Wie ist der schnellste Weg in den neuen „Knast“ in Rottweil? In dem man dort arbeitet, sagt das Justizministerium auf großen Plakaten. Wie viele Arbeitsplätze entstehen eigentlich im neuen Großgefängnis? Und wer wird gebraucht? Wir haken nach.
Während das neue Großgefängnis im „Esch“ immer mehr Formen annimmt und das Geschehen zahlreiche Baustellentouristen anzieht, hört man es im Kreis Rottweil immer öfter: Menschen bewerben sich für eine Stelle im neuen „Knast“ oder spielen mit dem Gedanken. Und einige, so ist zu hören, wurden speziell mit Blick auf den Betriebsstart in der neuen JVA bereits eingestellt.
Die Werbung des Justizministeriums ist währenddessen allgegenwärtig: Man braucht Mitarbeiter und lockt mit dem „schnellsten Weg in den Knast“. Doch wie viele Arbeitsplätze entstehen dort? Wer wird gebraucht, um eine JVA mit 502 Haftplätzen am Laufen zu halten? Ist zudem ein großer Zuzug und damit mehr Druck auf den Wohnungsmarkt zu befürchten? Ein Sprecher des Justizministeriums in Stuttgart antwortet auf die Fragen unserer Redaktion.
Wie viele Stellen gibt es insgesamt für die neue JVA neu zu besetzen? Und welche Berufssparten sind dies?
„Die Justizvollzugsanstalt soll nach aktueller Planung im Neubau über 276 Personalstellen, verteilt über die Laufbahngruppen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes sowie unterschiedliche Laufbahnfachrichtungen verfügen“, so der Sprecher. Insbesondere gehe es hier um den Vollzugsdienst, Werkdienst, Verwaltungsdienst, Sozialdienst, den Psychologischen Dienst, den Ärztlichen Dienst, Pädagogischen Dienst und den Seelsorgerlicher Dienst.
Der konkrete Stellenbesetzungsbedarf sei aber deutlich geringer, da insbesondere das in den bisherigen Teilanstalten der Justizvollzugsanstalt Rottweil tätige Personal seinen Dienst künftig in dem neuen Gefängnisbau verrichten werde. Zahlenmäßig am stärksten werden die drei Laufbahnen des mittleren Dienstes (Vollzugs-, Werk- und Verwaltungsdienst) vertreten sein.
Wie viele Ausbildungsstellen in welchen Berufen gibt es? Und was sind die Voraussetzungen?
Die Laufbahnen des gehobenen und höheren Dienstes, zum Beispiel des Sozial- oder Verwaltungsdienstes sowie des Psychologischen Dienstes, Ärztlichen Dienstes oder Pädagogischen Dienstes setzen als Zugangsvoraussetzung eine akademische Vorbildung voraus, heißt es von Seiten des Ministeriums. Voraussetzung für eine Tätigkeit im mittleren Vollzugs-, Werk- sowie Verwaltungsdienst sei hingegen eine zweijährige beziehungsweise 18-monatige duale Ausbildung, deren Praxisanteil sowohl in der (bisherigen) Vollzugsanstalt Rottweil als auch in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg absolviert wird.
„Die fachtheoretische Ausbildung erfolgt zentral am Bildungszentrum Justizvollzug. Darüber hinaus besteht seit mehreren Jahren für tariflich beschäftigte Mitarbeiter des Verwaltungsdienstes die Möglichkeit, im Rahmen eines Weiterqualifizierungsprogramms in das Beamtenverhältnis zu wechseln“, heißt es.
Vom Fachkräftemangel ist überall zu hören. Wie ist in Sachen JVA die Bewerberlage? Welche Bereiche sind gut zu besetzen, für welche ist es schwieriger?
„Nachdem die Inbetriebnahme der neuen JVA Rottweil für 2027 geplant ist, befinden sich derzeit noch nicht alle zusätzlichen Stellen in der Ausschreibung“, informiert der Sprecher. Die aktuellen Stellenbesetzungsverfahren verlaufen seiner Aussage nach „gegenwärtig zufriedenstellend“.
Welche Aufgabenfelder sind bereits „aktiv“?
Da sich die neuen Gebäude der JVA Rottweil gegenwärtig im Bau befinden, finden dort noch keine vollzuglichen Tätigkeiten statt. Bis zu deren Inbetriebnahme erfolge der Strafvollzug weiterhin in den bestehenden Teilanstalten der Vollzugseinrichtung in Rottweil, Hechingen, Villingen-Schwenningen und Oberndorf.
Wer ist angesprochen? Gibt es auch Möglichkeiten für Quereinsteiger?
Der Sprecher sagt: „Da eine Tätigkeit mit häufigem Gefangenenkontakt auch eine gewisse Berufs- und Lebenserfahrung erfordert, sind Quereinsteiger eine klassische Zielgruppe der Personalakquise für den Justizvollzug insgesamt.“
Für eine Tätigkeit im Vollzugs- und Werkdienst bestehe dabei ein besonderes Interesse sowohl an medizinisch-pflegerisch als auch technisch vorqualifizierten Bewerbern. Man spreche hinsichtlich einer Tätigkeit im mittleren Verwaltungsdienst ganz gezielt (Real-) Schulabgänger an.
Es ist anzunehmen, dass neue Mitarbeiter sich auch auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar machen werden. Gibt es hier Kooperationen mit Bauträgern/Gemeinden?
Hier sieht das Justizministerium keinen Handlungsbedarf: Es zeichne sich ab, dass die meisten Bewerber für eine Tätigkeit in der neuen JVA Rottweil bereits in der Region Rottweil wohnen und deshalb keine zusätzlichen Wohnbedarfe entstehen werden, erklärt der Sprecher.
Noch ist etwas Vorlaufzeit – die Fertigstellung der JVA ist für Ende 2027 geplant. Das Land investiert in den Neubau in Rottweil rund 280 Millionen Euro – wobei anzunehmen ist, dass dies angesichts der Kostenentwicklung nicht ausreichen wird. Mit der JVA-Einweihung und der Landesgartenschau 2028 stehen der Stadt dann zwei besondere Ereignisse ins Haus.
Nähere Informationen: www.justizvollzug-bw.de und www.jva-rottweil.de.