Über Stunden hinweg sind die Feuerwehren im Einsatz, um den Brand in Trossingen zu löschen. Foto: Schaub

Nach dem Großbrand in Trossingen will die betroffene Familie den Hof nicht aufgeben. Derweil prüft die Polizei Verbindungen zur mysteriösen Brandserie in der Region.

Trossingen - Rund 120 tote Rinder und ein Schaden in Millionenhöhe: In der Nacht zum Freitag brannten mehrere Gebäude auf dem Eschbachhof bei Trossingen komplett nieder. Das Wohnhaus und die dort lebende Familie konnten gerettet werden, für viele Tiere kam jede Hilfe zu spät.

 

Hofinhaber Martin Benzing ist fassungslos. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt er. Ein Mann habe ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf geklingelt. Schnell steht fest: es brennt. Gemeinsam mit den Einsatzkräften versucht Benzing, seine Tiere zu retten. "Wir haben noch die Tore aufgemacht", sagt er. Doch nur wenige Tiere schaffen es ins Freie. Stall und Scheune brennen komplett ab. "Man hat nichts mehr machen können, wir waren hilflos", sagt Benzing über die Brandnacht.

Bis zu 140 Einsatzkräfte mit 30 Fahrzeugen vor Ort

Nachts um halb zwei geht die Meldung bei der Leitstelle ein. "Schon bei der Anfahrt war uns klar, dass ist was Größeres", sagt Ralf Sorg, Zugführer und Pressesprecher der Trossinger Feuerwehr. Er alarmiert sofort weitere Einsatzkräfte. Nachdem diese die achtköpfige Familie aus dem Wohnhaus geholt haben, beginnen sie mit den Löscharbeiten. Auch Feuerwehrleute aus Durchhausen und die Führungsgruppe Geisingen-Immendingen sowie die Feuerwehren Aldingen und Spaichingen rücken mit Drehleitern und Löschzug an.

In der Nacht sind bis zu 140 Einsatzkräfte mit 30 Fahrzeugen vor Ort. "Wir haben das Feuer vor dem Wohnhaus stoppen können", berichtet Sorg. Und auch ein Übergreifen auf eine stillgelegte Biogasanlage und einen Hühnerstall können die Feuerwehrleute verhindern.

Personen sind nicht verletzt

Am Freitagvormittag ist die Feuerwehr noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt, ein Bagger zieht das Heu dafür auseinander. "Das wird langwierig", kündigt Sorg an. 120 Rinder sind nach ersten Schätzungen verbrannt. "Wir haben versucht, die Tiere zu retten, was uns nur ein Stück weit gelungen ist. Etwa 20 Tiere haben überlebt", sagt Sorg. Personen sind nach Angaben von Polizei und Feuerwehr nicht verletzt worden.

Auch Trossingens Bürgermeisterin Susanne Irion ist am Freitag auf dem Hof vor Ort. "Die Bilder sind schwer zu ertragen", sagt sie. Gleichzeitig habe die Solidarität unter den Landwirten sie sehr berührt. Schnell hat Martin Benzing einen Platz für die überlebenden Tiere gefunden. Mit einem Viehtransporter wurden sie zu einem befreundeten Landwirt gebracht. "Ich bin sehr froh, über die Unterstützung von Freunden, Familie und Nachbarn", sagt Martin Benzing.

Familie Benzing will Hof nicht aufgeben

Familie Benzing kommt erstmal bei Verwandten unter. Die sechs Kinder sind bereits bei einem Familienmitglied, so Benzing. Von den Aufräumarbeiten sollen sie nichts mitbekommen. In den nächsten Tagen muss er sich um den Abtransport der Tierkadaver kümmern. Kurz hatten die Einsatzkräfte die Befürchtung, dass auch Hofhund Susi bei dem Brand gestorben ist. Später stellt sich jedoch heraus: Susi ist wohlauf. "Ihr geht es zum Glück gut", berichtet Benzing.

Trotz des Schicksalsschlags will er seinen Hof nicht aufgeben. Mit seiner Versicherung hat Benzing bereits Kontakt aufgenommen, mehr kann er zu diesem Thema aber noch nicht sagen. "Da sind wir dran", erklärt er.

Noch keine Angaben zur Brandursache

Zur Brandursache könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen, so Polizeisprecher Marcel Ferraro. Kriminaltechniker und Kriminalpolizei seien vor Ort, das ist laut Polizeisprecher bei einem Brand in dieser Größenordnung ein normales Vorgehen.

Zuletzt hatte es im Landkreis Tuttlingen mehrere Brände von landwirtschaftlichen Gebäuden gegeben. Besteht ein Zusammenhang zum Brand des Eschbachhofes? "Das müssen wir prüfen", so Ferraro. "Erstmal muss die Brandursache festgestellt werden, bevor wir eine mögliche Verbindung untersuchen können." Auch ein technischer Defekt oder eine andere Brandursache könne man derzeit nicht ausschließen.

Der Schaden wird nach einer ersten Schätzung auf rund 1,5 Millionen Euro beziffert. "Das kann ich noch nicht bestätigen. Der Schaden wird aber sicherlich sechsstellig sein oder in den Millionenbereich gehen", so Ferraro.