So sieht es aktuell auf der Baustelle für das neue Rottweiler Landratsamt aus. Foto: Jasmin Cools

Wie liegt das Rottweiler Millionenprojekt im Zeit- und Kostenplan? Und was ist aktuell auf der Baustelle los? Der Projektsteuerer gibt dazu ein Update.

Das neue Rottweiler Landratsamt wächst jetzt auch in die Höhe, wie auf der Baustelle in der Königstraße zu beobachten ist. Nachdem die Kreisräte über die Farbgestaltung der Fassade abgestimmt hatten, erhielten sie ein Update dazu, wie das Millionenprojekt im Zeitplan liegt – und wie sich die Kosten inzwischen entwickelt haben.

 

In der Rohbauphase habe man sechs Wochen verloren, erfuhren die Kreisräte im Ausschuss zum neuen Landratsamt. Komplett aufholen können werde man den Rückstand wohl nicht, aber die Firma Stumpp treibe die Arbeiten so gut wie möglich voran, hieß es vom Projektsteuerer. Dafür sei im April noch ein vierter Kran aufgestellt worden. In Anbetracht der Gesamtdauer des Projekts liege man insgesamt trotzdem gut im Zeitplan, fand der Vertreter des Planungsbüros Drees&Sommer.

66 Prozent der Bauleistungen getätigt

Aktuell würden auf der Baustelle weiterhin Rohbau- und Holzbauarbeiten vorgenommen. Derzeit sei man an der Decke des Untergeschosses.

Die Aufträge für die Dachabdichtung, Oberlichter, Maler, Abwasser- und Wasseranlagen, Heizung, Lüftungsanlagen, Elektroanlagen und Gebäudeautomation seien im April vergeben worden. Damit seien rund 66 Prozent der Bauleistungen getätigt.

Jetzt stehe das vierte Vergabepaket an. Dazu zählen Trockenbau, Estrich/Hohlraumböden, die Innenfassade des Atriums und die Innengerüste. Die Angebote sollen Mitte Juni vorliegen, der Zuschlag Mitte Juli erteilt werden.

Im Anschluss wird das fünfte Vergabepaket vorbereitet, das Freianlagen, Stahltüren und die Verbindungsbrücke inklusive Anpassung der Fassade der Stadionstraße 5 beinhalten soll. Im September sollen Angebote vorliegen. Auch das sechste Paket soll noch vor Weihnachten auf den Weg gebracht werden.

Baustart für das neue Parkhaus soll im Juni sein.

Fassadenarbeiten im Winter?

SPD-Kreisrat Berthold Kammerer warf die Frage auf, ob es sinnvoll sei, Fassaden- und Dacharbeiten im kommenden Winter vorzunehmen, wie im aktuellen Zeitplan vorgesehen. Die Jahreszeit sei ungünstig, und Verzögerungen ließen sich nicht ausschließen, räumte der Vertreter von Drees&Sommer ein. Allerdings würden die Elemente im Werk vorgefertigt, und es sei vorteilhaft für die folgenden Gewerke, das Gebäude schnell dicht zu bekommen.

1,6 Millionen Euro Mehrkosten

Veränderungen gab es bei den Kosten. Mit rund 3,7 Millionen Euro liegt die Kostenberechnung für die Technik der Integrierten Leitstelle rund 817.000 Euro und damit fast ein Viertel über dem ursprünglich angesetzten Budget.

Ursache seien unter anderem eine umfangreichere Hardware und Medientechnik und zusätzliche Anforderungen, die aufgrund einer geänderten Gesetzeslage erfüllt werden müssten, hieß es.

Spätestens 2029 hätte man die Hardware der Leitstelle – die macht rund 2,3 Millionen der Kosten aus – aber ohnehin austauschen müssen, so der Projektsteuerer. Die ILS werde im neuen Landratsamt voraussichtlich Mitte oder Ende 2028 an den Start gehen.

Weitere Mehrkosten betreffen zusätzliche Anforderungen beim Trockenbau, etwa was Einbruchschutz angeht, im Umfang von rund 32.000 Euro und ein Estrichgutachten wegen Nutzlasten, die über der DIN-Normung liegen (46.000 Euro). Die insgesamt 1,6 Millionen Euro an Mehrkosten würden über das Budget für Unvorhergesehenes abgedeckt.

Kostenprognose: 85,2 Millionen Euro

Rund 4,7 Millionen Euro seien im Rahmen der bisherigen Vergaben nicht benötigt worden, weshalb man diese in das Budget für Unvorhergesehenes buche, erklärte der Projektsteurer.

Den Aspekt der Baupreissteigerung berücksichtigt, liegt die Kostenprognose aktuell bei einer Gesamtsumme von 85,2 Millionen Euro für den Neubau des Landratsamtes.

CDU-Kreisrat Thomas Albrecht verwies bei der Finanzierung auf das Sondervermögen des Bundes, das innerhalb kürzester Zeit ausgezahlt werde – diese Erfahrung habe er zumindest in seiner Gemeinde gemacht. Anfangs habe es geheißen, das Projekt sei in diesem Fall nicht förderfähig, meinte Kreiskämmerer Michael Kah. Das habe sich dann als falsch herausgestellt. Aktuell erstelle man eine Liste dazu, was förderfähig sei. Auf Albrechts Hinweis, die Mittel auch im Hinblick auf geplante Kreditaufnahmen so schnell wie möglich abzurufen, versicherte Kah: „Wir lassen nichts anbrennen.“