Nach der Baustelle ist vor der Baustelle: Im Kanderner Gemeinderat ging es um zusätzliche Wasserleitungen und Schäden am Enzenbergweg, der während der Bauzeit als Behelfsstraße diente.
Während in Sitzenkirch im ganzen Ort noch Absperrschranken und Bauzäune an die Einschränkungen durch die eineinhalbjährige Mammutbaustelle erinnern, laufen bereits die Planungen für ein Nachspiel. Dabei geht es um zusätzliche Leitungsarbeiten in der Neumatt und die Instandsetzung des Enzenbergwegs durch das Bau-Unternehmen Kern.
Die Kanderner Firma ist noch vor Ort, um Rückbaumaßnahmen zu vollenden. Deshalb sei es logistisch und wirtschaftlich sinnvoll, auch die zusätzlichen Arbeiten von der Firma erledigen zu lassen, so die Argumentation der Verwaltung.
Bei den Leitungsarbeiten handelt es sich einerseits um die Herstellung einer Regenwasserleitung für 65.000 Euro, andererseits um die Herstellung und Anpassung einer Trinkwasserleitung für 36.000 Euro.
Neue Bauanträge holen altes Thema zurück
Bereits im September 2020 war unter anderem die Ergänzung der beiden Leitungen als sinnvoll empfohlen worden, für den Fall, dass es in Zukunft Bauanträge geben würde und ein Trennsystem für Regen- und Schmutzwasser für die jeweiligen Bauherren dann verbindlich sei. Weil es damals aber keine Bauanträge gab, wurde zunächst darauf verzichtet.
„Wir haben damals die Notwendigkeit zwar gesehen, aber wir konnten es uns schlicht nicht leisten“, sagte Sitzenkirchs Ortsvorsteher Tobias Buss dazu im Rat.
Nun hat der Fall die Stadt eingeholt: In den Jahren 2024 und 2025 wurden zwei Bauanträge genehmigt und die Leitungen müssen nachträglich ergänzt werden. Die Kosten dafür liegen laut Verwaltung inzwischen rund 45 Prozent höher als noch vor sechs Jahren.
Beim Enzenbergweg, der als Behelfsstraße während der Baustellenzeit diente, liegen die Dinge anders. Der Weg wurde während der Baustellenzeit stark beansprucht und dabei deutlich beschädigt und soll deshalb saniert werden. Auch diese Maßnahme sei absehbar gewesen, das genaue Ausmaß der Schäden habe man allerdings erst abwarten müssen, so Bürgermeisterin Simone Penner.
Insgesamt kostet die Maßnahme rund 100.000 Euro, wovon die Stadt Kandern für die Hälfte der Kosten aufkommt, die andere Hälfte übernimmt das Regierungspräsidium.
Diskussion um Schäden am Enzenbergweg
Im Gemeinderat war das Stimmungsbild zweigeteilt. So wurde grundsätzlich infrage gestellt, ob für den Enzenbergweg eine so teure Instandsetzung nötig ist, immerhin handle es sich dabei lediglich um eine wenig befahrene Nebenstraße. Auch sei der Zustand des Weges schon vor den Bauarbeiten nicht besonders gut gewesen. Außerdem gebe es in Kandern und Umgebung sicherlich Straßen, die eine Sanierung dringender nötig hätten.
Andererseits wurde darauf verwiesen, dass sich das Land überhaupt nur beteilige, weil der Weg während der Baustelle als Behelfsstraße genutzt worden sei. Für andere Straßen gebe es einen solchen Zuschuss nicht.
Weiter wurde kritisiert, dass trotz der erheblichen Summe keine Komplettsanierung geplant sei, sondern nur beschädigte Stellen und Schlaglöcher ausgebessert werden sollen. Tiefbauleiter Dominik Heizmann hielt fest: Auch wenn das schwer nachvollziehbar sei, entsprächen diese Kosten den heutigen Preisen für solche Reparaturarbeiten.
Gemeinderat spaltet Beschluss auf
Der ursprünglich zusammengefasste Beschlussantrag wurde aufgrund der Diskussionen auf Vorschlag von Bürgermeisterin Simone Penner aufgeteilt. So wurde die Einrichtung der Leitungen mit 13 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und einer Enthaltung angenommen, die Instandsetzung der Straßenoberfläche wurde mit 11 Ja-Stimmen, zwei Neinstimmen und zwei Enthaltungen ebenfalls angenommen. Die Mittel dafür waren bereits im Haushalt 2026 eingeplant.