.30 Uhr vor der Hohenberghalle die Erste. Sie lächelt unter ihrer Maske: "Ich dachte, die Impfaktion startet schon um 8 Uhr! Ist aber nicht schlimm!" Während sie das sagt, zieht sich die Schlange einmal rund um die Hohenberghalle. Das zeigt schon zum Start: Die Impfaktion ist ein voller Erfolg!

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Horb - Die grandiose Hau-Ruck-Aktion unserer Ärzte! OB Peter Rosenberger am Samstagvormittag: "Heute Morgen bekamen wir um 9.15 Uhr die Nachricht, dass wir noch zwei Ärzte mehr bekommen. Deshalb haben wir sofort den Bauhof geholt – und die Kollegen haben noch zwei Impfboxen aufgebaut. So haben wir jetzt zehn Impfboxen und schaffen es so, 200 Impfungen pro Stunde durchzuführen!" Karl Gasiorek, einer der Initiatoren, hat dafür nur drei Worte: "Danke, danke, danke!"

Zwei Horber Ärzte sind die Initiatoren

Zusammen mit seinem Kollegen Friedemann Heck hatte er am Montag vor zwei Wochen die Stadt angerufen: "Wir planen eine große Impfaktion!" Stadtoberhaupt Rosenberger: "Wir haben sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt!"

Und jetzt warten die Menschen wie Brigitte Dengler oder der stadtbekannte Gerhard Struck (Ex-Elektriker der Stadt) in der Schlange auf eine der 1300 Dosen. Struck hat die Nummer 103 und steht in Höhe des Schülereingangs Richtung Schulzentrum. Er sagt: "Ist zwar frisch hier draußen, aber es lohnt sich!" 30 Minuten später zeigt er stolz sein Impfbuch, sagt: "Das hat mich zwar anderthalb Stunden gekostet, aber es lohnt sich. Endlich sicher!"

OB Rosenberger erhält medienwirksam die erste Spritze

Die große Impfaktion. OB Rosenberger hat sich medienwirksam die erste Spritze von Karl Gasiorek setzen lassen. Gisela Lobmiller vom DRK hält ihm den Ärmel hoch. Dann gibt es den Booster. Rosenberger: "Diesmal lasse ich mich gerne fotografieren. Aus gesundheitlichen Gründen war ich mit der Zweitimpfung schon im Februar dran. Meine Frau Janet hat ihre Zweitimpfung später bekommen – und deshalb ist sie heute nicht dabei. Sondern wartet, bis sie dran ist!"

OB-Kollegen berichten von Patienten-Verlegungen

Für das Stadtoberhaupt gibt es heute viele Helden. Menschen wie Gerhard Stuck, die draußen in der Schlange stehen. Das Stadtoberhaupt: "Es ist herausragend, was diese Bürger zeigen: Sie gehen verantwortungsvoll mit der Situation um. Sie schützen nicht nur sich selbst, sondern auch die Intensivstationen vor der Überlastung. Gestern hatten wir eine Videokonferenz mit dem Deutschen Städtetag – da haben die ersten Kollegen berichtet, dass sie schon mit der Verlegung der Patienten begonnen haben. Wie beispielsweise in Baden-Baden!"

"Ärzte im ländlichen Raum sind für ihre Patienten da"

Die nächsten Helden: die Ärzte, die ehrenamtlichen Helfer und die Praxis-Mitarbeiter. Rosenberger: "Vorbildlich. Das beweist wieder mal, dass die Ärzte und ihre Mitarbeiter im ländlichen Raum auch am Wochenende für ihre Patienten da sind." Und natürlich der Bauhof, die Hausmeister und die Rathaus-Mitarbeiter wie Jürgen Wütz oder Inge Weber, die das ganze so organisiert haben, dass zumindest die Infrastruktur der kleinste Stress für die Impfer war.

Karl Gasiorek: "Wir werden bei dieser Impfaktion gut 45.000 Euro einnehmen. Davon spenden wir zehn Prozent an das Deutsche Rote Kreuz, weil sie uns so hervorragend unterstützen!" Klar, dass von diesem Geld auch die Mitarbeiter bezahlt werden. Sein Kollege Friedemann Heck, der gemeinsam mit Gasiorek die Impfaktion angestoßen hatte, sagt: "Es ist klasse, dass auch unsere Belegschaft so gut mitzieht. Die haben ohnehin schon alle Hände voll zu tun – und es ist bewundernswert, dass sie auch noch diesen Samstag arbeiten."

Impf-Aktion soll Praxen entlasten

Klar ist: Die Mediziner erhoffen sich, dass die große Impfaktion auch die Praxen entlastet. Wie Tübingens Corona-Vorkämpferin Lisa Federle in Hirschau erklärt hatte, sind alle Mediziner und die Mitarbeiter völlig ausgebrannt (wir berichteten). Weil die Impfdosen nur im Mehrfach-Pack ausgeliefert werden, können die niedergelassenen Ärzte nur "en Bloc" impfen. Wenn ein Patient ausfällt, müssen die Helferinnen schnellstmöglich Ersatzpatienten herbeitelefonieren. In Impfzentren ist das viel besser zu handhaben.

Deshalb stehen in der Hohenberghalle in der Küche auch vier Frauen und ziehen die Impfdosen in die Spritzen rein. Friedemann Heck hat zwei Becher mit Spritzen in der Hand, sagt: "Wir hoffen, dass wir mit der zentralen Impfaktion unsere Praxen entlasten!"

Das haben Impfwillige wie Gerhard Struck gemacht. Er lächelt: "Mich hat gerade sogar meine Hausärztin Claudia Möhrle geimpft. Ich hatte bei ihr schon einen Termin, aber der war viel später!"

Wiederholung? "Aktion sollte uns erst mal Luft verschaffen"

Die Impf-Aktion ohne Anmeldung. Ein voller Erfolg. Wird das wiederholt? OB Rosenberger: "Wir haben gerade die Terminliste vom Landkreis Freudenstadt für das Mobile Impfteam aus dem Landkreis Ortenau bekommen. Dort werden wir uns bewerben. Wenn die Ärzte noch mal solch eine Aktion starten würden, tun wir wieder alles."

Okay. Treten die Ärzte noch mal an? Friedemann Heck: "Unabhängig von Corona ist der Winter Erkältungszeit. Das bedeutet für uns eine enorme Belastung – wir hoffen, dass wir uns mit dieser einen Aktion erst einmal Luft verschafft haben, um uns in der Woche um unsere Patienten kümmern zu können!"

Was kostet die Impf-Aktion das Rathaus? OB Rosenberger: "Theoretisch dürften die Kosten zwischen 4000 und 10.000 Euro liegen. Allerdings: Der Horber Advent wurde abgesagt. Den dafür gebuchten Sicherheitsdienst setzen wir vor der Hohenberghalle ein. Und für den Horber Advent wären auch Bauhofleistungen angefallen." Er hofft, dass die Kosten vom Land erstattet werden.

Laut Rathaus-Sprecherin Inge Weber wurden bis 13 Uhr rund 600 Impfdosen verimpft. Zu diesem Zeitpunkt gibt es auch keine Schlangen mehr, so Weber.