Auf Einladung der Justizministerin Marion Gentges durften 25 Akteure des Staates Robertanien am Robert-Gerwig-Gymnasium den Landtag in Stuttgart besuchen und nach einer Führung im Plenum Platz nehmen. Foto: RGG

Die Bilanz des Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasiums aus dem vergangenen Schuljahr ist positiv: 80 Prozent der Schüler, Lehrkräfte und Eltern wünschen sich eine mehr „Schule als Staat“.

Ein ganzes Schuljahr lang war das Robert-Gerwig-Gymnasium kein gewöhnlicher Lernort, sondern der Staat Robertanien. Mit Parlament, Parteien, Unternehmen, Polizei und sogar einer eigenen Währung erlebten die Schülerinnen und Schüler hautnah, wie Politik und Wirtschaft funktionieren.

 

Zum krönenden Abschluss öffnete zum Schuljahresende im Sommer Robertanien seine Türen für die Öffentlichkeit. 25 der aktivsten Akteure durften nun auf Einladung von Justizministerin Marion Gentges, selbst ehemalige RGG-Schülerin, zum Abschluss des Projekts „Schule als Staat“ den Landtag in Stuttgart besuchen.

Die Begeisterung für das Projekt ist groß: In einer anonymen Befragung, an der 531 Eltern, Schüler und Lehrer teilgenommen haben, sprachen sich 80,2 Prozent für eine Wiederholung nach vier oder sechs Jahren aus (nicht in einem Musical-Jahr). Die Evaluation zeigt: „Schule als Staat“ hat Spuren hinterlassen.

Ein Parlament, eine Polizei und eine eigene Währung

„Ich war beeindruckt, wie geordnet die Debatten im Parlament abliefen, trotz unterschiedlicher Meinungen“, sagt „König“ Kai, der das Projekt mehr aus der Beobachterrolle verfolgte, bei einem Abschlussgespräch.

Für die Parlamentarier war es eine intensive Erfahrung: „Nach den langen Debatten kann ich die komplexe Entscheidungsfindung in der Politik viel besser nachvollziehen“, erzählt Paul, Mitglied der Partei Batman. Er leitete in Robertanien ein Café und organisierte mit dem Gewinn sogar einen Betriebsausflug.

Auch Silas, Unternehmer einer Siebdruckfirma und Gestalter der Robertanien-Geldscheine, erinnert sich: „Als wir mit unserer ersten Entscheidung zum Mindestlohn Ärger bekamen, mussten wir unsere Position verteidigen und berichtigen. Das war eine wertvolle Erfahrung. Mein Tipp für künftige Teilnehmer am Projekt: Traut euch, auch andere Geschäftsideen als Essen anzubieten.“

Merle, Fraktionsvorsitzende der PSM, hebt die politische Dimension hervor: „Es war spannend zu erleben, wie Parlamentssitzungen ablaufen. Bei der Exkursion nach Stuttgart haben wir gesehen, welch’ tolle Berufe die Politik bietet.“

Die jüngste Parlamentarierin Ilenya zieht ein persönliches Fazit: „Ich interessiere mich jetzt viel mehr für Politik. Ich habe bei diesem Projekt mehr gelernt als im Unterricht und oft noch Dinge, die mich interessierten, daheim nachrecherchiert.“

Neuauflage in vier Jahren?

Jonas von der ÖPR erinnert sich an hitzige Diskussionen: „Unser Finanzminister wollte den Wechselkurs Eins:Pi machen – das wäre drunter und drüber gegangen. Zum Glück konnte ich ihn überzeugen, dass Pi keine rationale Zahl ist.

Ich dachte nach den ersten Sitzungen, ‚das schaffen wir nie’, und dass wir keine Polizei bräuchten.“ Beides habe sich als Trugschluss erwiesen. „Wir schafften das super, und die Polizei war tatsächlich sehr gefragt.“

„Wir hatten sogar eine enorm hohe Kriminalität“, berichtet Tobias, stellvertretender Parlamentspräsident und Polizeikommissar in Robertanien: „Was künftig klarer kommuniziert werden müsste: Welche Straftaten nur in Robertanien gelten und was auch in der Schule und im Staat Deutschland echte Konsequenzen hat.“

Am Ende des Projekts gab es nicht nur Erfahrungen, sondern auch reale Gewinne: „Alle Schüler bekamen ihren Einsatz von zehn Euro zurück, die Unternehmen wurden ausbezahlt, und rund 2000 Euro bleiben übrig“, berichten die verantwortlichen Lehrer Heike Joost und Simon Stocker.

Der Schülerrat entscheidet nun, was damit geschieht. Sein Fazit: „Es darf in so einem Schuljahr wenig anderes stattfinden, um dem Projekt noch mehr Raum zu geben. Natürlich war es viel Arbeit, aber wir haben unseren Einsatz nie bereut – die Begeisterung der jungen Leute hat uns getragen. Wir wären wieder dabei!“

Die Hoffnung auf eine Neuauflage ist groß bei den jungen Gesprächsteilnehmern. Jonas bringt es auf den Punkt: „Wir hoffen, dass es nach vier Jahren noch einmal stattfindet. Dann wäre ich gerade nochmal dabei.“

Rückmeldungen

Elternantworten:
 „Es ist ein Projekt, das sowohl von Schülern, Lehrern als auch Eltern viel Einsatz fordert. Trotzdem ist es ein großartiges Projekt, an dem meine Tochter unglaublich gewachsen ist.“ „Besonders positiv möchte ich anmerken, wie praxisnah und motivierend das Projekt ‚Schule als ,Staat’ gestaltet war. Es hat meinem Sohn ermöglicht, gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen aktiv zu erleben, statt sie nur theoretisch zu lernen.“ „Ich hätte es gut gefunden, wenn bei Unternehmen der 5. Klassen mindestens ein Lehrer dabei gewesen wäre, der geholfen hätte.“

Schülerantworten:
 „Ich fand es gut, dass man mit Menschen aus verschiedenen Klassen, mit denen man sonst nie geredet hätte, interagiert hat.“ „Die drei Tage am Schluss waren zu kurz.“